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Roter Ochse in Grimma ist für Flüchtlinge vorübergehende Heimat

Asyl Roter Ochse in Grimma ist für Flüchtlinge vorübergehende Heimat

Es war ein Geburtstag, der nicht gefeiert wurde. Seit mehr als einem Jahr dient der sogenannte Rote Ochse mitten im Gewerbepark Grimma-Süd als Flüchtlingsunterkunft. Nach anfänglichem Protest von Unternehmern ist es ruhig geworden um das Heim.

Amir Mahmoud leitet das Asylbewerberheim in Grimma.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Es war ein Geburtstag, der nicht gefeiert wurde. Seit nunmehr einem Jahr dient der sogenannte Rote Ochse mitten im Gewerbepark Grimma-Süd als Flüchtlingsunterkunft. Am 22. Dezember 2015 zogen hier die ersten Asylbewerber ein. Nach anfänglichem Gegenwind umliegender Unternehmer blieb es um den Roten Ochsen das ganze Jahr über vergleichsweise still. Für negative Schlagzeilen sorgte die Unterkunft erst kurz vor Weihnachten, als ein 22-Jähriger Iraker nach einem Fehlalarm einen Feuerwehrmann attackierte (die LVZ berichtete).

So etwas beschädige den Ruf der gesamten Gemeinschaftsunterkunft, war denn auch der Objektverantwortliche sichtlich besorgt. Es werfe ein schlechtes Licht auf jene, die dort in Ruhe leben wollen. Etwa Sami Hriz und seine Frau Juliet Almaker mit den zwölfjährigen Zwillingen Jakleen und Jak und dem 14-jährigen Meiar. Die fünfköpfige syrische Familie hat sich in dem schlichten Zimmer, in dem sie untergebracht ist, so gut wie möglich eingerichtet. Doch die eisernen Betten und Spinde und die karge Einrichtung fallen als erstes ins Auge, wenn man den Raum betritt. Die Kriegswirren und auch ihre religiöse Neigung hätten sie aus dem Land getrieben, erzählen Vater und Mutter. Zwei Klassenkameraden ihres Sohnes, ebenfalls Christen, seien entführt worden, berichten sie über die Gefahren.

Nach ihrer Flucht aus der syrischen Hauptstadt Damaskus ist die Familie bereits seit einem Jahr in Deutschland und vor sechs Monaten anerkannt worden. Jetzt will sie endlich raus aus dem Asylheim in der Südstraße. Doch die Suche nach einer Wohnung gestaltet sich schwierig. „Ich helfe dabei“, sagt Amir Mahmoud, der seit November das Heim leitet. Seine palästinischen Eltern siedelten einst nach Syrien über, wo er das Licht der Welt erblickte und aufwuchs. 17-jährig kam er 1998 nach Deutschland, um mit seinen beiden Brüdern zusammen zu leben.

Längst ist er eingebürgert und sei stolz darauf, erzählt er. Nach einigen beruflichen Zwischenstationen ließ sich Mahmoud 2015 bei den Maltesern in Leipzig ein Jahr lang zum Sozialarbeiter und Flüchtlingsbetreuer ausbilden und fand danach bei der Bayrisch-Sächsischen Gesellschaft für Herbergen und Liegenschaften mbH (BSG) mit Sitz in Leipzig einen Job. Sie ist der Betreiber der Unterkunft in Grimma, wo Mahmoud den erkrankten Alexander Hablick als Heimleiter ablöste. Neben seiner Muttersprache Arabisch spricht der 35-jährige Neu-Leipziger Deutsch und nach eigenen Angaben auch Italienisch und Englisch. In Russisch besitzt er Grundkenntnisse.

Die BSG, eine Gesellschaft der Northgate Enterprises Group Leipzig, setze beim Personal für Flüchtlingsunterkünfte auf Leute mit Migrationshintergrund, lässt der Objektverantwortliche wissen. Auch die für den Roten Ochsen beauftragte Sicherheitsfirma, die Black Knight GmbH aus Leipzig, habe Libanesen, Iraker und Afghanen in ihren Reihen. „Die können auf Augenhöhe mit den Bewohnern umgehen, weil sie aus deren Kulturkreis stammen. Sie kennen die Mentalität“, erklärt er die Vorteile. „Mit den Leuten, die hier arbeiten, schaffen wir für die Bewohner gute Bedingungen. Die fühlen sich in ihren Belangen verstanden.“

Northgate wollte den Fünfgeschosser mit der roten Fassade neben dem Jobcenter ursprünglich kaufen und sanieren, doch daraus wurde nichts. Offenbar liegt die Immobilie nach wie vor in den Händen der Taiga-Holzhaus GmbH Dötlingen, die sich gegenüber der LVZ nicht äußern wollte. Nach den Worten des BSG-Objektverantwortlichen kam der Eigentümer für die nötigen Investitionen im einstigen Bürogebäude auf, seiner Kenntnis nach seien 1,6 Millionen Euro in den Umbau geflossen – in sanitäre Einrichtungen und Küchen, vor allem aber, um die hohen Brandschutzauflagen zu erfüllen. Allerdings kommt es immer wieder zu Fehlalarmen, kurz vor Weihnachten hatten brennende Kerzen einen der empfindlichen Melder ausgelöst, im Oktober war es Wasserdampf.

Im Roten Ochsen ist kein Kommen und Gehen. Laut Betreiber leben etwa 80 Prozent jener Flüchtlinge, die vor einem Jahr hier Quartier bezogen, immer noch im Haus. Kurz vor Weihnachten wohnten 127 Menschen in der Unterkunft, laut Heimleiter Mahmoud vorwiegend Familien und etwa 20 Alleinstehende. Dadurch gebe es weniger Reibungspunkte. Die Kapazität liege momentan bei 230 Personen, erläutert der BSG-Objektverantwortliche. Derzeit sind die zwei unteren der fünf Geschosse belegt, das zweite Obergeschoss sei fertig, aber nicht in Benutzung. Ein Ausbau des dritten und vierten Obergeschosses würde pro Etage noch einmal eine halbe Million Euro kosten.

Der Betreibervertrag zwischen Landratsamt und BSG wurde im Dezember 2015 signiert. Zur Laufzeit äußert sich die Kreisbehörde nicht und beruft sich auf Datenschutz. Eine eventuellen Veräußerung des Gebäudes sieht das Amt ebenfalls gelassen. „Da Kauf nicht Miete bricht, hat eine Änderung der Eigentumsverhältnisse keine Auswirkung auf die Unterbringung der Flüchtlinge im Roten Ochsen“, so Landratsamt-Sprecherin Brigitte Laux. Wichtig sei für das Amt der Vertrag mit dem Betreiber, der den reibungslosen Betrieb für die Unterkunft sichere. Diese Zusammenarbeit gestalte sich konstruktiv.

Der Betreiber habe so viel Personal einzusetzen, dass die Betreuung in den Belangen der Unterkunft gewährleistet ist, so Laux. Allerdings ist nach der Attacke auf den Feuerwehrmann die Diskussion ums Wachpersonal neu entfacht worden.

Das Landratsamt kommt nur noch für die Kosten in den Nachtstunden und am Wochenende auf. Den Wachmann tagsüber „zahlen wir und bleiben auf einer fünfstelligen Summe sitzen“, sagt der Objektverantwortliche.

Die weitaus umfangreichere, soziale Betreuung der Asylbewerber erfolgt durch die Flüchtlingssozialarbeiter des DRK Muldental im Rahmen von Sprechstunden direkt in der Unterkunft, so Laux. Hinzu kämen Sprachmittler und ehrenamtlich Engagierte.

Von Frank Prenzel

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