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Grimma Ruhe am Teich täuscht – Großbardau bereitet große 800-Jahr-Feier vor
Region Grimma Ruhe am Teich täuscht – Großbardau bereitet große 800-Jahr-Feier vor
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16:16 22.02.2016
Am Schmiedeteich in Großbardau geht es idyllisch zu.   Quelle: Foto: Thomas Kube
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Grimma/Grossbardau

 2018 ist es 800 Jahre her, dass Großbardau erstmals urkundlich erwähnt wurde. Bis zum Jubiläum wird zwar noch einiges Wasser die nahe Parthe herunterfließen, aber um die Vorbereitungen gut organisiert angehen zu können, möchten die Großbardauer einen Heimatverein gründen. Der Ortschaftsrat hatte deshalb jetzt zu einer Informationsveranstaltung ins Dorfgemeinschaftshauses „Weintraube“ in der Parthenstraße 14 eingeladen. Rund 30 Bürger aus dem 900-Seelen-Dorf waren gekommen. „Wir freuen uns über jeden, der mitmachen möchte“, hatte Ortsvorsteher Matthias Franz zuvor geworben, „auch Einwohner aus Bernbruch, Kleinbardau und Waldbardau sind herzlich willkommen.“

 „Die Idee für einen Heimatverein kursiert schon lange“, sagte Ortschaftsrat Andreas Wittig. Für manches, was eigentlich in die Kompetenz eines solchen Vereins fällt, wie das Teichfest, hat sich in der Vergangenheit die Feuerwehr den Hut aufgesetzt, erzählte Wittig, zugleich Vorsitzender des Feuerwehrvereins und Wehrleiter. So gab es 1947 bis 1977 unter ihrem Dach sogar eine Theatergruppe. Ein Heimatverein könnte aber auch zum Beispiel Vorträge zur Geschichte des Dorfes organisieren, wie zur Rolle Großbardaus – wegen seiner günstigen Lage an einer Furt durch die damals versumpfte Parthen-Aue – als bedeutende „Geleit“-Station an der Alten Salzstraße.

Dieser historische Handelsweg verband im Mittelalter den Siedlungsraum Leipzig-Magdeburg mit dem salzarmen Böhmen. „In der Gilsenburg an der Ecke Parthen-/Alte Schulstraße war einst das Geleithaus für die Salzstraße untergebracht“, erinnerte Wittig. Überhaupt habe er das Gefühl, dass mit der älter werdenden Einwohnerschaft viel Erfahrung und Erinnerung verloren gehe. Ein Heimatverein könnte sie bewahren, meinte Wittig – vielleicht sogar in einer Heimatstube, so die Anregung aus den Besucherreihen.

Die Kirche ist eines der ältesten Gebäude im Ort. Ihre Vorgängerin, eine Holzkirche, wird bereits um 1160 vermutet. Quelle: Thomas Kube

21 der Anwesenden könnten sich vorstellen, im Verein mitzuarbeiten. Wittig zeigte sich „angenehm überrascht“ über die Resonanz und legte mit dem 7. März, 19.30 Uhr, auch gleich einen Termin für die Gründungsversammlung in der „Weintraube“ fest. „Und jeder kann gern noch weitere Interessenten mitbringen“, warb Wittig und hofft, dass sich unter allen dann auch genügend finden, um den sechsköpfigen Vorstand zu besetzen. „Wer bisher geschimpft hat, in Großbardau sei nichts los, hat jetzt die Chance sich einzubringen“, sagte der Ortschaftsrat und ist, wie auch Matthias Franz, optimistisch, dass sich auch die Jugend für die Mitwirkung im Heimatverein erwärmen lässt.

Die 800-Jahr-Feier könnte zur Feuertaufe für den neuen Verein werden. Allerdings ist momentan auch noch die Variante im Spiel, ein Organisationskomitee ins Leben zu rufen, damit sich die, die nicht in einem Verein mitwirken möchten, trotzdem in die 800-Jahr-Feier einbringen können. „Aber wir können das gern noch mal diskutieren“, so Wittig. Inhaltlich gibt es auch schon erste Vorstellungen. „Wir wollen, wie schon zum 75-jährigen Bestehen der Feuerwehr im vergangenen Jahr, im Juni 2018 eine Woche und zwei Wochenenden feiern“, so der Wehrleiter. „Aber wir wollen nicht noch einmal eins zu eins das damalige Programm aufwärmen“, stellte er klar und zeigte sich deshalb offen für interessante Vorschläge.

Angedacht sind bisher ein Heimatabend und als Höhepunkt ein Festumzug. Auch eine Festschrift soll erarbeitet werden. „Wir sind dankbar über Bilder, Dokumente und andere Materialien aus der Geschichte von Großbardau.“ Geäußert wurde auch der Wunsch, einmal die Bilder des verstorbenen Rudolf Weber zu zeigen, der viele Dorfansichten, aber auch Gewandhauskapellmeister Kurt Masur gemalt hat. Stadtsprecher Sebastian Bachran, der seitens der Stadtverwaltung zusicherte, nach Förderprogrammen für die Feier Ausschau zu halten, stellte die Idee einer Fotoausstellung in den Raum, die historische und heutige Ansichten gegenüber stellt. Außerdem rief er kreative Großbardauer dazu auf, ein Logo für die 800-Jahr-Feier zu entwerfen.

Die ehemalige Gilsenburg an der Ecke Parthenstraße/Alte Schulstraße war eins Geleithaus an der Alten Salzstraße. Quelle: Thomas Kube

Großbardauer Geschichte

Die urkundliche Ersterwähnung von Großbardau datiert aus dem Jahr 1218. In dieser ging es um das Recht des Sächsischen Markgrafen Dietrich des Bedrängten, in seinem Grimmaer Schloss eine Kapelle außerhalb der Bardauer Pfarrgemeinde zu betreiben. Das heißt, Dorf und Kirche „Parde“ (Großbardau) müssen bereits lange zuvor bestanden haben. Spätestens um 1160 vermuten Historiker den Bau einer Holzkirche. 1218 erhielt Grimma Marktrecht. In diesem damals schnell wachsenden Marktflecken entstand 1220 die große Frauenkirche, damit war die Zeit Großbardaus als regionales Zentrum beendet. Zum alten Ortskern gehört neben der wehrhaften Kirche und dem Friedhof die Gilsenburg. Der Komplex auf einem Hügel ist zum größten Teil von einer zwei bis fünf Meter hohen, mauerbekrönten Felskante umgeben. Im alten Ortskern findet man auch die Namen „Badergasse“ und „Schmiedeteich“, 1308 wird ein „Conradus Sutor de Parda“ (Konrad der Schuster aus Bardau) in einer Urkunde genannt, das war damals für ländliche Siedlungen untypisch und lässt eher die Planung einer Kleinstadt vermuten. 1241 schenkte Markgraf Heinrich der Erlauchte das Dorf „Maior Parda“ dem Hospital zu Grimma, 1251 wurde beides vom Zisterzienserkloster Nimbschen übernommen. Zur Gemeinde Großbardau mit den Ortsteilen Großbardau und Waldbardau gehörten seit dem 1. Juli 1972 Kleinbardau und seit dem 1. Januar 1974 auch Bernbruch. Nach einigen Jahren Verwaltungsgemeinschaft erfolgte am 1. Januar 2006 die Eingemeindung nach Grimma.

„Wir wollen uns ziemlich bald an einen Tisch setzen“, kündigte Andreas Wittig an. „Denn so ein Umzug ist nicht von heute auf morgen zu organisieren, ebenso wie die Festschrift. Und schließlich soll es was Ordentliches werden.“

Von Ines Alekowa

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