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Grimma Runde Sache: Besucherzahl auf Schloss Colditz schnellt nach oben
Region Grimma Runde Sache: Besucherzahl auf Schloss Colditz schnellt nach oben
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11:49 12.02.2016
Die Schlossweihnacht in Colditz. Sie gilt als feste Größe im Kulturjahr und als Besuchermagnet.  Quelle: Thomas Kube
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Colditz

 Deutlich mehr Besucher als im Jahr zuvor empfing die Gesellschaft Schloss Colditz 2015. Entsprechend zufrieden zeigt sich Geschäftsführerin Cornelia Hippe-Kasten. Mit ihrem Team will sie jetzt das Veranstaltungsangebot ausbauen. Sie braucht die Einnahmen, denn der finanzielle Spielraum wird immer enger.

„Wir hatten 20 Veranstaltungen, alle waren sehr gut besucht“, resümiert die 56-Jährige. „Beschweren können wir uns also nicht.“ Nach 5800 Besuchern von Veranstaltungen und Ausstellungen, die 2014 gezählt wurden, kamen im vergangenen Jahr 11 000. Dieser enorme Sprung nach oben trügt allerdings etwas, denn allein 4500 Menschen wollten die Sonderausstellung „150 Jahre Fotografie in Colditz“ sehen, die im Rahmen der 750-Jahrfeier der Stadt gezeigt wurde. Wird dieser Wert von der Gesamtzahl abgezogen, bleiben aber immer noch 6500 Gäste – ein beachtliches Plus.

Auch im Museumsbereich konnte zugelegt werden. 2015 sahen 23 000 Besucher und damit 2000 mehr als im Vorjahr die Dauerausstellungen zur Geschichte des Schlosses und das Fluchtmuseum, das sich mit der Zeit des Kriegsgefangenenlagers für alliierte Offiziere von 1939 bis ’45 befasst. 11 200 von ihnen reisten aus Großbritannien an, die zweitgrößte Gruppe waren die Deutschen mit 9300 Gästen. Ansonsten wurden unter anderem Niederländer, Australier, Belgier, Italiener, Japaner, Neuseeländer, Polen, Russen, Schweden, Spanier, Tschechen und US-Amerikaner empfangen.

Insgesamt kamen also 34 000 Besucher zusammen. Das ist ungefähr das Vierfache der Colditzer Einwohnerschaft. „Also kann es nicht so verkehrt sein, was wir hier machen“, schätzt Hippe-Kasten ein. „Die Resonanz bestätigt das ausgewogene Angebot unserer Gesellschaft. Darauf sind wir stolz. Andere Schlösser, so kenne ich es vom Hörensagen, verzeichnen eine Stagnation oder einen Rückgang der Besucherzahl.“

In diesem Jahr soll der Museumsbetrieb wie gewohnt weiterlaufen. „Unser achtköpfiges Team will aber vermehrt die Kultur mit dem Museum und besonderen Führungen zur Stadtgeschichte verbinden“, so Hippe-Kasten. Vom ersten Versuch im vergangenen Jahr seien die Gäste hellauf begeistert gewesen. Damals schlossen sich an eine Schlossführung ein Museumsbesuch, ein Essen im Waldhaus und eine Kabarettveranstaltung an. So etwas solle es öfter geben.

Auch auf die Nachtführungen mit Gefangenenschmaus möchte die Gesellschaft stärker setzen. Im Jahresprogramm ist zwar nur ein öffentlicher Termin am 22. Oktober angesetzt. Ab jetzt können aber auch Firmen, die ein Highlight für ihre Feiern suchen, so ein Paket buchen.

22 Veranstaltungen und damit zwei mehr als 2015 wird es dieses Jahr geben, darunter sechs klassische Blüthner-Konzerte und als Pendant dazu vier Kabaretts. Irish-Folk-Gruppen, wie sie in den beiden vergangenen Jahr zu hören waren, stehen nicht im Plan. Dafür gibt’s am 5. März Rock mit Tino Standhaft, am 28. Mai Tango mit Jürgen Karthe und am 5. November Jazz mit 2Hot. „Das sollen richtige Knaller werden, der Kartenvorverkauf läuft bereits“, erklärt Cornelia Hippe-Kasten. Ansonsten ist auf den Wunsch des Publikums hin Ludwig Müller nochmals eingeladen, der am 9. April Lieder von Reinhard Mey singt. Und nach drei Jahren Pause läuft in der Adventszeit eine Woche nach der traditionellen Schlossweihnacht ein Gospelkonzert.

Mit einer Festveranstaltung soll am 18. September des 100. Geburtstags von Helmut Drechsler gedacht werden. Organisiert wird sie gemeinsam mit Altkantor Albert Peter Bräuer, der das Archiv des bekannten Colditzer Tierfotografen führt. Ein weiterer runder Geburtstag steht schon früher an, und zwar jener der Gesellschaft Schloss Colditz selbst – sie wird am 22. April stolze 20. Aus diesem Anlass soll es eine Sonderausstellung in der Hofstube und der Tonne geben. „Wir wissen aber noch nicht, ob wir das bis dahin schaffen“, räumt Hippe-Kasten ein.

Sie drückt häufig nicht nur ein Zeitproblem, auch finanziell muss sie immer wieder Einschnitte hinnehmen. War es 2015 der Mindestlohn, der an die Mitarbeiter zu zahlen war, zog jetzt der Kulturraum Leipziger Raum die Zügel an. „Die Mittel von dort wurden für dieses Jahr um 20 Prozent gekürzt, sie betragen jetzt nur noch 15 Prozent unseres Gesamthaushalts“, sagt Hippe-Kasten. „Darüber sind wir nicht erfreut, denn das ist eigentlich schon zu wenig.“

Miete, Betriebs- und Personalkosten seien feste Größen, an denen sich nicht sparen ließe. Das Minus an Beihilfen könne also nur über Mehreinnahmen ausgeglichen werden. „Wir hoffen deshalb, dass sich die Besucherzahlen weiter erhöhen“, sagt die Geschäftsführerin. „Die Chancen stehen gut, vor allem über unsere Rock-, Tango- und Jazzkonzerte wenigstens einiges wettzumachen.“

Von Frank Pfeifer

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