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Rundgang mit ungeahnter Tiefe in Grimma

Rundgang mit ungeahnter Tiefe in Grimma

Grimma. Die fünfte Veranstaltung der Tage der Wissenschaft und Kultur der Urania in Grimma war ein großer Erfolg. Oberbürgermeister Matthias Berger und Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung führten die interessierten Bürger bei einem Rundgang zu den verschiedenen Hochwasserschutzmaßnahmen sowie der Pöppelmannbrücke.

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Alles begann mit der Jahrhundertflut. Oberbürgermeister Matthias Berger flog regelrecht über die Präsentation in den Räumen der Urania zu den immensen Schäden, die Grimma durch die Überschwemmungen in Altstadt und Umgebung erlitten hatte. Er berichtete detailliert von den Anstrengungen, die die Grimmaer Bürger und er selber seit der Katastrophe unternommen haben. Rund 45 Millionen Euro habe man seit 2002 verbaut und fast 35 Millionen davon seien Fördermittel gewesen, berichtete Berger. „Wir haben immer kurzfristig zugeschlagen, wenn neue Förderprogramme anliefen." Nur so konnte Grimma die Schäden beheben und gleichzeitig sogar noch Schulden abbauen. „Wir haben Geld wie noch nie, trotz der Investitionen." Auch hätte man versucht, die erhaltene Hilfe wieder weiterzugeben; an von Flut betroffene Orte in Frankreich, Rumänien oder Serbien – „immer aus dem schlechten Gewissen heraus: Uns wurde ja auch geholfen."

Die rund 45 Teilnehmer der Veranstaltung zum Thema Grimma nach der Jahrhundertflut 2002 zeigten sich vor allem von der Ortsbegehung begeistert. Immer wieder entwickelten sich fachmännische Gespräche zu den technischen Details der Ausführungen von Hochwasserschutz und Bauvorhaben.

Der Rundgang startete am so genannten Bauabschnitt 1 am Großmühlenplatz. Heinz Kaiser von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) erläuterte mit exaktem Fachwissen die größte Hochwasserschutzbaustelle des Freistaates. Der Weg führte an der 200 Meter langen Dichtwand bei der Polizeidirektion Westsachsen vorbei. Hier wurde die zwölf Meter tief reichende Mauer in historischer Optik vor die denkmalgeschützte Stadtmauer geblendet. Besonders interessant wurde es dann entlang des neuen Weges am Stadtmauermuldeufer. Nicht nur die Erklärungen zur neuen Hochwasserschutzwand, die sich wellenförmig gestaltet in die Umgebung einfügen soll, auch die Bohrlöcher für die Brunnen, die den Abfluss von Grundwasser in Richtung Mulde sichern sollen, fanden großes Interesse. Dort entsteht auch die unterirdische Bohrpfahlwand von der Etuifabrik bis zum Schloss. Sie soll bei Hochwasser verhindern, dass zusätzlich Grundwasser durch die Kiesschichten in die Stadt gedrückt wird. Das im Rahmen der Arbeiten zerstörte Muldengärtchen wird im Anschluss wieder angelegt.

Matthias Berger brachte die Zuhörer auf den neuesten Stand in Sachen Lehrerseminar, dass gekauft werden soll, um einen zur Flussseite gelegenen Anbau abzureißen und damit den Bau der Schutzmauer zu erleichtern. Kreismuseum und Klosterkirche werden auch „ertüchtigt", um einer möglichen Flut stand zu halten. Berger bemerkte jedoch, dass die Schutzmaßnahmen „nur" für eine Jahrhundertflut gedacht seien. Der Pegelstand von 2002 würde somit rund 80 Zentimeter über die Mauern schwappen. Den Abschluss des Rundgangs bildete die Baustelle an der Pöppelmannbrücke. Hier übernahm Bauleiter Heiko Peger die Ausführungen über die gerade gelieferten Stahlträger, die nun von beiden Seiten auf die provisorische Montagehilfe in der Mitte der Mulde gelegt werden. Dort werden sie dann verschweißt. Der Naturstein der alten Bögen wird auch in die neue Brücke eingebaut. Ende 2011 sollen die ersten Leute über die Brücke geschickt werden, sagte Peger, und der Bürgermeister fragte in die Runde: „Gibt es Freiwillige?" Gelächter beendete den Ausflug.

Thomas Düll

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