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Grimma Russland-Sanktionen bremsen Grimmaer Mittelständler aus
Region Grimma Russland-Sanktionen bremsen Grimmaer Mittelständler aus
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10:34 04.06.2018
Landrat Henry Graichen lässt sich von den ESA-Geschäftsführern Jörg Gaitzsch und Jörg Reinker (v.l.) durch die Produktionshallen am Broner Ring führen. Quelle: Simone Prenzel
Grimma

Mit weltweit anerkannten Produkten hat sich die Firma Elektroschaltanlagen (ESA) Grimma einen Namen gemacht. Patentierte Lösungen insbesondere für die sichere Stromversorgung von Krankenhäusern sowie elektrische Weichenheizungen für Bahnanlagen haben es dem inhabergeführten Mittelständler ermöglicht, sich Nischen zu erobern. Ein Jahresumsatz von rund 42 Millionen Euro, weitere Investitionspläne und 350 Festangestellte sprechen für sich. Die beiden Geschäftsführer des Unternehmens, Jörg Gaitzsch und Jörg Reinker, präsentierten Landrat Henry Graichen (CDU), der das Unternehmen am Freitag erstmals besuchte, eine beeindruckende Bilanz. „Wir konnten durch innovative Lösungen und das Engagement unserer Mitarbeiter unsere Marktposition weiter ausbauen“, erklärte Firmenmitbegründer Gaitzsch. Von Grimma aus werden Schaltanlagen und Automatisierungslösungen mittlerweile in die ganze Welt geliefert. „Erst 2015 haben wir ein Büro in Shanghai eröffnet, weil wir uns in China erfolgsträchtige Entwicklungen erwarten.“ Aber auch Märkte in Asien oder dem Vereinigten Königreich werden bearbeitet.

Graichen will Kontakt zum Wirtschaftsministerium herstellen

Nicht nur große Konzerne haben allerdings mit den Handelserschwernissen zu kämpfen. Auch Gaitzsch und Reinker halten den Atem an, weil sich die Konflikte auch auf ihr Geschäft auswirken. „Wir hatten früher sehr gute Kontakte nach Russland“, berichtete Gaitzsch. „Aber die Sanktionen machen uns das Leben schwer.“ Dabei hat sich ESA mit der Ausstattung von 45 Krankenhäusern im weit entfernten Sibirien schon vor Jahren rund um Nowosibirsk einen Namen gemacht. „Putin selbst hat damals entschieden, dass die Spitäler aufgerüstet werden.“ Aktuell habe man wieder Kontakt mit der Moskauer Stadtregierung aufgenommen, um sich für weitere Vorhaben ins Gespräch zu bringen. „Doch die Politik“, bedauerte der Firmengründer, „bremst uns aus.“ Graichen sagte zu, den Kontakt zum Dresdner Wirtschaftsministerium herzustellen, um ESA bei der nächsten Russland-Reise sächsischer Wirtschaftspolitiker mit ins Boot zu holen. „Auch unsere elektrischen Weichenheizungen könnten im russischen Winter sehr von Vorteil sein“, sah Gaitzsch auch hier ein weiteres Betätigungsfeld.

Understatement gehört zum Geschäftsprinzip

Am Standort Grimma will ESA weiter wachsen. Aus Platz- und auch strategischen Gründen wurde die Entwicklungsabteilung bereits in Leipzig angesiedelt. Der Grimmaer Oberbürgermeister Matthias Berger tut derweil alles, um die planerischen Voraussetzungen für eine erneute Erweiterung der Firma auf dem einstigen Kasernengelände am Stadtrand zu schaffen. Der Rathauschef weiß, was er an dem 350-Mann-Unternehmen hat – auch als wertvoller Sponsor für Kitas oder Vereine. „Understatement gehört hier zum Geschäftsprinzip. Dabei können sich die Erfolge wirklich sehen lassen. ESA hat eine beeindruckende Entwicklung hingelegt“, so der Stadtchef stolz.

Nachwuchs-Projekt: Fünft- und Sechstklässler für Technik begeistern

Was Fachkräfte betrifft, muss sich der Mittelständler gegen Abwerbe-Versuche großer Konzerne erwehren. „Es wird immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden oder sie zu halten“, bestätigt Juniorchef Jörg Reinker. Deshalb tun die Chefs alles, um auch beim Arbeitsumfeld mitzuhalten. Gleitarbeitszeit, ein Wäscheservice für die Arbeitskleidung, aber auch selbst gekochtes Kantinenessen und – nicht zuletzt – eine flache Firmenhierarchie gehören zum Programm.

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Gepostet von ESA Elektroschaltanlagen Grimma GmbH am Dienstag, 29. Mai 2018

Um nicht bald ohne Nachwuchs dazustehen, wird ESA zudem selbst aktiv. „Wir gehen demnächst mit unseren Azubis an die Schulen, um Fünft- und Sechstklässler für Technik zu begeistern“, erklärt Jörg Reinker. Die Initiative nennt sich „Technik für Kinder“ und stammt aus Bayern. ESA will das Projekt in der Region ermöglichen und hofft, dass sich weitere Firmen anschließen. In mehreren Schulstunden sollen die Mädchen und Jungen experimentieren können, eine Taschenlampe, einen Blinker oder eine Sirene zusammenschrauben. „Nur so“, glaubt Reinker, „kann das Interesse an Technik wieder wachsen.“

Von Simone Prenzel

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