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Grimma SPD-Pläne: Stadt soll Bahnhof Grimma behalten
Region Grimma SPD-Pläne: Stadt soll Bahnhof Grimma behalten
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10:23 09.10.2018
Der leer stehende Bahnhof in Grimma ist in einem verwahrlosten Zustand. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) informierte jetzt den Technischen Ausschuss – wie so häufig hinter verschlossenen Türen – über den Stand zum Oberen Bahnhof in Grimma. Wie berichtet, will die Stadt den maroden, leer stehenden Bahnhof zum Verkauf anbieten und an jenen Interessenten vergeben, der das beste Konzept auf den Tisch legt. Die Stadt hatte die Immobilie vor einem Jahrzehnt erworben, um es Spekulationen zu entziehen und freie Hand für die Entwicklung zu haben. Bislang scheiterten alle Versuche, das Objekt wieder mit Leben zu füllen.

Der SPD-Ortsverein von Grimma hat sich in seiner jüngsten Sitzung ebenfalls mit dem verwahrlosten Bahnhof befasst und seine Vorschläge per Pressemitteilung verbreitet. SPD-Stadtchef Ingo C. Runge erinnert, dass es seit Jahren „immer mal wieder zwei oder drei ernsthafte Interessenten und bereits einmal einen Vorvertrag in Form eines Letters of Intent“ gegeben habe. Geschehen sei bislang nichts.

Hohe Auflagen durch Denkmalschutz

„Es gibt auch gute Gründe, warum sich bisher kein Investor für das Objekt gefunden hat“, so Runge. „Die Auflagen des Denkmal- und Brandschutzes werden hohe und teure Hürden sein, die Abstimmung zu möglichen Veränderungen mit Bahn und Eisenbahnbundesamt sind nicht immer einfach und billig.“ Ob sich diese Investitionen kurz- oder mittelfristig bei den ortsüblichen Gewerbemieten refinanzieren lasse, scheine fragwürdig. Die städtische SPD empfiehlt daher, das Tor zur Stadt in öffentlicher Hand zu lassen und selbst zu entwickeln.

Zahlreiche Beispiele aus dem Land Sachsen und anderen Bundesländern zeigten, dass eine Veräußerung von Empfangsgebäuden an private Glücksritter meist nicht zu guten Ergebnissen führt, lässt der SPD-Ortsverein wissen. Nach seinem Vorschlag soll die Stadt den Bahnhof behalten, sanieren und einer Nutzung zuführen. Gleichzeitig solle die gesamte Verkehrs- und Parksituation im Bereich neu arrondiert werden.

Neue Verkehrsregelungen in Bahnhofsnähe

Die SPD hat dazu ein Elf-Punkte-Programm aufgestellt – zur Diskussion in der Öffentlichkeit. Wichtig sei, dass dabei die Nutzer des Bahnhofs einbezogen werden. Der Schwung der aktuellen Sanierung des Bahnsteigs durch die Deutsche Bahn solle genutzt werden, das Empfangsgebäude aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken, heißt es.

Die SPD empfiehlt, die Verkehrssituation im Kreuzungsbereich Leipziger Straße/Bahnhofstraße übersichtlich zu regeln und den Radverkehr einzubinden. Die Busstationen sollten so angeordnet werden, dass alle Busse direkt am Bahnhof halten. Die Partei empfiehlt des weiteren, die Park-und-Ride-Plätze auf 100 Pkw-Stellflächen auszuweiten, davon zehn mit Ladesäulen für Elektrofahrzeuge, und eine Radstation mit 100 Stellplätzen sowie Ladestation für E-Bikes und verschließbaren Abstellboxen zu schaffen. Auch ein Fahrradverleih gehört für die Grimmaer SPD an den Bahnhof.

Mobilitätszentrale mit Ticket-Verkauf

Ein weiterer Vorschlag zielt auf die Einrichtung einer Mobilitätszentrale mit Beratung zum ÖPNV und Ticketverkauf sowie der Vermarktung regionaler Produkte und Dienstleistungen ab. Zudem sollte am Standort ein Carsharing etabliert werden.

Die historische Bahnhofshalle sollte laut SPD in eigener Hand saniert und entsprechend der ursprünglichen Funktion genutzt werden. Dazu gehöre auch eine öffentliche Toilette im Gebäude. Zu schaffen seien Mietflächen mit der Option einer Nutzung für Mini-Märkte, Bäckerei und Gastronomie. Letztlich sollte, so die Sozialdemokraten, eine Fläche als Coworking-Space genutzt werden. Hinter dem englischen Begriff verbirgt sich das befristete Zurverfügungstellen von Arbeitsplätzen und Infrastruktur.

Von Frank Prenzel

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