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Sanierung beendet: Im Grimmaer Schloss wird wieder Recht gesprochen

Sanierung beendet: Im Grimmaer Schloss wird wieder Recht gesprochen

Grimma. Ende gut, alles gut: Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten gibt der Freistaat Sachsen am Montag das Grimmaer Schloss in die Hände der Justiz.

Hier haben künftig das Amtsgericht Grimma und eine Zweigstelle der Staatsanwaltschaft Leipzig ihren Sitz. Damit endet für das historische Ensemble an der Mulde ein Jahrzehnt, das geprägt war von Verstimmungen und Verzögerungen.

Wenn bei der offiziellen Übergabe in Anwesenheit von Sachsens Justizminister Jürgen Martens und Finanzminister Georg Unland die Bauzeit und Baukosten des Prestigeobjektes in den Fokus rücken, dann wird man vermutlich einstimmig die planmäßige Abwicklung betonen. Oberflächlich betrachtet ist das so, denn bei Baubeginn im April 2010 hatte sich der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) auf etwa zwei Jahre festgelegt und schon bald die Fertigstellung Ende 2012 in Aussicht gestellt. Anfang Dezember vorigen Jahren rollten dann auch die ersten Umzugswagen mit Prozessakten. Dass die ursprünglich geschätzten Baukosten im Zuge der Planungen um anderthalb Millionen Euro anstiegen, wird vermutlich im Geplätscher der Mulde untergehen. Unland hatte letztlich 14,5 Millionen Euro für die Sanierung und Ertüchtigung des Altbaus als Justizzentrum genehmigt. Dabei soll es auch geblieben sein.

Verblasst ist das Tauziehen um gläserne Ein- und Anbauten und die Tauglichkeit von Schloss und Kornhaus für die Justiz. Denn ihren Anfang nahm die scheinbar unendliche Sanierungsgeschichte bereits mit dem Hochwasser 2002. In jenem August stand die Mulde auch im Schloss, das danach entkernt und gesichert werden musste. Damals sprach man noch von einer sofortigen Sanierung, die im Dezember 2006 beendet sein sollte. Das war vermutlich zu optimistisch, denn die Schäden in der vom Schwamm befallenen Bausubstanz waren gravierender als angenommen. Außerdem entbrannte ein Streit um den Wiederaufbau des Schlosses, der das Projekt um mehrere Jahre zurückwarf. Hintergrund war die Annahme, dass die vorhandenen Schlossgebäude für den Platzbedarf von Gericht und Staatsanwaltschaft nicht ausreichen würden.

So blieb das Schloss zwar Baustelle, aber gebaut wurde nicht. Später sorgte der Streit um die Entwürfe für das künftige Justizzentrum dafür, dass die Planungen zwischenzeitlich auf Eis lagen beziehungsweise die Landesdirektion als zustimmende Behörde einspringen sollte, weil die Stadträte von Grimma drohten, ihren Segen für das Bauprojekt zu verweigern. Gebaut wurde aber dennoch. Jedoch vorerst am unterirdischen Hochwasserschutz. Dabei wurde nicht nur die zur Mulde zeigende Außenmauer des Schlosses ertüchtigt. An den Schießscharten im Gebäude wurden zudem Schottklappen angebracht. Später erhielt auch die Zwingermauer eine Hochwasserschutzwand.

Mit Baubeginn 2010 glätteten sich die Wogen. Sichtbare Fortschritte an den historischen Gebäuden versöhnten die Grimmaer. Mit großen Interesse verfolgten sie den Anbau des gläsernen Verbindungsganges zur Turmruine, über den Richter und Staatsanwälte trockenen Fußes in die Verhandlungssäle gelangen. Die gläserne Eingangshalle mit Fahrstuhl schmiegt sich heute so unauffällig an das alte Kornhaus, dass sie sich wegguckt. Ein moderner Einbau für die zentrale Wachtmeisterei, eine Poststelle und ein Behinderten-WC verschwindet in der sanierten Ruine des Turmes und erweckt den Eindruck, als würde er schon immer zum Gebäudeensemble gehören. Bis auf einen tragischen Unfall, bei dem eine Decke einbrach und ein Bauarbeiter schwer verletzt wurde, verliefen Außen- und Innenausbau dann wahrlich planmäßig. Für viele Handwerker wie Volkmar Voigt war das Schloss ein Prestigeobjekt. Der aus Oschatz stammende Restaurator hat nicht nur historische Putze für die Nachwelt gerettet, sondern sich auch mit einem Fries nach Fragmenten historischer Malerei im Verhandlungssaal verewigt.

Sächsische Handwerkskunst und Ingenieursleistung haben dazu beigetragen, das aus dem 14. Jahrhundert stammende Schloss an modernste Bedürfnisse der Justiz anzupassen. Erstmals erprobt wurde ein konstruktiver Glasbau, der ohne Stahl auskommt - eine Innovation auf dem Bau. Weder mit dem Denkmalschutz, noch mit dem Naturschutz kollidiert das Projekt. Letzterem wurde Rechnung getragen, in dem Nistkästen für zwei Turmfalken, eine Schleiereule, Dohlen und Mauersegler sowie Fledermauskästen eingebaut worden sind, damit die Dachbereiche als Lebensräume für geschützte Tierarten auch nach den Umbauten erhalten bleiben.

Bereits seit Anfang des Jahres wird im Schloss, wie bereits seit 1880, wieder Recht gesprochen. "Mit dem historischen Sitzungssaal verfügen wir über einen äußerst repräsentativen Raum", sagte Katja Kohlschmid, Direktorin im Amtsgericht und die neue Schlossherrin in Grimma. Birgit Schöppenthau

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.03.2013

Schöppenthau, Birgit

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