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Grimma Sanierung der Albrechtshainer Kirche kurz vor dem Abschluss
Region Grimma Sanierung der Albrechtshainer Kirche kurz vor dem Abschluss
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00:20 26.10.2017
Pfarrer Christoph Steinert (li.) und Wolfgang Fichte am mittelalterlichen Altar, der noch seine Seitenflügel erhalten und am angestammten Platz aufgehängt werden muss. Quelle: Thomas Kube
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Naunhof/Albrechtshain

Egal welches Wetter gerade draußen herrscht, in der Albrechtshainer Kirche spannt sich jetzt ein strahlendblauer Himmel über den Köpfen. Das gesamte Innere des Gotteshauses wurde dieses Jahr umfassend saniert. Erstmals können sich die Besucher einer Andacht am Reformationstag vom Resultat ein Bild machen.

„Unser Ziel war es, den Zustand von 1896 wiederherzustellen“, sagt Pfarrer Christoph Steinert (54). Damals war die aus dem Mittelalter stammende Kirche zum bisher letzten Mal gründlich überarbeitet worden und hatte den heutigen Turm erhalten. Nachdem das Äußere schon in den 1990er-Jahren einer Frischekur unterzogen worden war und 2013 die letzten der drei neuen Glocken ihre Weihe erhalten hatten, waren nun das Kirchenschiff und der Altarraum an der Reihe.

Viele freiwillige Helfer packten im Februar an, als es galt, das gesamte Gestühl auszubauen und in einer Albrechtshainer Scheune einzulagern. Der steinerne Altar mit den Reliefs einer Hostie und eines Weinkelchs, die das Heilige Abendmahl symbolisieren, sowie die Orgel packten sie ein, um sie vor dem Staub zu schützen, der entstehen sollte. Unterdessen stellte das Amt für Denkmalpflege umfangereiche Untersuchungen an, welche Farbfassung die Kirche ursprünglich hatte.

Sie geht auf Theodor Quentin zurück, einem Stararchitekten sakraler Bauten in Sachsen und Thüringen, der sich der Neogotik verschrieben hatte. In der Gründerzeit setzte er auf kräftige Farben. Davon zeugen noch die Buntglasfenster, die Petrus mit dem Schlüssel, den auferstandenen Christus und Paulus mit dem Schwert hinter dem Altar zeigen. Sie strahlen jetzt wieder im alten Glanz.

Schwierig war es, die alte Farbgebung der Decke im Altarraum herauszufinden, von der nichts mehr zu erkennen war. „Orientiert wurde sich dabei an Kirchen der Umgebung, die ebenfalls von Quentin stammen“, erklärt Wolfgang Fichte (66) vom Kirchenvorstand. Andernorts gehören zum blauen Himmel jedoch Sterne, von denen sich in Albrechtshain keine Reste ausmachen ließen. Möglicherweise, so Pfarrer Steinert, war der Gemeinde das Geld ausgegangen, weshalb sie auf eine detailreichere Ausmalung verzichtete.

So, wie die Farben wohl im Original aussahen, wurden sie nun rekonstruiert, nachdem Gemeindeglieder den alten Putz der Kirche abgeschlagen hatten und ein neuer Putz aufgetragen war. Insgesamt 52 000 Euro kostete die Sanierung, aufgebracht durch Eigenleistungen und -mittel, Spenden sowie Zuschüsse der Landeskirche.

Mit 90 000 Euro war die Restaurierung des wohl größten Schatzes des Gotteshauses noch etwas teurer – hier hat sich auch das Amt für Denkmalpflege finanziell beteiligt. Um 1510 entstand ein hölzerner Schnitzaltar, der möglicherweise aus dem Kloster Eicha stammte, das kurz nach der Reformation aufgegeben worden war. Er zeigt Maria mit dem Kind und mehrere Heilige, war aber im Laufe der Zeit stark vergilbt, verdreckt und vom Holzwurm befallen worden. Eine Restauratorin begann vor zwei Jahren, ihn zu säubern und zu stabilisieren.

Ob er schon am Reformationstag, wenn 10 Uhr eine Andacht auf der Kirchenbaustelle beginnt, wieder an seinem angestammten Platz an der rechten Seite des Altarraums hängt, bleibt abzuwarten. Ohnehin steht noch die Feinreinigung an. Und im November sollen die Bänke möglichst eine Sitzheizung erhalten. Deshalb ist der Einweihungsgottesdienst am ersten Advent, ab 10 Uhr, vorgesehen.

Ganz fertig werden die Albrechtshainer aber auch dann noch nicht sein. Sie wollen auch die stark verstimmte Orgel auf Vordermann bringen. „Im Hinterkopf haben wir, in den nächsten zwei bis drei Jahren damit zu beginnen“, sagt Wolfgang Fichte. „Das hängt aber von den Mitteln ab, die wir zusammenbekommen. Da sind wir wieder auf die Unterstützung aus der Gemeinde angewiesen.“

Von Frank Pfeifer

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