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Schaden nach Brand in Lindhardt dürfte in die zig Millionen gehen

Schaden nach Brand in Lindhardt dürfte in die zig Millionen gehen

Einen Schaden von zig Millionen Euro hat vermutlich der Brand am 5. April in einer Halle auf dem Gelände der ehemaligen Lindhardter Kaserne verursacht. Über 90 Verlage aus dem deutschsprachigen Raum, deren Bücher dort eingelagert waren, sind betroffen.

Naunhof/Lindhardt. Der Großteil von ihnen darf auf eine Entschädigung hoffen.

"Es ist die schlimmste Katastrophe in der Geschichte des Leipziger Buchwesens seit der Bombardierung des Leipziger Buchhändlerviertels 1943." Mit diesen Worten macht Mark Lehmstedt, Inhaber des Lehmstedt Verlags mit Sitz in der Messestadt, das Ausmaß der Katastrophe deutlich. "Neben vielen anderen Leipziger Verlagen sind auch wir massiv betroffen. Wir haben rund 60000 Exemplare mit einem Wert von rund 600000 Euro verloren. Das heißt, ein Drittel unseres lieferbaren Programms ist weg."

Die zumeist kleinen und mittleren Verlage lassen die Bücher von einem Dienstleister an die Kunden verschicken. Dabei handelt es sich um die Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft (LKG) mit Sitz in Espenhain. Sie wiederum beauftragte laut Unternehmenssprecher Markus Fels die Spedition Hellmann mit der Verteilung der Waren. Und das Unternehmen Hellmann wiederum habe den Vertrag mit der I-pro Lindhardt GmbH abgeschlossen, der die Halle gehört.

Nach neuesten Untersuchungen fällt der Schaden etwas kleiner aus als anfangs gedacht. Laut Fels wurden nicht 18000, sondern nur 9000 Euro-Paletten mit nagelneuen Büchern in Mitleidenschaft gezogen. Bei einem Drittel davon bestehe noch die Hoffnung, dass die Bücher wieder für den Verkauf verfügbar gemacht werden können. Erst wenn feststehe, was noch nutzbar ist, könne eine endgültige Schadenssumme genannt werden. Verleger Lehmstedt geht von einem enormen Betrag aus. "Rechnen wir pro Palette mit 500 Büchern à mindestens zehn Euro, dann beträgt der Schaden pro 1000 komplett vernichteter Paletten mindestens fünf Millionen Euro", sagt er.

60 Prozent der betroffenen Verlage haben ihre Versicherung über die LKG bei der Allianz abgeschlossen. "Sie sind in der glücklichen Lage, jetzt Abschlagszahlungen zu erhalten", informierte am gestrigen späten Nachmittag Fels. Zu hoffen sei nun, dass die anderen Verlage, die sich eigenständig versichert haben, auch zügig mit einer Schadensregulierung rechnen dürfen.

Immer noch ungeklärt ist die Brandursache. Währenddessen gärt der Streit zwischen Landratsamt und der I-pro Lindhardt weiter. Die Kreisbehörde hatte, wie berichtet, dem Besitzer der Kasernen-Halle untersagt, dort Bücher einzulagern. Die I-pro hingegen kämpft seit geraumer Zeit gegen diesen Bescheid an. Inwieweit die Allianz und andere Versicherer Forderungen gegenüber der I-pro aufmachen, wird abzuwarten bleiben.

Verleger Lehmstedt kann zumindest etwas aufatmen. "Das ist nicht das Ende der Buchstadt Leipzig", sagt er, räumt aber ein, dass manche Titel nun nicht mehr erscheinen würden, selbst wenn die Versicherung zahlt. "Wenn von uns beispielsweise die letzten 600 Bücher eines Titels verbrannt sind, von dem sich pro Jahr nur wenige Exemplare absetzen lassen, dann käme es viel zu teuer, diese nachzudrucken. Sie sind einfach weg."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.04.2013

Pfeifer, Frank

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