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Scheinfirma kassiert Belgershainer ab

Scheinfirma kassiert Belgershainer ab

Es sollte eine Kreuzfahrt zum Schnäppchenpreis werden. 599 Euro für neun Tage auf der AIDAmar im Mittelmeer. Ein Ehepaar aus Belgershain hatte zugegriffen, als es die Anzeige des Unternehmens Bischof-Reisen aus Hannover in der Zeitung entdeckte.

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Böses Spiel mit einem guten Namen: Bischof-Reisen ist ein seriöses Busunternehmen mit Firmensitz in Wesendorf im Landkreis Gifhorn. Diese Firmenbezeichnung wählten die Gauner für den Betrug mit Reiseanzeigen.

Quelle: Photowerkmpu

Belgershain/Gifhorn. Das Geld überwiesen die beiden - nun ist es fort. Sie bleiben daheim, denn sie waren Betrügern aufgesessen.

Zu den in der Werbung genannten Kosten kamen Hin- und Rückflug sowie Reiseversicherung hinzu. Ein Rabatt wurde eingeräumt, das klang fast zu gut: 1711,90 Euro summa summarum für zwei Personen in der Balkonkabine. Die Belgershainer fragten nach, warum das Angebot so günstig sei. "Wir haben uns Kontingente zugelegt, die müssen nun verkauft werden", lautete die Antwort eines Mitarbeiters von Bischof-Reisen am Telefon. Das Ehepaar buchte, erhielt wenige Tage danach die Bestätigung mit der Zahlungsaufforderung und dem Versicherungsschein. Alles schien einwandfrei zu laufen, kein Grund, misstrauisch zu werden.

Jedenfalls bis die Belgershainer auf die Idee kamen, sich noch einmal den Internetauftritt von Bischof-Reisen anzuschauen, um sich auf die Fahrt vorzubereiten. Die Homepage war inzwischen gelöscht, und am Apparat des Unternehmens nahm niemand mehr ab. Den Belgershainern dämmerte jetzt, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugehen könnte. Sie riefen bei der Reiseversicherung an und erfuhren, dass ihr Versicherungsschein gefälscht war. Ihr überwiesenes Geld konnten sie nicht zurückholen.Was ihnen blieb, war der Gang zur Polizei.

Während ihr Ärger noch ganz frisch war, kam es im niedersächsischen Gifhorn zu einem spektakulären Vorfall. Ein 21-Jähriger meldete sich am Abend des 25. Januar aus einem Baumarkt bei der Polizei. Er sei von zwei Männern verschleppt, an einen Stuhl gefesselt und zusammengeschlagen worden. Die Täter hätten von ihm 80000 Euro gefordert und ihn mit dem Hinweis auf zwei Stunden Bedenkzeit zurückgelassen. Daraufhin habe er sich aber befreien können, erzählte er den Beamten.

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich zunächst heraus, dass die beiden Entführer, 28 und 48 Jahre alt, sowie der Verschleppte ein Betrüger-Trio bildeten. Im Internet hatten sie ein virtuelles Reisebüro betrieben und dafür den Namen des tatsächlich existierenden Unternehmens Bischof-Reisen in Wesendorf bei Gifhorn in betrügerischer Weise für ihre Machenschaften genutzt. In mehreren Tageszeitungen, auch in der LVZ, und im Internet bewarben sie erfundene Angebote und gaben eine Briefkastenadresse in Hannover an. Gutgläubige Bürger fielen darauf herein.

Das Geld, das die Betrüger einnahmen, entzweite sie jedoch. Zwei von ihnen entführten den jungen Gifhorner, der die gesamte Abwicklung im Internet managte, weil sie vermuteten, er würde in die eigene Kasse wirtschaften. Sie sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft und haben zum Teil Geständnisse abgelegt. Umfangreiches Beweismaterial konnte die Polizei in ihren Wohnungen sicherstellen.

"Wir ermitteln immer noch", sagte auf Anfrage der stellvertretende Pressesprecher der Polizeiinspektion Gifhorn, Lothar Michels. "Nach wie vor tauchen weitere Tatverdächtige auf." Von wie vielen Kunden insgesamt Geld für Reisen geflossen ist, lässt sich noch nicht beziffern, denn die Betrüger haben auch Konten umgeleitet. Nach derzeitigem Stand ist aber kaum damit zu rechnen, dass alle Geschädigten ihren Verlust ersetzt bekommen - auch nicht die Zeitungen, deren Anzeigen nie bezahlt wurden. Michels: "Einem Nackten kann man schlecht in die Tasche fassen."

Er rät trotzdem jedem, der bei der Scheinfirma Bischof-Reisen Hannover gebucht hat, sich mit den Unterlagen an die nächste Polizeidienststelle zu wenden. Alle Anzeigen würden nach Gifhorn weitergeleitet und dort zentral bearbeitet. Das verlorene Geld könne allerdings nur auf zivilrechtlichem Wege bei den Beschuldigten geltend gemacht werden. "Erfahrungsgemäß dauert das lange", so Michels.

Die beiden geprellten Belgershainer vermuten, dass noch mehrere Bürger in der Region ihr Schicksal teilen, und wollen deshalb die Öffentlichkeit warnen. "Unsere Kreuzfahrt sollte am 21. April beginnen. Erst vier Wochen vorher, so hieß es, würden die Reiseunterlagen zugeschickt", sagen sie. "Manche dürften also noch nicht einmal ahnen, dass sie diesen Urlaub nicht antreten werden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.02.2013

Frank Pfeifer

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