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Schleiereule und Turmfalke – die Passion des Grimmaers Bernd Holfter

Hobby-Ornithologe Schleiereule und Turmfalke – die Passion des Grimmaers Bernd Holfter

Im Leben von Bernd Holfter jagt momentan ein Jubiläum das andere. Der stadtbekannte Grimmaer Hobby-Ornithologe beringte im Juli seinen zehntausendsten Vogel. Seit vier Jahrzehnten ist er ehrenamtlicher Mitarbeiter der Vogelwarte Hiddensee und Naturschutzhelfer. Und am Dienstag feiert er bei bester Gesundheit seinen 65. Geburtstag.

In seinem Element: Der Ornithologe Bernd Holfter hat beim Beringen, wie hier eines Turmfalken in Dehnitz, hin und wieder auch Schaulustige dabei.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma. Im Leben von Bernd Holfter jagt momentan ein Jubiläum das andere. Der stadtbekannte Grimmaer Ornithologe beringte im Juli seinen zehntausendsten Vogel. Seit vier Jahrzehnten ist er ehrenamtlicher Mitarbeiter der Vogelwarte Hiddensee und Naturschutzhelfer. Und am Dienstag feiert er bei bester Gesundheit seinen 65. Geburtstag. Respekt!

Bernd Holfter ist bescheiden und rückt sich nicht gern in den Mittelpunkt. Doch ohne ihn wäre die Vogelwelt im Altkreis Grimma um einiges ärmer. Der studierte Elektrotechniker, der seit eineinhalb Jahren seinen Ruhestand genießt, widmet seine Freizeit seit vielen Jahren voll und ganz dem Naturschutz. Schon als Kind wurde Holfter, der in Grimma aufwuchs, zur Schule und in die Lehre ging, mit dem Virus der Ornithologie infiziert. „Mein Nachbar war schuld“, erzählt der 65-Jährige freimütig. Der pensionierte Lehrer nahm den Jungen mit auf seine Spaziergänge und erklärte ihm die Welt der Vögel. „Das berührte und begeisterte mich“, blickt der Grimmaer weit in seine Vergangenheit. Als Viertklässler kaufte er sich wie seine Mitschüler ein Poesiealbum, machte daraus aber ein Beobachtungsbuch. So schrieb er auch seine erste Beobachtung eines Amselnestes im Schwanenteichpark nieder.

Nach Armee und Studium dachte Holfter sogar daran, den Naturschutz zum Broterwerb zu machen, ließ den Gedanken aber wieder fallen. „Ich wollte mein eigener Herr bleiben“, sagt er in Bezug auf seine Leidenschaft. Holfter suchte Gleichgesinnte und trat 1976 in seiner Heimatstadt der Kulturbund-Fachgruppe „Ornithologie und Vogelschutz“ bei. Bereits wenig später wurde er ehrenamtlicher Naturschutzhelfer beim Rat des Kreises Grimma. Mehr noch: Von 1984 bis 1988 und von 1996 bis 2013 engagierte sich der Vogelkundler als Kreis-Naturschutzbeauftragter – und vermittelte so zwischen Bürger und Behörde.

Es war der Leipziger Ornithologe Wolfgang Schneider, der in Holfter eine spezielle Passion weckte. Er lenkte den Blick des Grimmaers auf Vögel, die an und in Gebäuden brüten, und der Funke sprang über. Seit 1978 nun wird Holfter nicht müde, Jahr für Jahr auf Kirchtürme und Scheunenböden zu steigen, um die Nester zu kontrollieren und die Jungen zu beringen. Und um neue Nisthilfen zu schaffen. An die 15 Brutpaare der Schleiereule und rund 50 Turmfalken-Paare hat er rund um Grimma unter Kontrolle. Es ist seine Lebensaufgabe geworden.

Dabei verfolgt Holfter seit eh und je zwei Ziele. Natürlich geht es ihm darum, dass sich die gefiederten Tiere gut entfalten können. Dazu gehört aber die Überzeugungsarbeit beim Menschen. Er möchte die Leute begeistern, der Vogelwelt zu helfen und sich daran zu erfreuen. „In den 40 Jahren habe ich viel Zustimmung und Hilfe bekommen“, dankt er zum Beispiel Landwirten, Pfarrern und Behördenmitarbeitern. Viele schöne Momente sind ihm in Erinnerung. Wie im vorigen Jahr, wo er dank des Pfarrers im Zschoppacher Kirchturm ein Nistkasten befestigen konnte. Schon drei Wochen später saß dort eine Schleiereule auf ihren Eiern. Oder die Nistkästen im Schloss Colditz. Ein junger Turmfalke, dem er hier 2016 einen Ring verpasste, wurde im fernen Libyen gesichtet.

Dennoch will Holfter, der glücklich verheiratet ist und einen in Australien lebenden Sohn hat, nach 2018 kürzer treten. Es sei eine sportliche Herausforderung, immer auf die Türme zu steigen. „Man muss trittsicher sein“, gibt der 65-Jährige zu verstehen und weiß, dass er eben nicht jünger wird. Doch im nächsten Jahr wird er im Frühjahr wieder neugierig in alle Nester schauen und sich freuen, wenn er die hungrigen Schnäbel sieht.

Von Frank Prenzel

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