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Schnäppchen in Berlin:Websaalhaus kommt untern Hammer

Schnäppchen in Berlin:Websaalhaus kommt untern Hammer

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten - - wenn sich am 27. März ein Bieter bei der Versteigerung im Abba Hotel Berlin unweit des Kurfürstendamm findet, könnte der Hochbau der ehemaligen Teppichfabrik an der Alten Nischwitzer Straße in Wurzen den Besitzer wechseln und vielleicht einer neuen Zukunft entgegensehen.

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Seit Jahren dem Verfall preisgegeben: Bis zum heutigen Tage fand sich kein Investor für das imposante Industriedenkmal am Stadtrand.

Quelle: Andreas Doering

Wurzen. Denn das Websaalgebäude steht ab 11 Uhr zum Verkauf - Mindestgebot 5000 Euro für eine Grundstücksfläche von 2492 Quadratmetern und einer Nutzfläche von circa 5000 Quadratmetern. Wie die Deutsche Grundstücksauktionen AG (DGA) in ihrem aktuellen Katalog möglichen Interessenten offeriert, wurde das Haus am Stadtrand um 1910 in Stahlbetonskelettbauweise errichtet und besitzt keinen Keller. Weiter heißt es: "Insgesamt befindet sich das Objekt in einem umfassend sanierungs- und modernisierungsbedürftigen Zustand." Hierzu zähle unter anderem das lecke Dach. Darüber hinaus fehlten die Heizungs-, Sanitär und Elektroausstattungen sowie der historische Aufzug. Vandalismusschäden und jede Menge Müll verstärken den desolaten Zustand der Immobilie. Zum heutigen Eigentümer gibt es im DGA-Verzeichnis keinerlei Hinweise.

Nach Information der Verwaltung stehe immer noch Jörg Lattke im Grundbuch. Der Leipziger hatte im September 2008 als Geschäftsführer der Deutschen Gastro GmbH das Bauwerk von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft erworben und zugleich eine Renaissance auf Raten versprochen. Wochen später kündigte er an, eine Machbarkeitsstudie erstellen zu lassen. Die Expertise sollte Februar 2009 vorliegen. Es folgten unter anderem gemeinsame Gespräche mit Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) und Waltraud Teich, der damaligen Geschäftsführerin der Volkssolidarität Wurzen, um eventuell ein Seniorenheim zu integrieren. Tage später schlug die Nachricht von einem laufenden Insolvenzverfahren gegen Lattke wie eine Bombe ein, sämtliche Träume platzten.

Seither blieb es still an der Umgehungsstraße. Das Industriedenkmal blieb dem Verfall preisgegeben und entwickelte sich zum städtischen Schandfleck. Insofern sei er jetzt sehr froh darüber, dass wieder Bewegung in die Sache käme, sagte Röglin auf Anfrage. "Natürlich hoffe ich vor allem auf die Versteigerung des Objektes." Daran aber wolle die Stadt Wurzen nicht teilnehmen.

Die Geschichte der Wurzener Teppichfabrik geht auf das Gründungsjahr 1856 zurück. Mit der Übernahme des Unternehmens 1905 durch Arthur Bechtold (1875 - 1951) erfolgte ein Aufschwung. So erwarb Bechtold 1910 die Einrichtung einer still gelegten Berliner Firma, welche Tournai- und Brüssel-Teppiche hergestellt hatte. Laut des 2011 verstorbenen Wurzener Ehrenbürgers und Autors des Buches "Die Wurzener Industrie 1792 - 2002", Richard Klinkhardt, ließ der neue Besitzer 1912 den modernen Hochbau unterhalb der ehemaligen Juel-Villa errichten, um den Maschinenpark unterzubringen. Am 6. Dezember 1994 meldete die Teppichfabrik Konkurs an. Selbst der Bemühung zur Bildung einer Auffanggesellschaft war kein Erfolg beschieden - die letzten 45 Beschäftigen müssen am 31. Mai 1996 gehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.03.2015
Brandt, Kai-Uwe

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