Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Schnappschüsse im Dreivierteltakt: Grimmas musikalischster Fotograf
Region Grimma Schnappschüsse im Dreivierteltakt: Grimmas musikalischster Fotograf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:37 11.03.2018
Rolf Hofmann aus Grimma-Süd ist seit vielen Jahren als Hobbyfotograf bei allen Ereignissen in Grimma dabei. Seine Fotos sind damit für die Stadt zu einer wertvollen Fotochronik geworden. Quelle: Foto: Thomas Kube
Grimma

Rolf Hofmann hat dem hoch über Grimma thronenden Kreuzmenschen ein sechsstrophiges Lied gewidmet: „Er macht die Arme breit, sein Blick ins Tal ist weit. So schnell vergeht die schöne Zeit. Er schaut, fühlt sich befreit.“ Wer weiß, vielleicht hat der Rentner aus Grimma-Süd in der Skulptur, die entfernt an die Christusstatue am Zuckerhut erinnert, sogar sein Ebenbild erblickt. Mit etwas Fantasie könnte der Genießer im Kaditzscher Juttapark tatsächlich der singende 68-Jährige sein. Oder doch nicht? Schließlich fehlt die Leine. Die aber gehört zwingend zu Rolf Hofmann. Ein Leben ohne Hund Leila – für ihn unvorstellbar.

Leila begleitet sein Herrchen wie der Hund den Jäger. Nur schießt Hofmann keine Böcke, sondern Bilder. Auf seinen Streifzügen durch Grimma verhilft ihm Leila zu einem jederzeit sicheren Riecher für Motive aller Art – vom umgestürzten Baum bis zur Schlange mit Frosch im Maul. „Jeden Monat lege ich unserem Bürgermeister eine CD mit bis zu 600 Fotos vor“, sagt der Lebenskünstler. Oberbürgermeister Matthias Berger lobt die lückenlosen Dokumentationen seines umtriebigen Haus- und Hoffotografen. Aus Anlass von „Grimma sagt Danke“ überreichte er dem Ehrenamtler kürzlich eine Urkunde. Auch Stadtsprecher Sebastian Bachran würdigt die im Laufe der Zeit bei ihm eingegangenen zigtausend Schnappschüsse des Grimmaers und vor allem dessen Ausstellungen: „Kein Feuerwehrfest ohne Fotos von Herrn Hofmann!“ Indianer, Husaren, Triathleten – sie alle verewigt der Hobbyfotograf mit der kultigen 100-Euro-Knipse. Beim Musikantentreffen legte er gar eine Nachtschicht ein, um den ausländischen Teilnehmern die Fotos noch kurz vor der Abreise zuzustecken.

Zur Kultur kam der gelernte Chemieanlagenbauer wie die Jungfrau zum Kinde: „In unserem Kombinat suchten sie jemanden, der den Fasching machte. Also ging ich zur FDJ. Am Ende landete ich in der Arbeitsökonomie und organisierte für die DSF Treffen mit den Freunden.“ Später gehörte er zum Betriebsschutz, ehe er in die Fernschreibstelle der Polizei wechselte. Dort arbeitete er bis zur Rente. Im Millenniumsjahr schenkte ihm sein Sohn ein Musikprogramm für den Computer. Der Beginn einer großen Leidenschaft: Ob zu Stollenmarkt oder Ferdinand Stolle – kaum ein Grimmaer Thema, das der Chorsänger nicht schon vertont hätte. Ekkehard Schmidt, Leiter der Seniorensingegruppe der Volkssolidarität, schätzt den Texter: „Sein Grimma-Lied haben wir einstudiert und aufgeführt.“ Rolf Hofmann erinnert sich nicht so gerne an die Premiere in der Klosterkirche. „Beim Singen hab’ ich gezittert wie Espenlaub, es war irgendwas zwischen Schüttelfrost und Herzkasper.“ Er müsse ohnehin kürzer treten, dürfe nicht mehr auf jeder Hochzeit tanzen. „Die Pumpe macht zwar noch mit, aber die Luft wird langsam knapp“, sagt das Original. Oft stand Hofmann noch selber auf dem Weihnachtsmarkt, um seine Jahres-CD unters Volk zu bringen. „Das mach’ ich jetzt nicht mehr. Um nicht zu erfrieren, müsst’ ich so viel trinken – da würden die Einnahmen komplett drauf gehen.“ So gibt es das Best-of fortan bei einem ausgewählten Einzelhändler.

Am geliebten Kreuzmenschen hoch über Grimma singt der Rentner aber auch künftig sein Lied. Er trällerte es dort bereits vor Wandergruppen und Festivalbesuchern. Er ermittelte sogar die Adresse des Schöpfers der Statue, Volkmar Kühn, um ihn zum Sangesvortrag in luftiger Höhe einzuladen: „Manch einer sieht die Welt, bezahlt dafür viel Geld. Doch ich schau’ in mein Muldental, weil es mir hier gefällt.“

Von Haig Latchinian

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Er gehört zu den Großen der Branche, doch eine Ausstellung hatte er noch nie: Tier- und Naturfotograf Harald Lange holt das jetzt nach. Ab 27. Februar sind maritime Bilder von ihm im Bad Lausicker „Riff“ zu sehen.

11.03.2018

Wenn alles klappt, bleibt der Posten des Superintendenten nur ein halbes Jahr verwaist. Womöglich wird der Nachfolger von Matthias Weismann schon im September in sein Amt eingeführt. Bis dahin führt die Prießnitzer Pfarrerin Barbara Vetter die Geschäfte.

11.03.2018

Nach einem schweren Unfall am Mittwoch bei Belgershain (Landkreis Leipzig) sucht die Polizei einen flüchtigen Autofahrer. Dieser hatte vor dem Ortseingang Köhra einen vor ihm fahrenden Regionalbus trotz Gegenverkehrs überholt. Infolgedessen kam es zu einem Auffahrunfall.

11.03.2018
Anzeige