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Grimma Schornsteine müssen fallen
Region Grimma Schornsteine müssen fallen
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05:00 08.04.2011
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. Nein, so schnell schießen wohl auch die Sachsen nicht. Die Sprengung der Schornsteine auf dem Gelände der Alten Papierfabrik ist zwar geplant, doch die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam. Die Zustimmung der Trebsener Stadtväter, die Industriebrache weiter behutsam abzureißen und das Gelände zu revitalisieren, gilt als sicher. Jedenfalls empfiehlt der Technische Ausschuss, dem Vorhaben grünes Licht zu geben.

Wie berichtet, wurden in der ersten (Rück-)Bauphase unter anderem Kompressorenstation, Kesselhaus, Zellstoffaufbereitung einschließlich Bleicherei sowie zum Teil das Ofenhaus abgerissen. In die Kosten von einer halben Million Euro teilten sich Europäische Union (75 Prozent) und Freistaat Sachsen (15 Prozent). Den Rest brachte die Stadt Trebsen auf. Bürgermeisterin Heidemarie Kolbe stellt klar: „Eine Fortführung der Arbeiten gibt es nur bei abermaliger 90-prozentiger Förderung." Denn Teil zwei der Revitalisierung würde mit veranschlagten rund 265 000 Euro nur geringfügig kostengünstiger. Bauamtsleiterin Marika Haupt: „Die recycelten Bruchsteine sollen in die geforderte sechs Meter breite Feuerwehr-Umfahrung mit eingebaut werden. Allerdings legen die Behörden Wert darauf, die Straße anschließend zu asphaltieren, damit das nächste Hochwasser nicht sämtliche Steine aus dem Unterbau fortspült." Das Glaubersalz im Ofenhaus müsse genauso entsorgt werden wie Branntkalk und Altöle, so Haupt.

Und dann wären da noch die drei Schornsteine. Uwe Bielefeld, Geschäftsführer der Trebsener Kultur- und Betriebsgesellschaft: „Die drei Essen gelten als Symbol der Industrialisierung. Und sie sind noch heute eine Art Landmarke. Schon von der Autobahn aus sind sie zu sehen und weisen den Weg nach Trebsen. Gern hätte ich zumindest einen Schornstein erhalten, aber es funktioniert nicht – der Zustand ist viel zu kritisch." Frost und Rost ließen Spannringe abstürzen, außerdem fielen immer wieder Ziegel auf die bereits sanierten Dächer des Bauteilarchivs. Bielefeld: „Ich weiß, über Tausend Menschen fanden hier zu DDR-Zeiten Arbeit. Die Trebsener sind noch immer sehr verbunden mit ihrem Werk und – den Schornsteinen. Aber gerade weil wir den denkmalgeschützten Teil der Fabrik mit Verwaltung, Schlosserei, Kupferschmiede und alter Betriebsfeuerwehr durch weitere Gewerbeansiedlungen retten wollen, müssen wir abreißen." Während die beiden kleineren Essen wohl gesprengt werden, müsse man den großen Schornstein vermutlich von Hand abgetragen, so Bielefeld: „Der bereits geköpfte Riese steht genau zwischen Mulde und Mühlgraben – das verkompliziert die Sache." Sollte es also überhaupt einen Knalleffekt geben, dann weniger im Sinne von Schauwert, als vielmehr wegen der zu befürchtenden Verteuerung des Projekts.

Haig Latchinian

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