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Schottenfans stürmen Trebsen

Schottenfans stürmen Trebsen

Schottische Muskelspiele zogen am Wochenende wieder Tausende in ihren Bann. Bereits zum 14. Mal trafen sich Fans keltischer Kultur zu den Highland Games im Muldental.

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Schottische Klänge erfüllten am Wochenende das Trebsener Schloss: Der traditionelle Einmarsch wurde von verschiedenen Pipe-Formationen angeführt.

Quelle: Frank Schmidt

Trebsen. Fest-Erfinder Uwe Schimmel fiel angesichts des Inselreferendums ein Stein vom Herzen: "Die Schotten sind in United Kingdom geblieben. Sonst", scherzte er, "hätten wir vielleicht auch ein Problem mit unserem Sponsor, der Britischen Botschaft, bekommen." Deren Vertreterin Kerstin Rath erklärte zur Eröffnung der Spiele am Samstag: "Ich bin froh, dass die Schotten weiter Teil des Vereinigten Königreichs bleiben." Die Regierung in London werde ihre Zusagen einhalten, war sie sich in ihrer Funktion als Handelsattaché sicher: "Ich selbst liebe Schottland, habe einen schottischen Partner und möchte, dass alle keltischen Stämme die gleichen Rechte haben."

Über die Trebsener Schottenspiele legte die gescheiterte Yes-Bewegung jedenfalls keinen Schleier. Was sich den Gästen rund ums Schloss bot, war einmal mehr spektakulär. Riesige Baumstämme flogen durch die Luft, Gewichte und Steine wurden geschleppt, Strohsäcke in die Luft geworfen. "Die armen Bandscheiben", hielt Moderator Andreas Mierisch mit seinem Mitleid für die Athleten in zwölf kraftraubenden Disziplinen nicht hinterm Berg. "Unvorbereitet sollte man nicht in die Wettkämpfe gehen", stand auch für Co-Moderator Jurek Schilsky fest: "Wenn so ein Baumstamm richtig an der Schulter zieht, ist das Schlüsselbein auch schon mal durch." Unerschrocken nahmen es die Black Eagles aus Halle mit den Wurfgeräten auf. "Wir haben einen Schmerztherapeuten in unseren Reihen, da sollte das kein Problem sein", zog Anführer Michael Weise durchaus körperliche Nachwehen in Betracht. "Seit sieben Jahren sind wir bei den Highland Games am Start", schwärmte der 47-Jährige, von Beruf Gefahrgutachter bei DHL. "Die Atmosphäre in Trebsen ist einmalig. So etwas gibt es sonst nirgends in Deutschland." Sogar aus der Schweiz reisten erstmals Wettkämpfer an. Eine Brandenburger Herrenrunde hatte sich noch schnell karierte Kluft im Internet besorgt. "Einer von uns hat die Teilnahme an den Highland Games zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen", offenbarte Michael Wilsdorf aus Trebbin. "Wir hätten vielleicht noch etwas intensiver üben sollen", meinte der IT-Experte lächelnd angesichts der muskelbepackten Konkurrenz. In ihren Faschingskostümen versuchte die Riege aus Akademikern, Sanitätern und Handwerkern dennoch eine gute Figur zu machen. "Wenn wir das nächste Mal wiederkommen, wissen wir jedenfalls, worauf wir uns einlassen."

Und auch für Highlander-Nachwuchs in Trebsen ist bereits gesorgt. Pfarrerin Yvette Schwarze war mit ihrem erst drei Wochen alten Söhnchen zum Spektakel gekommen. Beide trugen standesgemäß Kilt. Baby Josef-Ephraim Leopold zog es allerdings vor, seine ersten Highland Games im Kinderwagen zu verschlafen. "Auch ich finde es gut, dass Großbritannien nicht gespalten wurde", meinte die Pfarrerin, "die Gemeinsamkeiten sollten doch im Vordergrund stehen."

Deprimierte Highlander musste man in Trebsen wirklich suchen. "Regierungschef Cameron hat viel versprochen, aber nichts steht auf Papier", haderte zumindest Kilt-Händler Duncan MacDonald, einer der wenigen echten Schotten auf dem Platz, mit dem Ausgang des Referendums. Bei der 18-jährigen Saskia Gläser aus Starkenberg nahm er gerade Maß für Rock und Umhang. Mit blau-weißem Yes-Anstecker outete sich Duncan als überzeugter Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung - nach mehreren in Trebsen angebahnten Geschäften war aber auch er schon wieder ein wenig milder gestimmt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.09.2014
Simone Prenzel

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