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Grimma Schreihälse in Köllmichen: Wettkrähen ist auch ein Hilfeschrei
Region Grimma Schreihälse in Köllmichen: Wettkrähen ist auch ein Hilfeschrei
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14:19 20.03.2018
Ein federfüßiges Zwerghuhn - in Köllmichen wird reichlich gekräht.  Quelle: Thomas Kube
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Grimma/Köllmichen

 „Haltet Eure Kinder bereit“, verkündet Wilfried Große. „Jetzt kommt der Osterhase. Ich hoffe, er hat am Arsche nicht gefroren und ein paar Eier gelegt. Unsere Hähne haben zwar Eier, legen aber keine.“

Dafür haben sie ein umso lauteres und kräftigeres Organ, wie die Siegerliste beim Köllmichener Karfreitag-Krähen beweist. Der Große Hahn von Heinz Birnbaum schreit in der Stunde 130-mal, der Zwerghahn von Rudolf und Ingo Wetzig schlägt 151-mal an, der Ur-Zwerg von Matthias Günther meldet sich 137-mal.

Ernüchterung dagegen bei Bodo Schneider. Der 52-Jährige hat den Gockel seines Nachbarn Bernd Ziegner dabei: „Er krähte nur 14-mal. Wohlgemerkt in der Stunde! So viel kräht er sonst in der Minute!“ Vielleicht sei es ja die ungewohnte Umgebung, die den sonst lauthalsen Debütanten verschüchtert, glaubt der Leipnitzer.

Beim 16. Hähnewettkrähen im kultigen Köllmichen bei Grimma sind abermals rund 200 Hähne aus nah und fern am Start. Wie immer präsentieren sich Vater Wilfried (69) und Sohn Heiko Große (46) auf ihrem Hof als perfekte Gastgeber. Die alteingesessene Familie ist mehrfacher Deutscher und Europameister in der Geflügelzucht. Dabei sind die weißen Puten nur das Steckenpferd der Großes – ihre Brötchen verdient sich die Familie mit der Milch von 115 Kühen. Nicht umsonst teilen sich beim Wettkrähen die Hähne die riesige Halle mit den Kühen. „Ein Hahn kräht. Viele Hähne krähen. Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe.“ In diesen Tagen umso mehr, denn der Milchpreis fällt seit einem Jahr ins Bodenlose. Um kostendeckend zu arbeiten, braucht Heiko Große 35 Cent pro Liter, tatsächlich gibt’s derzeit nur 23 Cent. An zu wenig Protest kann es nicht liegen: Mit Traktoren blockierten sie die Autobahnabfahrt Mutzschen, schütteten zwei Tage lang die Milch in die Gülle – doch es half nichts. „Die Sanktionen gegen Russland fallen uns auf die Füße. Wenn die Politik nicht umsteuert, stehen beim nächsten Wettkrähen keine Kühe mehr in der Halle“, prophezeit Vater Wilfried.

Das aktuelle Wettkrähen wird somit unfreiwillig zu einer Art Hilfeschrei. Toni Müller kommt mit seinen drei kleinen Kindern extra aus Grimma, um ihnen die Kühe zu zeigen: „Hähne haben wir selbst, Kühe dagegen nicht“, sagt er. Er schwingt die Mistgabel und serviert den Kühen leckere Silage.

Frank-Markus Straube (56), bekannt für seine Deutschen Nönnchen, dreht das bei Aufräumarbeiten zufällig ausgegrabene nostalgische Glücksrad. Mit Spielen und Süßem beschenkt er die Kinder. Straube ist Mitglied bei den Rassegeflügelzüchtern. Der 37-köpfige Verein wird demnächst 140 Jahre alt, sagt der Wermsdorfer: „Mein Ur-Großvater Clemens gehörte zu den Gründungsvätern. Überhaupt war und ist zu jeder Zeit immer auch ein Straube im Verein – Großvater Magnus, Vater Rudolf und aktuell Tochter Katja.“

Der Mutzschener Spielmannszug tritt auf, es gibt Kutschfahrten, und alle Halter der 200 „Kräh-aturen“ bekommen Urkunden. Dafür sorgen Eberhard Träger (65) und Sohn Thomas (37), die am Computer schwitzen. Derweil schlängelt sich eine nicht enden wollende Blechlawine durch den sonst ruhigen Ort. Karfreitag als Car-Freitag!

Von Haig Latchinian

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