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Grimma Schwanendame Ronja auf freiem Kunst-Fuß
Region Grimma Schwanendame Ronja auf freiem Kunst-Fuß
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21:53 07.05.2018
Endlich wieder frei: Höckerschwan Ronja entschwand mit kräftigen Flügelschlägen auf den Autobahnsee. Das Tier trägt jetzt eine Beinprothese. Quelle: Thomas Kube
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Brandis/Naunhof

 Ein Happy End fand am Montagvormittag die Hilfsaktion für Höckerschwan Ronja, von der mittlerweile auch andere Medien berichteten. Der Vogel, dem ein Bein durch eine Prothese ersetzt wurde, verabschiedete sich mit kräftigen Flügelschlägen von seinen Rettern. Nachdem er sich im Wasser erst einmal kräftig geputzt hatte, zog er auf dem Autobahnsee von Brandis und Naunhof seine Runden, als hätte er sich nie in menschlicher Obhut befunden.

„Ronja hat jetzt ein normales Schwanenleben vor sich“, erklärte die Deubener Tierärztin Sabine Hauptvogel (46). „Sie kann mit der Prothese laufen und schwimmen. Nun muss sie nur noch lernen, aus dem Wasser heraus zum Flug zu starten. Doch dafür hat sie bis zum Winter Zeit.“

Aufregende Rettung von hilflosem Schwan

Am 12. Februar hatten Passanten den offenbar hilflosen Schwan entdeckt. Einfangversuche der Feuerwehren Brandis und Beucha sowie der Leipziger Wildvogelhilfe des Naturschutzbundes Deutschland scheiterten. Ingrid Thunig (70), deren Wochenendhaus am Beuchaer Ufer steht, versuchte das Tier mit Futter zutraulich zu machen, um seiner habhaft werden zu können. Ihre Freundin Ramona Auerswald (46) stellte den Kontakt zu Stefan Bröckling (47) vom Internetportal Tiernotruf.de her, der am 18. April extra aus Düsseldorf kam, um es zu ergreifen.

Mit einer Durchfallerkrankung kam der Schwan am gleichen Tag in die Praxis von Hauptvogel. „Er war ausgehungert, hatte ein Fünftel seines ursprünglichen Gewichts verloren“, beschreibt sie. Jeden Tag gab sie ihm einen halben Wassereimer voller Algen und Entengrütze, die er gierig verspeiste. So erlangte er seine alte Körperfülle zurück.

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Seit Februar wurde versucht, den Höckerschwan zu retten. Nachdem er endlich gefangen war, konnte eine Prothese für sein abgestorbenes Bein angefertigt werden. Mit ihr lebt er jetzt auf dem Autobahnsee von Brandis und Naunhof.

Amputieren musste Hauptvogel jedoch das rechte Bein, das durch eine am See zurückgelassene Angelsehne abgeschnürt worden war. Der Leipziger Tierorthopädietechniker Sebastian Schnabel fertigte einen Ersatz aus Plastik und Karbon. „Er sah zunächst orange aus, die Leute hätten denken können, dass sich der Schwan wieder in irgendetwas verfangen hat“, schildert Auerswald. Deshalb färbte Schnabel die Flosse grau ein. Mit zwei Kabelbindern wurde die Prothese am Beinstumpf befestigt. „Sie kann nicht abrutschen“, ist sich Hauptvogel sicher.

Anwohnerin löst Hilfsaktion aus

Erleichtert, die Sache durchgezogen zu haben, zeigte sich Ingrid Thunig. „Mir geht’s richtig gut“, fasste sie ihre Gefühle zusammen. Und dann wartete sie noch mit einer besonderen Neuigkeit auf. „Von einer Schwanenliebhaberin aus Brandis habe ich erfahren, dass Ronja am Sonntag ihren ersten Geburtstag hatte.“ Der Vogel sei am Naunhofer Grillensee aufgewachsen, dann aber von seinen Eltern verjagt worden. Daraufhin habe er sich am Autobahnsee niedergelassen. Ob er dort selbst einmal Junge großziehen wird? Tierärztin Hauptvogel hält das für denkbar.

Kaum war der Schwan zwei Stunden zurück in der Freiheit, ging Thunig mit ihren Hunden am See spazieren. In altgewohnter Manier rief sie ihn, und er kam ihr ganz nah. „Es war, als wollte er mir noch einmal danken“, sagte sie.

Viele freiwillige Spender

Sie selbst möchte sich bei allen Spendern bedanken. Es wird aber weiterhin Geld benötigt, um alle Unkosten zu decken. Deshalb stehen die Sammelbüchsen nach wie vor im Brandiser Eiscafé „Lilly Vanilly“, im Beuchaer Blumenladen, bei Edeka in Beucha und im Albrechtshainer Kletterwald. Auch das Spendenkonto bleibt geöffnet.

Kontoverbindung des Spendenkontos: Verein für Familie, Bildung & Soziales, IBAN: DE57 8605 5592 1100 9778 95, BIC: WELADE8LXXX, Betreff: Schwanenrettung.

Von Frank Pfeifer

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