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Schwanentragödie auf Naunhofer Grillensee: Jungtier verschluckt Angelhaken

Schwanentragödie auf Naunhofer Grillensee: Jungtier verschluckt Angelhaken

Von Tierquälerei spricht eine ehemalige Naunhoferin, die jetzt in Bad Lausick wohnt, ihren Namen aber nicht öffentlich genannt wissen will. Was sie am Grillensee gesehen habe, sei erschütternd.

Naunhof. Und weder Behörde noch Vereine hätten geholfen.

Es geht um die Schwanenfamilie, die in diesem Jahr so viel Zuwachs hatte wie schon lange nicht mehr. Sechs Jungtiere zogen seit Wochen ihre Bahnen, dann wurde eins verstoßen. Am Sonnabendmorgen haben es Badegäste ein letztes Mal gesichtet, seitdem fehlt jede Spur.

Ein Naunhofer, der ebenfalls in der Öffentlichkeit anonym bleiben möchte, kennt nach eigenen Angaben die Ursache. Jeden Morgen joggt der 61-Jährige um den Grillensee, hat sich mit den Schwänen, wie er sagt, über die Jahre hinweg angefreundet. "Kürzlich aber merkte ich, dass das eine Junge Schluckbeschwerden hatte", schildert er. "Im Hals steckte eine Angelschnur und ein Haken mitsamt Gras, Moos und anderem Grünzeug. Das war ein rund zehn Zentimeter großer Pfropfen."

Er habe bei Tierärzten der Region und bei Tierschutzvereinen angerufen. Doch niemand habe sich für Wildtiere zuständig gefühlt. "Wir hätten den Schwan ja sogar hingebracht", sagt er. Aber keine Chance. Auch ein Ordnungshüter der Stadt hätte nicht weitergeholfen. Schließlich seien er und ein Freund zu dem Schluss gekommen, den Haken und die Schnur selbst zu entfernen.

Der kleine Schwan war da schon auf sich allein gestellt gewesen. "Die Mutter und Geschwister verstoßen ein Jungtier, wenn sie merken, dass etwas nicht mit ihm stimmt", sagt der Naunhofer. Das kann die Bad Lausickerin, die regelmäßig am Grillensee baden geht, bestätigen: "Am Donnerstag sah ich mit Entsetzen, dass der Kleine immer allein schwamm", so die 46-Jährige.

Nun fragen sich beide, was geschehen sein könnte. Gestern sprachen sie mit der LVZ in der Hoffnung, Erklärungen zu finden. Ist eine Behörde helfend eingeschritten, oder musste der Schwan irgendwo in der Stille verenden? Wer ist der richtige Ansprechpartner in einer solchen Situation? Und was sollten Angler beachten? "Es kann doch nicht sein, dass sie ihre Ruten über Nacht unbeaufsichtigt am Ufer liegen lassen", meint die Bad Lausickerin, die selbiges beobachtet haben will. Kürzlich soll sich auch die Mutter der Schwanenfamilie in einer Schnur verheddert haben.

Naunhofs Ordnungsamtsleiter Daniel Brcak versichert, nichts von dem Vorfall zu wissen. Es sei aber richtig, sich in solchen Angelegenheiten an seine Behörde zu wenden. Die Mitarbeiter würden alle eine Dienstkleidung tragen und könnten sich ausweisen. Möglicherweise habe sich hier jemand als Ordnungshüter ausgegeben, der es gar nicht ist. Er selbst, so Brcak, würde, wenn er Kenntnis von so einem Geschehen erhält, den Amtstierarzt im Landratsamt informieren. Dies könnten freilich Badegäste auch gleich direkt tun.

Ob der kleine Schwan noch lebt, ließ sich gestern nicht herausfinden. Ein Beamter vom Polizeirevier Grimma soll sich übers Wochenende sehr engagiert der Sache angenommen haben, berichtet die Bad Lausickerin. Bei ihm ließ sich aber gestern nicht nachfragen, ob er dem kleinen Tier helfen konnte, da er erst wieder am kommenden Wochenende im Dienst ist.

Friedrich Richter, Geschäftsführer des Anglerverbandes Leipzig, erklärt klipp und klar: "Angler müssen immer bei ihren Ruten bleiben, auch nachts." In diesem konkreten Falle vermutet er aber, dass eine kriminelle Methode angewendet wurde. "Es gibt Schwarzangler, die abends sogenannte Aalschnüre mit einem Köder auslegen und an einen Baum binden. Am Morgen kommen sie und holen sie ein in der Hoffnung, dass ein Fisch dran hängt", erklärte er. "Wer das beobachtet, sollte umgehend bei uns im Verband Anzeige erstatten."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.08.2014
Pfeifer, Frank

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