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Schwarzbacher Pfarrer Andreas Illgen radelt in Ruhestand

Abschiedsgottesdienst Schwarzbacher Pfarrer Andreas Illgen radelt in Ruhestand

Kurz nach seinem 35-jährigen Ordinationsjubiläum wird Pfarrer Andreas Illgen am Sonntag in der Kirche zu Schwarzbach aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Zum Festgottesdienst um 14 Uhr hat sich auch Superintendent Matthias Weismann angesagt. Im Anschluss besteht beim Kaffeetrinken die Möglichkeit zu Grußworten.

Pfarrer Andreas Illgen bei einem Gottesdienst. Er verabschiedet sich in den Ruhestand.

Quelle: privat

Colditz/Bad Lausick. Er ist eine Art Don Camillo – am liebsten auf dem Fahrrad unterwegs. Gern dürfen es auch weite Strecken sein, in die Alpen, nach Paris, sogar bis Rom. Wenn es schneller gehen muss, steigt Pfarrer Andreas Illgen aufs Motorrad um. Nein, er kam nie zu spät. Aber eben auch selten zu früh. Wenn in Erlbach schon die Glocken zum Gottesdienst läuteten, brauste er meist erst heran. Helm ab, Talar an, die Sakristei als Wechselzone. Seine Predigten vor Motorradfahrern – längst legendär: ob in der Kirchenruine von Wachau oder auf dem Parkplatz vorm Paunsdorf Center.

„Wenn ein Abschied schmerzt, ist das ein Zeichen dafür, dass die Zeit zuvor wertvoll war“, sagt der mobile Pfarrer. Beim festlichen Gottesdienst am Sonntag, 14 Uhr, wird er von Superintendent Matthias Weismann in den Ruhestand entlassen. Er wird seinen Schwarzbachern, Erlbachern, Zschirlaern und Thierbaumern fehlen: „Bei seinen Predigten ist nie einer eingeschlafen“, versichert Kantor Mark Zocher. „Pfarrer Illgen hat sich oft was Besonderes ausgedacht. Zum Gottesdienst auf dem Friedhof verkleidete er sich am Johannistag als Johannes der Täufer – mit Lammfellumhang und Sandaletten. Eine Adventspredigt hielt er als Heiliger Nikolaus mit Mütze und Bischofsstab.“ Leiser Humor, feine Kritik – seine Markenzeichen. Er war kein Chaot, eher Perfektionist. „Alles, was er machte, hatte Hand und Fuß. Er arbeitete streng nach Plan“, bringt es Kantor Zocher auf den Punkt.

Über 30 Jahre war Illgen verantwortlich für die Kirchgemeinde Schwarzbach-Thierbaum, seit 1999 zudem auch für Zschirla-Erlbach. Gottesdienste und Konfirmationen, Trauungen und Trauerfeiern, Gemeindefeste und Weihnachtsliedersingen. Eckerd Guhlmann, Kirchenvorstand aus Leupahn, erinnert sich an die vom Pfarrer initiierten Skatrunden zugunsten der Glocken. Unvergessen dessen Engagement bei diversen Bauarbeiten in den vier Kirchen und nicht zuletzt sein Herz für die Orgel. Der Pfarrer reicht die Blumen weiter: „Ich habe mich zu bedanken, bei Freunden wie Mark Zocher oder Gunther Werner, die in Erlbach etliche Orgelpfeifen ausgebaut und gereinigt hatten. Ich habe mich zu bedanken bei Förderern wie Marc Mobius in Amerika, der mit seiner Spende die Generalüberholung der Ladegastorgel erst möglich machte.“

Mit 63 Jahren kehrt der Pfarrer nun wieder in seine alte Heimat zurück – nach Leipzig. Dort ist er geboren. Dort wuchs er auf. Dort studierte er Theologie. In der Versöhnungsgemeinde Gohlis trat er 1982 seine erste Pfarrstelle an. Mit der Jungen Gemeinde gestaltete er in der Nikolaikirche manches Friedensgebet. „Die Leipziger Luft machte unsere beiden Kinder krank. Immer wieder hatten sie Probleme mit den Atemwegen. Also riet uns die Ärztin zu einem Umzug. Daraufhin gingen wir 1986 nach Schwarzbach. Und tatsächlich, die Bronchien der Kinder erholten sich schnell“, sagt Illgen.

Die vakante Pfarrstelle in Schwarzbach wird künftig von Stephan Bickhardt betreut. Er wohnt in Markkleeberg und ist Polizeiseelsorger. Unterstützt wird er von der Colditzer Pfarrerin Angela Lau und ihren Kollegen. „Ich bitte um Verzeihung, wo ich Einzelnen, den Gemeinden, der einen oder anderen Aufgabe nicht gerecht wurde“, verabschiedet sich Andreas Illgen in der festen Zuversicht, „dass Gott unsere Gemeinden und jeden Einzelnen weiter mit seinem Segen begleitet“. Sprach’s und freut sich auf den Sonntag, den Gottesdienst und das gemeinsame Kaffeetrinken. Vor allem aber auf mehr Zeit zum Radfahren.

Von Haig Latchinian

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