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Schwelgen in Erinnerungen: Grimmas Fußball zwischen zwei Buchdeckeln

Chronik Schwelgen in Erinnerungen: Grimmas Fußball zwischen zwei Buchdeckeln

Sie schrieben Geschichte. Erst auf dem grünen Rasen, nun im wahrsten Sinne des Wortes. Verdienstvollen Fußball-Oldies ist es gelungen, die Grimmaer Historie des runden Leders zu Papier zu bringen. Noch in diesem Jahr soll der Überblick in Wort und Bild erscheinen.

Aus der jüngeren Vergangenheit: Grimmas Trainer Rainer Lisiewicz (l.) und Kapitän Steffen Ziffert beim Oberliga-Spiel gegen Dynamo Dresden im August 2001 (2:4).

Quelle: Klaus-Dieter Gloger

Grimma. Sie schrieben Geschichte. Auf dem grünen Rasen sowieso, nun sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Verdienstvollen Fußball-Oldies ist es gelungen, die Grimmaer Historie des runden Leders zu Papier zu bringen. Eine Premiere: Nie zuvor gab es einen solchen Überblick in Wort und Bild. Unter der Leitung des 72-jährigen Dietrich Veldung (823 Pflichtspiele für Grimma) leisteten Heinz Fischer, Roland Fleischer, Hannobert Paul, Reinhard Lessig, Frank Linke, Jürgen Voigt und Anton Hapli vier Jahre lang ganze Arbeit. Bei Matthias Seifert liefen die Fäden zusammen, er erstellte die Kapitel und übernahm das Layout. Geplant ist eine Auflage von mindestens 500 Stück. Die entworfenen 140 Seiten mit mehr als 300 Fotos liegen der Druckerei Bode in Wurzen bereits vor.

Jung-Rentner Seifert saß allein im vergangenen Vierteljahr täglich drei Stunden vorm Computer: „Wir wollten an möglichst viele Spieler erinnern – eine Sisyphusarbeit! Schließlich gab es zeitweise bis zu fünf Männer-Mannschaften im Spielbetrieb!“, sagt der 63-Jährige.

Motor Grimma – in der DDR ein wahrer Pokalschreck. Kein Wunder, dass die Autoren des Buches auch dem sensationellen Einzug ihrer Mannschaft ins Viertelfinale des FDGB-Pokals den verdienten Platz einräumen: Am 18. August 1969 schalten die Grimmaer in der ersten Hauptrunde zunächst Motor Steinach aus. Manfred Panke schießt vor 2000 Zuschauern das 1:0-Siegtor. In der nächsten Runde wird Chemie Böhlen zugelost. Am 4. Oktober geht der Gast vor ebenfalls 2000 Zuschauern erwartungsgemäß 1:0 in Führung, ehe „Hänschen“ Thiemann und Dietrich Veldung für Ausgleich und Siegtreffer sorgen. Ganz Grimma hält den Atem an, als im DDR-Fernsehen die Partien der dritten Hauptrunde ausgelost werden. Bezirksligist Grimma, krasser Außenseiter, trifft auf den zwei Klassen höher spielenden HFC Chemie. Die Grimmaer Fußballer – alle durch die Bank werktätig – trainieren damals lediglich an zwei Abenden in der Woche. In Erwartung solch klangvoller Namen wie Bernd Bransch und Klaus Urbanczyk ordnet Trainer Herbert Mehnert „Sonderschichten“ an. Seine Devise: „Wir kämpfen und spielen für unsere Stadt!“ Und tatsächlich: Der Mannschaft gelingt das Wunder von Grimma. Erst köpft Erich Schulze die Kugel an die Querlatte. Wenig später klingelt es dann doch im Halle-Tor. Nach einem Eckball in der 35. Minute schießt ausgerechnet Hans-Jürgen Thiemann in seinem 500. Spiel den goldenen Treffer. Die 3500 Fans sind aus dem Häuschen. Die Grimmaer tragen ihre Pokalhelden – allen voran Torwart Siegfried Leuschel – auf Händen. Im Viertelfinale trifft das Motor-Team auf den haushoch favorisierten FC Karl-Marx-Stadt. Die für den 8. März 1970 angesetzte Begegnung wird wegen Schnees auf den 26. April verlegt. 7000 Zuschauer – absoluter Rekord – feuern ihre Mannschaft frenetisch an. Es nützt nichts. Das Starensemble aus Karl-Marx-Stadt siegt nach Toren von Dieter Erler (3), Eberhard Vogel und Manfred Lienemann mit 5:1. Das Ehrentor für Grimma schießt Roland Fleischer. Nach einem Foul an Erich Schulze verwandelt er kurz nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit den Elfmeter. Die Fans verabschieden ihre Kicker trotz der Niederlage mit Beifall in die Kabine.

Das im Entwurf vorliegende Buch beweist: Der Einzug ins Viertelfinale blieb keine Eintagsfliege. Motor gelang in den Achtzigern der umjubelte Aufstieg in die DDR-Liga. Für immer verbunden bleibt der zwischenzeitlich unter SV 1919 und nun als FC Grimma firmierende Verein mit Namen wie René Schmidt, Jens Härtel (heute Trainer des 1. FC Magdeburg/3. Liga), Heiko Liebers und Steffen Vatter. Sie alle wurden in ihrer Jugend zum 1. FC Lok Leipzig delegiert. Genauso wie der hoch talentierte Manfred Keller. Er stand allerdings irgendwann vor der Frage: Fußballer oder Fleischer? Er entschied sich für Letzteres und übernahm 1979 das elterliche Geschäft.

Wann das Buch erscheint und erstmals präsentiert wird, steht noch nicht fest. Vielleicht jedoch am 24. September, sagt Matthias Seifert: „An dem Tag spielt eine Grimmaer Auswahl gegen die letzte Nationalmannschaft der DDR.“

Von Haig Latchinian

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