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Sechs Minuten, die die Welt in Waldbardau verändern

Projekt Muldental in Fahrt Sechs Minuten, die die Welt in Waldbardau verändern

Die Waldbardauerin Michaela Zabel ist von dem Projekt Muldenthal in Fahrt nicht überzeugt. Im Gegenteil: Eine gute Anbindung fiel zugunsten des neu gestalteten Busnetzes weg. Ihr Sohn muss nun auf der dunklen Straße laufen.

Schlechtere Busfahrzeiten in der Schülerbeförderung und der Wegfall einer Haltestelle beklagt die Waldbardauerin Michaela Zabel.

Quelle: picture alliance / dpa

Grimma. Das Projekt „Muldental in Fahrt“ stößt nicht bei allen Muldentalern auf Gegenliebe. Vielmehr sehen einige Leser unter anderem Michaela Zabel aus Waldbardau, dass sich die Busfahrzeiten verschlechtert haben. Inzwischen gibt es deshalb auch Fahrplananpassungen. Einige werden ab 16. Oktober gelten. Doch auch das geht der Waldbardauerin nicht weit genug. Hintergrund: Bis Juli 2017 hatte die Leserin mit der Linie 610 nach Grimma und Bad Lausick eine gute Anbindung. Mit dem neuen Fahrplan muss sie am Bahnhof umsteigen, um zum Nicolaiplatz in Grimma zu gelangen. Doch das ist für sie das kleinste Problem. Vielmehr wird die Haltestelle „Am Wasserwerk“ von der Linie 610 nicht mehr angefahren, weder am Wochenende, noch in den Ferien.

„Jetzt läuft mein großer Sohn jeden Morgen im Dunkeln und ohne Fußweg auf einer viel befahrenen Straße zur Haltestelle Hartgrund, um mit der A-Linie zu fahren. Die einfache Strecke, die mein Sohn täglich zu Fuß zurücklegt sind 580 Meter Straße ohne Beleuchtung und Fußweg“, schimpft Michaela Zabel. Das wäre nicht der Fall, wenn diese Linie einen Schlenker über das Wasserwerk machen würde. Sie fragt sich: Was ist, wenn auf der Strecke ein Unfall passiert, der durch das Einsteigen an der Haltestelle am Wasserwerk hätte vermieden werden können? Wer wird dann mit zur Verantwortung gezogen? Die Stadt, die keinen Fußweg zur Verfügung gestellt hat, der bis dato auch nicht wirklich gebraucht wurde? In Waldbardau gäbe es mehr als nur drei Schulkinder, die auf die Busse angewiesen sind. „Wenn die Schüler nicht mal in der Schulzeit eine ordentliche Anbindung haben, was wird dann erst, wenn sie im Berufsleben stehen?“, fragt sie sich. Kein Jugendlicher würde auf dem Land wohnen bleiben, sondern in die Großstädte ziehen. „Wer will schon täglich morgens um 5.15 Uhr loslaufen, damit er den Zug 5.53 Uhr nach Leipzig bekommt, um dann 7 Uhr auf Arbeit zu sein!“ Hier habe keiner nachgedacht und vor allem auch keiner die Nutzer gefragt.

Iris Bode vom Landratsamt Landkreis Leipzig kann nachvollziehen, dass die Waldbardauerin die gute Anbindung vermisst. Sie fiel letztlich aus Zeitgründen weg (die zwei Haltestellen hätten nicht gepasst), damit das neue Busnetz zwischen den Städten Bad Lausick, Brandis, Colditz und Grimma sowie den Eisenbahnstrecken entwickelt werden konnte.

„Die Linie 610 ist weiterhin eine wichtige Linie im Netz und verkehrt als PlusBus stündlich im Takt“, erklärt Iris Bode. Mit den neuen Fahrzeiten der Linie ab August kann nach Aussagen von Iris Bode von Grimma aus der Zug in Richtung Chemnitz erreicht werden, gleichfalls ist für die Kleinbardauer und Etzoldshainer ein Zuganschluss in Richtung Leipzig gegeben. In Grimma gibt es in der Hauptverkehrszeit einen Anschluss zum Zug in Richtung Leipzig und zu den anderen PlusBus-Linien. Dadurch wird die Weiterfahrt zum Nicolaiplatz aber zum Beispiel auch in Richtung Mutzschen, Wurzen, Trebsen, Naunhof, Nerchau und viele andere Orte möglich. Um die Anschlüsse alle so einhalten zu können, wurde der Fahrweg der Linie 610 verändert (neu 23 Minuten von Bahnhof Bad Lausick zum Bahnhof Grimma). Sie verkehrt nicht mehr über Bernbruch und durch Grimma Süd (Fahrzeit 29 min). „Mit der alten Fahrzeit könnten die Verbindungen nicht gehalten werden“, erklärt die Sachgebietsleiterin für Schülerbeförderung/ÖPNV.

Für Michaela Zabel bleibt es trotzdem unverständlich, dass zwei Orte wegen sechs Minuten Fahrtzeit abgeschnitten werden, obwohl eine saubere Verbindung gegeben war.

Von Cornelia Braun

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