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Grimma Seelingstädt erinnert an seine Wiege
Region Grimma Seelingstädt erinnert an seine Wiege
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05:00 15.06.2011
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. Baggerfahrer Ronald Engel, der es vor sechs Jahren bei der Entschlammung des Walteiches eigentlich auf haufenweise Dreck abgesehen hatte, legte zufällig Reste der Burg frei und ging damit in die Dorfgeschichte ein.

 

Karla und Roland Müller wohnen direkt am idyllischen Walteich. Gern sitzen sie auf ihrer Wiese, um Frühstück zu essen oder einfach nur zu genießen. „Ach, hier gibt‘s immer was zu sehen. Meta Bluschke, die inzwischen verstorbene Bewohnerin des Altersheimes, fütterte die Enten jeden Tag. André Henkel, der bei der Sicherung des Speichers hilft, huppte vorsches Jahr sogar ma nei." Inzwischen habe der Walteich seinen Schrecken verloren. Während das Haus der Müllers 2002 überflutet wurde, steht das Hochwasser nun höchstens noch auf der Wiese: „Der Durchlass wurde vergrößert, der Graben geöffnet und ein Mönch gebaut – seitdem kann mehr Wasser weg." Zwar wünschten sich die Eheleute, dass die Mauern der Wasserburg von 1251 zumindest geringfügig erhöht worden wären und damit aus dem längst wieder vollgelaufenen Teich heraus geragt hätten. „Aber das ist illusorisch – viel zu teuer", so Karla Müller.

Fortan erinnert eine vom Heimatverein in Auftrag gegebene und vom Landkreis geförderte Tafel an jene entdeckten Burgreste. Heimatvereinsvorsitzender Manfred Müller: „Es handelt sich mit großer Sicherheit um das Fundament eines Wohnturmes. Das Obergeschoss war vermutlich in Fachwerk ausgeführt. Zur offensichtlich bis 1413 bewohnten Burg gehörten weitere Gebäude. Bei der späteren Errichtung des Rittergutes diente die Burg als Steinbruch." Auch Müller hofft in der Perspektive auf die Sichtbarmachung der alten Mauern – vielleicht über eine beleuchtete Stahlkonstruktion: „Unser künstlerisch ambitionierter Schmied, Mathias Kupfer, steht der Idee aufgeschlossen gegenüber."

Am Wochenende feiern die Seelingstädter ihr 760-jähriges Bestehen und beziehen sich dabei ganz direkt auf die Ersterwähnung besagter alter Wasserburg. Obwohl deren Reste auf dem Grund des Teiches liegen, ist es für Ehepaar Müller ein herausragendes Gefühl, so nah an der Wiege des Ortes zu wohnen. Gestern gingen die Müllers zusammen mit Barbara Grabarse und Heike Rimms vom Heimatverein noch ein paar Programmpunkte des Dorffestes durch. So startet am Freitag, 17 Uhr, der 1. Seelingstädter Duathlon für rennende sowie Rad oder Roller fahrende Kinder. Und am Sonnabend wird eine Friseuse drei noch zu benennende Freiwillige in einer mit Spannung erwarteten Vorher-Nachher-Show „umstylen". Ganz symbolträchtig eben: Denn im Vergleich zum Seelingstädt aus jenen längst verflossenen Tagen der einstigen alten Wasserburg hat sich das Gesicht des Ortes innerhalb von 760 Jahren ganz schön verändert.  

Haig Latchinian

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