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Seelingstädter Tabakhallen können endlich abgerissen werden

Bescheid liegt vor Seelingstädter Tabakhallen können endlich abgerissen werden

Lange hat sich die Stadt bemüht, jetzt soll ein Schandfleck aus dem Ortsteil Seelingstädt verschwinden. Wenn nichts mehr in die Quere kommt, kann vielleicht noch in diesem Jahr mit dem Abriss der ehemaligen Tabakhallen begonnen werden. Der Eigentümer ist froh, sie loszuwerden.

In einer Halle steht noch alte heruntergekommene Landwirtschaftstechnik. Darunter ein Traktor und ein Mähdrescher.

Quelle: Thomas Kube

Trebsen/Seelingstädt. Lange hat sich die Stadt bemüht, jetzt soll ein Schandfleck aus dem Ortsteil Seelingstädt verschwinden. Wenn nichts mehr in die Quere kommt, kann vielleicht noch in diesem Jahr mit dem Abriss der ehemaligen Tabakhallen begonnen werden. Der Eigentümer ist froh, sie loszuwerden.

Errichtet hatte sie die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft „Fortschritt“ aus dem benachbarten Beiersdorf in den 1970er-Jahren, und zwar in einer damals üblichen Bauweise: 1,20 Meter tiefe Streifenfundamente, Stahlrahmen, Wände asbestplattenverkleidet und Dächer aus Wellasbest. Vier solche Hallen, jede 52 mal zehn Meter groß und knapp sieben Meter hoch, entstanden hintereinanderweg wie an einer Perlenschnur. In ihnen fädelten die Genossenschaftsbäuerinnen die von den umliegenden Feldern geernteten Tabakblätter auf, damit diese hängend trocknen konnten.

„1996 habe ich die Hallen von dem Agrarbetrieb gekauft“, sagt Rolf Neubert, Chef der Kohlen Sparen GmbH Grimma. Eigentlich war das Grundstück als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen, weshalb keine Gewerbeansiedlung in Frage kam. Doch der Brennstoffhändler erhielt eine befristete Ausnahmegenehmigung von der Stadt. So durfte er über fünf Jahre Kohlen einlagern, um genügend Vorrat für den Verkauf im Winter zu haben. In der benachbarten Kleingartenanlage ließen sich Klagen über die Staubbelastung vernehmen.

Als die Genehmigung nicht verlängert wurde, stand Neubert vor dem großen Problem, was aus den Tabakhallen werden soll. So kam er auf die Idee, sie abzureißen und das Grundstück für eine Wohnbebauung zu nutzen. Da es aber im Außenbereich am Dorfrand liegt, war kein Baurecht zu schaffen. So verkam das Gelände. Im hinteren Bereich wucherte es zu. Die meisten Asbestplatten fielen von den Wänden und Dächern herab und landeten zum Teil in den Kleingärten, deren Pächter sich nicht mehr sicher fühlten. In einer der Hallen verlotterte alte Landwirtschaftstechnik, darunter ein Traktor und ein Mähdrescher.

Das soll sich nun grundlegend ändern. „Wir nahmen uns der Sache an, weil sonst nichts vorwärtsgeht“, sagt Bauamtsleiterin Marika Haupt. „Für einen symbolischen Preis kaufen wir die Fläche, dann wollen wir die Tabakhallen abreißen.“ Ein Fördermittelantrag an die Sächsische Aufbaubank sei soeben positiv beschieden worden. Für die geschätzte Gesamtsumme von 185 835 Euro erhalte Trebsen über das Landesprogramm Brachflächen-Revitalisierung 169 979 Euro vom Freistaat.

„Wir gehen jetzt die Genehmigungsplanung an“, erläutert Haupt die weitere Verfahrensweise. „Dann müssen wir das bereits erstellte Entsorgungskonzept konkretisieren und mit dem Landratsamt absprechen. Es folgen Ausschreibung, Vergabe und Umsetzung. Wir wollen noch dieses Jahr beginnen, vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.“ Kohlenhändler Neubert dazu: „Es kommt uns sehr entgegen, dass diese Lösung gefunden wurde.“

Mit dem Abriss verschwindet der Asbest und damit eine Umweltbelastung. „Außerdem ist es eine staatliche Vorgabe, Brachflächen zu revitalisieren“, so Haupt. Nicht zuletzt stellt die Beseitigung eine Ausgleichsmaßnahme dar für die Erweiterung des Industriegebiets Trebsen I – Pauschwitz. Als sich dort die B & B Trebsener Montage- und Service GmbH ansiedelte, die beim Hochwasser 2013 im Bergelager große Schäden hinnehmen hatte müssen, wurden Flächen neu versiegelt. „Im Gegenzug werden jetzt welche in Seelingstädt der Natur zurückgegeben“, erklärt die Bauamtsleiterin. Auf dem Areal der Hallen soll eine Wiese angelegt werden, die zweimal im Jahr gemäht wird. „Der vorhandene Baumbestand bleibt bestehen, soweit er beim Abriss nicht stört“, verspricht die Bauamtsleiterin.

Von Frank Pfeifer

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