Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Seelingstädter wollen mitreden

Seelingstädter wollen mitreden

 Trebsen/Seelingstädt. Nach den Altenhainern nun also auch die Seelingstädter: Weil sie im Fusionsgerangel ein gehöriges Wörtchen mitsprechen wollen, stellt der Ortschaftsrat bis heute, 12 Uhr, jedem Dorfbewohner ab 16 einen Stimmzettel zu.

. Die Bürger sollen ankreuzen, ob sie mit Grimma oder Bennewitz zusammen gehen möchten, oder ob sie noch unentschieden sind.

Ortsvorsteherin Susann Schumann entschuldigte sich auf der kurzfristig anberaumten Einwohnerversammlung für die fast beispiellose Eile: „Aber wir dürfen keine Zeit verlieren. Die Trebsener Arbeitsgruppe Kommunalreform kündigte an, dem Stadtrat bereits im April einen entsprechenden Fusionspartner vorzuschlagen.“ Gleich nach der sehr gut besuchten Sitzung am Donnerstag Abend wurde der Stimmzettel erarbeitet, der seit gestern in die Briefkästen wandert. Schumann: „Wir bitten die Seelingstädter, uns die Zettel entweder gleich wieder mitzugeben oder sie bis spätestens Montag, 18 Uhr, in den grauen Briefkasten vor dem Altersheim beziehungsweise direkt bei den Ortschaftsräten einzuwerfen. Bitte beteiligen Sie sich an der Befragung. 300 Stimmabgaben sind unser Minimalziel. Am Montag, 19 Uhr, ist Auszählung im Rittergut. Am 22. März wollen wir das Votum der Bürger den Stadträten übergeben. Ich hoffe, möglichst viele Seelingstädter werden dabei sein.“ Die auf der Einwohnerversammlung ebenfalls anwesenden Ortschaftsräte Karolin Schmidt, Doris Galle und Annett Jäger betonten, mit der Bürgerbefragung nicht etwa Druck auf die Stadträte ausüben zu wollen: „Aber wir möchten an deren Gewissen appellieren!“

Dieter Grobe, selber Stadtrat in Trebsen, kritisierte die Fragestellung: „Meiner Meinung nach geht es nicht darum, ob wir Seelingstädter nach Grimma oder Bennewitz gehen wollen, sondern ob wir Trebsener bleiben möchten! Ich jedenfalls möchte es bleiben. 2011 feiert Trebsen seine 850-Jahrfeier ...“ – „Dieter, das interessiert doch niemanden!“, unterbrach ihn ein Bürger barsch. Und Gerhard Schäfer sagte klipp und klar: „Wenn ich nach Grimma will, dann deshalb, weil ich hoffe, dass Grimma mehr für Seelingstädt tut als Trebsen. Die Dörfer um Grimma sehen tip-top aus. Und Seelingstädt? Seit mehr als 20 Jahren wird über unsere Straße geredet. Aber es passiert nichts. Stattdessen soll Geld in Größenordnungen in die Gestaltung des Trebsener Marktes gesteckt werden.“ Donnernder Applaus.

Der Seelingstädter Stadtrat Joachim Richter würdigte die Initiative des Ortschaftrates und des Heimatvereines für mehr Bürgerbeteiligung: „Damit helft Ihr, Demokratie durchzusetzen. Die Befürworter einer Fusion mit Bennewitz argumentieren immer mit einer Begegnung auf Augenhöhe. Wir warten seit zehn Jahren auf einen Fahrradweg – vielleicht ist es ja besser, zu einem Partner aufschauen zu können!“ Wieder Beifall. Eine Frau stimmte zu: „Ich war noch nie in Bennewitz. Grimma ist doch unser aller Heimat!“

Dorfbewohner René Müller konterte: „Grimma will auch mit Nerchau fusionieren. Womöglich übernimmt sich die Stadt ja.“ In die gleiche Kerbe schlug auch ein Seelingstädter, der seinen Namen „aus beruflichen Gründen“ nicht nennen wollte: „Bennewitz ist eine Gemeinde, die am meisten für ihre Ortsteile tut.“ – „Aber wielange noch?“, warf Katrin Kamm, eine der vielen Besucher aus Altenhain in die Debatte: „Bennewitz klärt sein Abwasser selber, hat moderate Kindergartengebühren und erhebt keine Straßenausbaubeiträge. Diesen Luxus wird sich die Kommune nicht mehr lange leisten können. Das wissen wir aus berufenem Munde.“

Heimatvereinsvorsitzender Manfred Müller, einer der Initiatoren der Versammlung: „Ich bin stolz auf die Seelingstädter. Wir können eben nicht nur gemeinsam feiern, sondern auch demokratische Prozesse in Gang bringen. Das ist auch notwendig, da es unserer Meinung nach ein Unding ist, wenn der Vorsitzende der Trebsener Arbeitsgruppe bei der Ergebnisfindung voreingenommen ist. Die Initiative von Altenhain und Seelingstädt zeigt erste Erfolge: So öffnet sich die Arbeitsgruppe inzwischen auch für kritischer Geister aus der Bevölkerung.“

 

Haig Latchinian

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Grimma

Blättern Sie in der prall gefüllten Veranstaltungsbeilage und entdecken Sie die Termine aus unserer Region. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

21.08.2017 - 07:57 Uhr

Der SV Chemie Böhlen unterliegt mit 0:2 im Sportpark Tresenwald / Seltmann und Mikusch treffen

mehr
  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr