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Seidewitzer fürchten Gestank aus dem Nachbarort

Seidewitzer fürchten Gestank aus dem Nachbarort


Grimma/Seidewitz. In dem kleinen Dorf Seidewitz bei Böhlen, seit Jahresbeginn Ortsteil der Stadt Grimma, bahnt sich Ärger an, der gar zum Himmel stinken könnte.

. In unmittelbarer Nähe zur Wohnsiedlung soll eine große Biogasanlage errichtet werden.

Besonders anrüchig ist: Als Standort haben sich der Investor und Betreiber, die Dresdener Stadtwerke (DREWAG), ein Gewerbegebiet im Nachbardorf Marschwitz auserkoren. Das gehört wiederum zur Gemeinde Bockelwitz im Landkreis Mittelsachsen, befindet sich aber sehr nahe der Landkreisgrenze und damit unmittelbar neben dem kleinen Ort Seidewitz. Dessen etwa 145 Einwohner laufen nun gegen die Biogasanlage Sturm.

Zunächst nur gegen die Pläne, denn entschieden ist noch nichts. Doch das sieht Michael Heckel, der Bürgermeister der angrenzenden mittelsächsischen Gemeinde Bockelwitz anders. „Eine Entscheidung für etwas, ist immer auch eine Entscheidung gegen etwas. Mit anderen Worten, wir haben uns 1991 für das Areal als Gewerbegebiet ausgesprochen und die Grundstücke an die Industrie verkauft. Und damals haben die Marschwitzer keine Einwände gehegt. Sicher, das war eine andere Generation vor 20 Jahre. Und keiner konnte wissen, dass ein Unternehmen jetzt eine Biogasanlage bauen will. Aber die Entscheidung dafür oder dagegen liegt nun bei der Landesdirektion – für unseren Kreis ist das Chemnitz. Wir als Gemeinde werden zwar gehört und können unsere Zustimmung verweigern, aber die kann auch eingeklagt werden", weiß Heckel und ergänzt: „Ich muss mich dort der Entscheidung fügen, die andere treffen."

Und das, obwohl ihm sehr wohl bewusst sei, dass ihm aus der eigenen Gemeinde Wind ins Gesicht bläst. „Die Marschwitzer nehmen es mir übel, dass ich nicht ihre Interessen vertrete, denn von dort kommt der Widerstand." Und hat nun auch paar Meter weiter über die Kreisgrenze, quasi über den Gartenzaun hinweg nach Seidewitz übergegriffen.

Schon am 7. September 2010 hatten Seidewitzer in Bockelwitz eine Gemeinderatssitzung besucht, in der das Projekt vorgestellt wurde, erzählt Jörg-Michael Zielinski. Von seiner Terrasse aus wäre die Biogasanlage zum Greifen nahe. Und für den Rest der Seidewitzer wäre es nicht viel weiter, wie ein Luftbild vom Dorf und dem betroffenen Gewerbegebiet im Nachbarort zeigt. Zielinski kündigt an, eine Bürgerinitiative gründen zu wollen. Er wisse schon jetzt „zwei Hände voll Leute aus Seidewitz und auch aus Marschwitz" hinter sich.

Auch Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger hat die Angelegenheit schon auf dem Tisch. „Grundsätzlich haben wir nichts gegen alternative Energiequellen", positioniert sich der Rathauschef. „Aber wir vertreten den Standpunkt, dass die Biogasanlage in einer Dimension, wie sie an der A 14 bei Nossen steht, nicht in den ländlichen Raum gehört." Deshalb sei man bereits mit der Stadt Dresden in Verbindung getreten, ließ Berger auf Anfrage wissen. Außerdem sei ein Umweltrechtsexperte beauftragt worden, mit einer Vorprüfung auszuloten, was rechtlich dagegen unternommen werden kann.

Unabhängig davon wolle Zielinski am Widerstand von unten festhalten. Von dort wird nämlich befürchtet, dass diese Biogasanlage, die nach Meinung der Seidewitzer sogar in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet gebaute werden soll, auch über die „maroden und viel zu engen Straßen" ihres Landkreises und damit ihres Ortes im Stundentakt angefahren wird.

Frank Schmidt

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