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Sensationsfundin Grimma: 472 Jahre alter Rammbär

Sensationsfundin Grimma: 472 Jahre alter Rammbär


Grimma. „Es ist ein wunderbares Stück", schwärmt Denkmalpfleger Günter Unteidig, „und dazu ein ganz einzigartiges.

." Bestimmt gebe es das so gut erhalten europaweit nicht noch einmal. Und er streicht mit der Hand über das Grimmaer Stadtwappen und die Ornamente, die den fast 500 Jahre alten Rammbären zieren.

Als die Bauleute der Firma Otto Heil in dieser Woche das Mulde-Flussbett unter dem zweiten stadtseitigen Bogen der Pöppelmannbrücke noch ein wenig ausbaggerten, um nun die Sandcontainer und die Wassersteine einzubringen (die LVZ berichtete am Donnerstag über den Stand der Brückensanierung), ergriffen die Baggerschaufeln plötzlich zahlreiche große angespitzte Holzpfähle, zum Teil an den Spitzen mit Eisen verstärkt. Das war noch keine sonderlich große Überraschung. „Dass wir möglicherweise auf die alte Pfahlgründung der Pöppelmannschen Vorgänger-Brücke aus dem 16. Jahrhundert treffen würden, war uns fast klar", sagt der Polier der Firma Otto Heil, Michael Behrendt. Sorgfältig wurden die Pfähle am Rande der Baustelle abgelegt, um alles weitere würde sich Günter Unteidig von der Unteren Denkmalpflege-Behörde schon kümmern, wussten sie.

Doch plötzlich hatte der Bagger etwas ziemlich Schweres gegriffen. Was im ersten Moment wie eine kleine Glocke anmutete, stellte sich schließlich als ein gut erhaltener Rammbär heraus, mit dem augenscheinlich im Jahr 1540 beim Bau der ersten Grimmaer Steinbrücke große Holzpfähle als Gründung in das Flussbett eingeschlagen wurden. In einer Tiefe von rund zwei Metern unter der heutigen Fluss-Sohle wurden die Bauleute noch mit anderen historischen Gerätschaften fündig. Holten nämlich ein Steinschloss- und zwei Luntenschlossgewehre herauf. „Die sind möglicherweise aus dem 30-jährigen Krieg", sagt Denkmalpfleger Unteidig. Doch die Waffen sind schon so verschlissen und angegriffen, dass sich eine teure Restaurierung nicht lohne. „Sie kommen jetzt erstmal in Zuckerwasser, damit sie nicht völlig auseinanderfallen", sagt Unteidig.

Nahezu bestens erhalten ist dagegen der rund 200 Kilogramm schwere Rammbär, seinerzeit massiv aus Bronze gegossen. „Das Stück ist offensichtlich extra für den Bau der Grimmaer Brücke hergestellt worden", meinen Oberbürgermeister Matthias Berger und der Denkmal-Sachverständige übereinstimmend. Neben den Ornamenten der Früh-Renaissance („Eigentlich müssten es zu der Zeit noch spätgotische Ornamente sein", sagt Unteidig.) ist die Jahreszahl 1538 darauf zu erkennen. Auf der anderen Seite das Grimmaer Stadtwappen mit den Türmen und der Jahreszahl 1537. Darunter ein Schriftzug, den Berger und Unteidig dann so entzifferten: „Hans Schwarcz von Hagen nov gemacht". Also, ein Hans Schwarz von Hagen habe diesen Rammbären neu gegossen.

Dieses Stück „schönste Stadtgeschichte" wird nun vom Denkmalpfleger sorgfältig gesäubert und mit einem Verschlusslack versehen, „damit die Bronze auch richtig zur Geltung kommt". Und so bald wie möglich soll der historische Rammbär gemeinsam mit einigen der aufgearbeiteten spitzen Gründungspfählen der einstigen Brücke von 1540 im Foyer des Grimmaer Rathauses der Öffentlichkeit zugänglich sein.

So ganz nebenbei lässt Günter Unteidig die Bemerkung fallen, dass man vielleicht bald beim Buddeln im Muldebett auf der Ostseite mit einem noch älteren und spektakuläreren Fund rechnen könne. Triglav, oder umgangssprachlich Triglin genannt – der dreiköpfige slawische Gott und Schutzheilige, sei einst in stolzer Größe von rund drei Metern als Steinfigur in die uralte Brückenbrüstung eingelassen gewesen. Beim Neubau im 16. Jahrhundert habe man die Figur wohl einfach in die Mulde geschmissen. „Wenn wir Glück haben, finden wir den Triglin oder zumindest Teile davon", hofft Günter Unteidig.

Silke Hoffmann

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