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Grimma Seume-Haus zu: Grimmas Sparzwang fordert ein Opfer von Rang
Region Grimma Seume-Haus zu: Grimmas Sparzwang fordert ein Opfer von Rang
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10:13 17.01.2017
Die Tür des Seume-Hauses auf dem Grimmaer Markt bleibt seit Anfang des Jahres zu. Quelle: Thomas Kube
Grimma

Grimmas Sparzwänge fordern ein erstes Opfer von Rang. Nach dem Streichen der Mietzuschüsse durch die Stadt sah sich der Seume-Verein „Arethusa“ gezwungen, das Seume-Haus auf dem Grimmaer Markt aufzugeben. Seit Anfang des Jahres ist dieses historisch-kulturelle Angebot im Zentrum der Muldestadt Geschichte.

Der Arethusa-Verein war 1999 anlässlich des 200. Jahrestages von Seumes Spaziergang nach Syrakus ins Leben gerufen worden. Er möchte das Erbe des Dichters Johann Gottfried Seume (1763-1810), den es als Korrektor und Lektor nach Grimma verschlagen hatte, bewahren und den heutigen Menschen näher bringen. 2003 mietete sich der Verein in jenem Haus ein, in dem einst die Druckerei von Georg Joachim Göschen (1752-1828) stand und Seume tätig war. Ein prächtiges Haus am Markt 11, das 1540 erbaut wurde und zu den ältesten der Stadt gehört. Mit Hilfe von geförderten Jobs schuf der Verein in diesem Seume-Haus im Herzen der Stadt einen kleinen kulturellen Anlaufpunkt als Außenstelle des in Honstädt gelegenen Göschenhauses. Jedes Jahr wurde hier am 29. Januar des Dichters Geburtstag gedacht, Lesungen lockten Interessenten an, Schulklassen machten sich mit Drucktechniken vertraut. Eine Ausstellung über Seume vervollständigte den Blick in die Grimmaer Historie.

2012 begrüßte der Verein etwa 1500 Besucher im Seume-Haus, nach der Flut 2013 gingen die Zahlen aber zurück. 2015 wurden sechs Veranstaltungen, 14 Kinderprojekte und knapp 500 Besucher gezählt. Im vorigen Jahr, als die Stadt die Streichung des Mietzuschusses ankündigte und die personellen Sorgen größer wurden, gab es noch zwei Veranstaltungen, vier Kinderprojekte und etwa 300 Besucher im Haus, das von Dienstag bis Freitag jeweils nachmittags geöffnet war.

6768 Euro überwies die Stadt dem Verein jährlich bis 2016, womit er die Miete für die Seume-Stätte bezahlen konnte. Alle Bemühungen, die Zahlungseinstellung zu kompensieren, scheiterten, gibt Vereinsvorsitzender Lutz Simmler zu verstehen. Auch die Gespräche mit dem Eigentümer brachten nicht das gewünschte Ergebnis. „Die Miete hätten wir vielleicht noch zusammen bekommen, aber die finanzielle Kraft zum Betreiben hätte uns gefehlt“, so der 59-Jährige, der in Grimma auch der CDU vorsteht. Die Mitgliederversammlung des 30-köpfigen Vereins habe also Entscheidung zur Schließung mitgetragen und gleichzeitig beschlossen, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen weiterzuführen. So gibt es die Idee, im „Haus Seume“ des Gymnasiums in der Colditzer Straße Angebote zu unterbreiten. Das Interieur vom Markt wurde ins Göschenhaus gebracht, die kleine Druckerei ist nach Wiedereröffnung am 28. Januar in der neu gestalteten Bauernstube zu bestaunen. Ende Januar sollen die weiteren Pläne fürs Jahr besprochen werden.

Grimmaern, denen dieses kulturelle Erbe wichtig ist, empfänden die Schließung des Seume-Haues als erheblichen Verlust, sagt Vereinschef Simmler. Die Stadt müsse sich fragen, welche Prioritäten sie setzt und was ihr wichtig ist. „Es gibt nicht viele Persönlichkeiten in der Geschichte Grimmas.“ Das Göschenhaus etwa habe dringenden Sanierungsbedarf, so Simmler.

Jana Kutscher, die Leiterin des Amtes für Schulen, Soziales und Kultur, verteidigt den städtischen Entschluss. Die Stadt befinde sich in der Haushaltskonsolidierung und habe sich Gedanken machen müssen, wo sie sparen kann. Der Mietzuschuss fürs Seume-Haus sei keine Pflichtaufgabe gewesen, „und es stand im Raum, ob wir uns das noch leisten können. Wir bedauern die Entscheidung, hatten aber keine andere Lösung.“

Existenziell für die Stadt sei der Erhalt des Göschenhauses, also des klassischen Museums, so Kutscher weiter. 2014 habe die Stadt vom Arethusa-Verein das Personal übernommen und betreibe seitdem das Göschenhaus, das im Jahr etwa 100 000 Euro koste. Indes sind von den einst vier nur noch zwei Personen in Teilzeit tätig. Zudem büßt die Stadt seit 2016 die Kulturraum-Mittel in Höhe von jährlich 25 000 Euro ein, weil sie sich mit dem Geldgeber nicht zur Entlohnung der Mitarbeiter im Göschenhaus einigen konnte. Wegen der Konsolidierung zahlt die Stadt weniger als der Kulturraum vorgibt.

Der Stadt sei wichtig, so die Amtsleiterin, dass der Verein weiter existiert und sich ums Göschenhaus kümmert, um das Erbe von Verleger und Dichter wach zu halten. „Wir haben aber auch die Aufgabenvielfalt im Göschenhaus hinterfragt“, so Kutscher. Das Personal habe sich auf die museale Arbeit zu konzentrieren, Familienfeier etwa seien im Göschenhaus nicht mehr möglich.

Von Frank Prenzel

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