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Sind Gasthaus-Besucher Anlieger? Wirtin kämpft seit Jahren um bessere Zufahrt

Grimma Sind Gasthaus-Besucher Anlieger? Wirtin kämpft seit Jahren um bessere Zufahrt

Wer mit dem Auto die idyllisch gelegene Gaststätte „Zum Müncherteich“ oder den von ihr betriebenen Campingplatz im grünen Westen Grimmas ansteuern möchte, steht vor einem Rätsel. Rad- und Fußweg; gesperrt für Autos und Motorräder – von allen Seiten verwehren Verkehrsschilder den Motorisierten die Zufahrt. Nur Anlieger dürfen die Straßen nutzen. Aber wer ist Anlieger?

Der touristische Wegweiser ist deutlich. Doch auf der anderen Straßenseite ist lediglich ein Fuß- und Radweg ausgewiesen - Mit Zusatzschild „Anlieger frei“.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma. Wer mit dem Auto die idyllisch gelegene Gaststätte „Zum Müncherteich“ oder den von ihr betriebenen Campingplatz im grünen Westen Grimmas ansteuern möchte, steht vor einem Rätsel. Rad- und Fußweg; gesperrt für Autos und Motorräder – von allen Seiten verwehren Verkehrsschilder den Motorisierten die Zufahrt. Nur Anlieger dürfen mit Motorkraft die schmalen Straßen zum Münchteich und der Siedlung nutzen, wie es ein Zusatzschild verheißt. Zwar gilt auch als Anlieger, wer als Gast ein Lokal aufsucht (siehe Kasten). Aber wer weiß das schon so genau und kann zudem zwischen Anwohner und Anlieger unterscheiden. Wirtin Iris Reuter jedenfalls kann trotz touristischer Wegweiser zum Gasthaus ein Lied von der Zufahrtssituation singen, gegen die sie jahrelang ankämpfte. Sie wisse, dass viele die Schilder abschrecken, erzählt sie – sowohl Einheimische als auch Auswärtige. „Man findet uns nicht“, betont sie und erzählt von schimpfenden Gästen. „Manche drehen um, manche rufen sogar an und fragen, ob sie weiterfahren dürfen“, weiß die 55-jährige Gastronomin zu berichten. Die Situation setzt ihr trotz der die Ruhe und Natur suchenden Stammgäste wirtschaftlich zu. „Es ist nicht immer Fahrradwetter“, alte und behinderte Menschen seien zudem auf das Auto angewiesen, um zu ihrem Lokal zu kommen. Und auf den Campingplatz würden sich höchstens 50 Gäste im Jahr verirren, so Reuter.

Zumindest gibt es jetzt einen Lichtblick. Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) hat nach der LVZ-Anfrage sofort unbürokratisch reagiert. Noch am selben Tag ließ er zwei Zusatzschilder bestellen: „Zufahrt bis zum Campingplatz frei“. Sie basieren auf der Straßenverkehrsordnung und werden nach Fertigstellung an den Zufahrten auf Grimmaer Territorium aufgestellt – so auf der Seite des Roten Vorwerks. An der Zufahrt auf Grethener Seite sei die Gemeinde Parthenstein zuständig, heißt es aus dem Rathaus. Indes führt von dort die offizielle Anfahrt zum Gasthaus.

Wolfgang Möller von der Grimmaer Straßenverkehrsbehörde bekräftigt, dass man als Gast von Lokal und Zeltplatz ein Anlieger ist. Von drei Seiten sei die gastliche Stätte erreichbar. Doch für den Durchgangsverkehr seien die als Fuß- und Radweg deklarierten Straßen eben nicht vorgesehen und geeignet. „Machen wir dort frei, fahren die Leute vom Rumberg über die Pflaumenallee nach Beiersdorf durch“, gibt er zu bedenken. Oder sie würden in Richtung Grethen abzukürzen versuchen. Es sei nicht beabsichtigt, eine Strecke zu öffnen, so Möller. Zumal eine andere Regelung dem entgegen steht. Beim einstigen Ausbau zu Fuß- und Radwegen flossen Fördermittel – eben nur zu diesem Zweck. Bei einer Umwidmung würde eine Rückzahlung drohen.

Die aus Grimma-West heraus führende Alte Poststraße, die Wirtin Reuter besonders am Herzen liegt, bleibt mit Pollern versperrt. „Das ist der direkte Weg ins Neubaugebiet und nach Grimma“, sagt sie. Einst sei das eine öffentliche Straße gewesen, jetzt käme nicht mal ein Rettungswagen durch. Reuter, die ihr Lokal seit 1988 betreibt, schlägt eine Freigabe für den Verkehr vor, der durch bauliche Maßnahmen beruhigt werden könnte. Durch die gekappte Poststraße müssten ihre Grimmaer Gäste mit der Kirche ums Dorf, um zu ihr zu gelangen.

Das Ende der Fahrradsaison spürt die Gastronomin in der Kasse. Sie habe die Ansprüche herunter schrauben müssen, doch vieles sei sanierungsbedürftig, sagt Iris Reuter, die ihren 34 Jahre alten Sohn Steven an der Seite weiß. Für manches bleibt dennoch Geld übrig. So erneuerte sie in diesem Jahr einen Teil des Sanitärtrakts auf dem Zeltplatz, auch eine Dusche entstand. Um die Situation zu verbessern, habe sie 25 Jahre lang zig Gespräche geführt, blickt die Wirtin zurück. Ihr Kampfgeist sei aber inzwischen versiegt. Sie habe das Gefühl gehabt, gegen verschlossene Türen zu laufen.

Von Frank Prenzel

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