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Sonderführungen zur Gefangenengeschichte des Schlosses Colditz

Informativ und lecker Sonderführungen zur Gefangenengeschichte des Schlosses Colditz

Geschichten wie jene von Airey Neave, dem in einer selbst geschneiderten Wehrmachtsuniform 1942 die Flucht von Schloss Colditz gelang, bekamen am Sonnabendabend jene zu hören, die sich zwei Führungen durch die Feste angeschlossen hatten. Hinterher gab’s einen Gefangenenschmaus.

Nicht nur von Pappe: Bei den Sonderführungen im Schloss Colditz wird die Gefangenengeschichte lebendig.

Quelle: Roger Dietze

Colditz. Beim zweiten Versuch war Airey Neave das Glück hold. Gewandet in eine selbst geschneiderte Wehrmachtsuniform, gelang es ihm am 5. Januar 1942 als erstem britischen Offizier, von Schloss Colditz zu entkommen, das zwischen 1940 und 1945 unter dem Namen „Oflag IV-C“ hochgestellte alliierte Armeeangehörige beherbergte. „Später war er ein enger Vertrauter von Premierministerin Margaret Thatcher, bis er 1979 im Zusammenhang mit dem Nordirland-Konflikt von einer Autobombe getötet wurde.“ Geschichten wie diese aus dem Mund von Karin Thonig bekamen am Sonnabendabend jene zu hören, die sich zwei Führungen durch das sich hoch über Colditz erhebende Schloss angeschlossen hatten.

Führungen der besonderen Art, lud doch die Mitarbeiterin des Vereins Schlossgesellschaft Colditz im Anschluss an den geschichtsträchtigen Rundgang zu einem „Gefangenen-Schmaus“ ein, dessen genaue Zusammensetzung des Überraschungsmoments für künftige Führungen wegen geheim gehalten werden soll. So viel immerhin kann verraten werden: Sollte sich die Sonderführung einmal etwas länger als geplant hinziehen, dann kann zumindest die an ihrem Ende kredenzte Suppe nicht kalt werden…

Nicht kalt wurde am vorgestrigen Abend auch den diesjährigen Teilnehmern an der Sonderführung, die einige Stufen in dem altehrwürdigen Gemäuer zu ersteigen hatten. Dabei erfuhren sie unter anderem den Grund dafür, dass die verschiedenen Räumlichkeiten keinerlei Einrichtungsgegenstände aus vergangenen Jahrhunderten beherbergen. „1753 weilte der kurfürstliche Hofstaat nachweislich letztmalig auf Schloss Colditz, danach rückten zunehmend die neuen Barockschlösser in den Mittelpunkt des fürstlichen Interesses, und dorthin sowie in die Residenzstadt Dresden wurde schließlich auch das Colditzer Interieur verbracht“, erzählte Karin Thonig.

Die folgenden zweieinhalb Jahrhunderte bis zum Übergang des Colditzer Schlosses in den Besitz des Freistaates Sachsen, der 2003 vollzogen wurde, taten hinsichtlich des Schwundes der Inneneinrichtung das Übrige. Zweieinhalb Jahrhunderte, in denen das historische Ensemble unter anderem als Landesarbeitshaus für Kriminelle und Landstreicher, als Anstalt für Geisteskranke, als Krankenhaus und eben als Offiziers-Gefängnis genutzt wurde.

In diesem waren laut Thonig zwischen 1939 und 1945 insgesamt rund 1000 polnische, belgische und alliierte Offiziere untergebracht, von denen rund 300 Fluchtversuche unternommen worden sind. „31 davon waren von Erfolg gekrönt“, so Karin Thonig, die in den vergangenen zehn Monaten einmal mehr auch viele ausländische Gäste durch Schloss Colditz geführt hat.

„Allerdings hat der Anteil deutscher Gäste in den vergangenen Jahren zugenommen. Von unseren rund 35 000 Gästen im Jahr hat mittlerweile etwas weniger als die Hälfte einen deutschen Pass“, informiert die Geschäftsführerin der Schlossgesellschaft, Cornelia Hippe-Kasten.

Von Roger dietze

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