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Spendenwelle in Otterwisch: Fangnetz soll verletzten Storch retten

Hoffen und bangen Spendenwelle in Otterwisch: Fangnetz soll verletzten Storch retten

Eine Spendenwelle rollte an nach der LVZ-Berichterstattung über den verletzten Otterwischer Storch. „Wir haben binnen weniger Stunden das Geld zusammen bekommen, um das gewünschte Netz kaufen zu können, mit dem wir ihn fangen wollen“, sagt BUND-Ortsgruppenchef Klaus Döge.

Jetzt hat er einen Namen: Störchi nannte die Internet-Gemeinde das verletzte Jungtier von Otterwisch.
 

Quelle: Klaus Döge

Otterwisch.  Eine Spendenwelle rollte am Mittwoch an nach der LVZ-Berichterstattung über den verletzten Otterwischer Storch. „Wir haben binnen weniger Stunden das Geld zusammen bekommen, um das gewünschte Netz kaufen zu können, mit dem wir ihn fangen wollen“, sagt Klaus Döge, Ortsgruppenchef des Bundes für Umwelt und Naturschutz. Ein erster Versuch, den Vogel medizinisch zu behandeln, scheiterte allerdings.

Eines von drei Küken, die Störchi zum Fraß vorgelegt werden sollten, wurde Dienstagabend mit einem Antibiotikum geimpft

Eines von drei Küken, die Störchi zum Fraß vorgelegt werden sollten, wurde Dienstagabend mit einem Antibiotikum geimpft. Doch der Verletzte nahm das Angebot nicht an

Quelle: Thomas Kube

1000 Euro soll das Netz kosten, das sich aus einer Entfernung von 20 Metern abschießen lässt. Döge setzt alle Hoffnungen in diese Technik und will sie sofort im Internet bestellen. Wie lange es bis zur Lieferung dauert, weiß er aber noch nicht. Dass ihn vor allem Leser der LVZ so massiv finanziell unterstützten, dafür ist der 65-Jährige sehr dankbar. Spenden habe er aber auch von Menschen erhalten, die im Internet das Geschehen verfolgen. Zahlreiche Naturfreunde von fast allen Kontinenten richten momentan ihren Fokus auf Otterwisch und bangen mit. Sie haben inzwischen dem Tier auch einen Namen gegeben: Sie nennen ihn Störchi.

Am 3. August hatte er sich bei der morgendlichen Futtersuche das linke Schienbein gebrochen. Seitdem wird versucht, seiner habhaft zu werden, um ihn einer medizinischen Behandlung zuzuführen. Sogar mit der Drehleiter der Grimmaer Feuerwehr sollte er aus dem Nest geholt werden. Aber alle Anläufe scheiterten, jedes Mal flog das scheue Jungtier den Rettern davon.

Sein Bein ist in der Zwischenzeit ganz schwarz geworden, der Fuß angeschwollen. Deshalb sollte die Zeit, bis er in die Fänge geht, genutzt werden, ihn wenigstens mit einem Antibiotikum zu behandeln. Klaus Döge holte sich am Dienstagnachmittag die Medizin bei Tierarzt Frank Wünschmann in Naunhof ab. Sie, so war der Plan, sollte Störchi auf ungewöhnliche Weise verabreicht werden.

Von der Ökologischen Station Borna-Birkenhain erhielt Klaus Döge einen Beutel voller tiefgefrorener sogenannter Eintagsküken. Das sind männliche Tiere, die in den Mastanlagen aus ökonomischen Gründen aussortiert und ohnehin getötet werden, weil viel mehr Legehennen gebraucht werden und weibliche Tiere auch für die Nahrungsmittelindustrie interessanter sind. „Indem die getöteten Küken unter anderem an Aufzuchtstationen und Zoos gegeben werden, um damit Vögel aufzupeppeln, erfüllen sie wenigstens noch einen guten Zweck“, sagt Döge.

Live-Stream aus dem Otterwischer Storchennest:

Einem der Küken spritzte er nach dem Auftauen ein Milliliter des Antibiotikums. Zusammen mit zwei weiteren Küken, die lediglich der Kräftigung von Störchi dienen sollten, fuhren er und Bernd Holfter, der im früheren Kreis Grimma die Störche betreute, am Dienstagabend gegen 20 Uhr zur Wiese, auf der sich der Verletze seit Tagen aufhält. Die Bäuerin öffnete ihnen die Koppel, und sie versuchten, sich ihrem Ziel in 200 Metern Entfernung zu nähern. „Doch wir waren gerade auf halbe Strecke heran, da flog der Storch weg“, berichtet Klaus Döge, der vermutet: „Er ist durch die zahlreichen Fangversuche sehr sensibel geworden.“

Auch Kraft scheint er in den vergangenen Tagen getankt zu haben, denn er schaffte es seit Sonnabend zum ersten Mal zurück zum Nest auf dem Otterwischer Kirchdach, wo er die Nacht verbrachte und damit auch wieder live im Internet zu sehen war. An den beiden Lachen, zwischen denen er wechselte, hatte er offenbar genügend Wasser und Heuschrecken gefunden, was ihn fitter machte.

Am frühen Mittwochmorgen fuhr Döge raus zur Wiese und fand die drei Küken, die er am Abend trotzdem abgelegt hatte, unverändert vor. „Sie waren zumindest von keinem anderen Wildtier gefressen worden“, berichtet er. Von Störchi allerdings keine Spur. Zurück in Otterwisch, bemerkte der Naturschützer, dass er sich immer noch im Horst aufhielt. Erst 7.30 Uhr machte er sich aus dem Staub.

Lange Zeit blieb er unentdeckt. Dann erhielt Döge den Anruf von Bürgermeister Matthias Kauerauf, er sei gesichtet worden. Auf einer anderen Wiese und in Gemeinschaft von zwei weiteren Störchen. „Das sind mit Sicherheit seine Eltern, von denen ich angenommen hatte, sei seien am Sonntag wie seine drei Geschwister mit dem Storchenschwarm abgereist“, sagt der Naturschützer. Ob es nun leichter oder noch schwieriger wird, den Patienten zu fangen, bleibt abzuwarten. Auf alle Fälle braucht er hintereinander sieben Tage lang das Antibiotikum. Mit Küken soll weiter probiert werden, es ihm zu verabreichen. Und möglichst zeitnah sollte sich ein Arzt das gebrochene Bein genau anschauen.

Von Frank Pfeifer

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