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Spinnerei an der Mulde - Grimmaer wollen Industriedenkmal retten

Spinnerei an der Mulde - Grimmaer wollen Industriedenkmal retten

"Hier könnte sich eine Kreativszene nach dem Vorbild der Leipziger Spinnerei ansiedeln", sagte der Leipziger Antiquar, der das Seumehaus am Grimmaer Markt bewohnt.

Bei einer Vor-Ort-Begehung ist bei den Rettern der Papierfabrik der Funke übergesprungen. "Die Gebäude sind in einem ausgezeichneten baulichen Zustand", so Koenitz weiter. Alle notwendigen Versorgungseinrichtungen wie Strom, Wasser, Sanitär und Heizung seien vorhanden. Wie er seien auch seine Mitstreitern, der Golzerner Holzbildhauer Uwe Bucher und die Döbener Schlossbesitzerin Dorothea von Below, begeistert von den lichtdurchfluteten Räumen. "Warum sollte man so etwas abreißen", fragte der 47-Jährige. Seiner Auffassung nach gehöre das intakte Denkmal den Menschen in der Region und müsse für kommende Generationen erhalten bleiben.

Rund 20 Mitstreiter haben sich laut Koenitz in einer Gruppe zusammengefunden, die mit dem Erhalt der noch intakten Fabrik ernst machen wollen und dafür Unterschriften sammeln. Denn ihrer Auffassung nach gibt es gut funktionierende Beispiele für eine Nachnutzung von industriellen Immobilien. Dabei müssen die Enthusiasten den Blick gar nicht aus der Region richten. Die 1899 errichtet Baumwollspinnerei im Leipziger Westen hat sich in den zurückliegenen 25 Jahren zu einer europaweit beachteten Ausstellungs- und Produktionsstätte für zeitgenössische Kunst und Kultur entwickelt. Unter dem Motto from cotton to culture - von der Baumwolle zur Kultur - siedelten sich nach dem Aus für den Textilbetrieb rund hundert Künstler an. Heute arbeiten Fotografen, Bildhauer, Medien- und Konzeptkünstler sowie Schmuck- und Modemacher ungestört in ihren Ateliers, organisieren Werkschauen und handeln ihre Produkte. Elf ständige Galerien zeigen Kunst. "Die Spinnerei ist ausgebucht", wusste Bucher zu berichten.

Weil in der Branche auch ruhiger gelegene Produktionsräume nachgefragt werden, hätte Bucher zufolge ein Nachahmerprojekt an der Mulde eine echte Chance. "Die Golzerner Fabrik ist sofort nutzbar", sagte er. Mit dem auf historische Baustoffe fokussierten Bergelager in Trebsen könnte ein attraktiver Ankermieter hier einziehen, dem Künstler, Kunsthandwerker und Gewerbetreibende folgen. "Das könnte ein spannender Mix werden", so Bucher. Die riesigen Räume seien nicht nur für Ausstellungen und Kulturveranstaltungen, sondern auch für Festlichkeiten geeignet. Für die Kulturfabrik in Golzern soll laut Koenitz Spinnereigeschäftsführer Bertram Schulze die Patenschaft übernehmen. Auch potenzielle Erwerber würden bereit stehen. "Die Fabrik hat einen Immobilienwert", so Koenitz.

Trotz der Begeisterung für das Industriedenkmal sind sich Bucher und Koenitz der Hochwassergefahr an der Golzerner Mulde bewusst. Mit einer klaren Absage der Versicherungswirtschaft verdeutlichte Martin Röhrenbeck, Inhaber der Papierfabrik, die Schwierigkeiten des Standortes. Nach zwei Überflutungen innerhalb von elf Jahren entschied sich der Unternehmer für einen Neubau in Mutzschen. Bis zum Umzug im November produziert die Belegschaft noch in den oberen Etagen der Fabrik.

Im Zuge der Umsiedlung hatte die Stadt Grimma das Fabrikgelände erworben, um es mit Unterstützung des Freistaates abzureißen. Damit soll der Mulde Raum gegeben werden. Derzeit verhindert das Landesamt für Denkmalschutz den Rückbau. Das Projekt liegt seit wenigen Tagen zur Entscheidung in der Landesdirektion Leipzig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.09.2014
Schöppenthau, Birgit

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