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Grimma Sprache, Wohnen, Ausbildung, Arbeit:BSW kümmert sich auch um Migranten
Region Grimma Sprache, Wohnen, Ausbildung, Arbeit:BSW kümmert sich auch um Migranten
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00:22 20.10.2017
Seit kurzem gibt es beim Bildungs- und Sozialwerk Muldental in Grimma einen berufsbezogenen Sprachkurs für Migranten. Deutschlehrerin Dr. Maritta Zipfel unterrichtet die jungen Ausländer. Quelle: Frank Prenzel
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Grimma

Zwei handvoll Frauen und Männer sitzen an zum Quadrat gestellten Tischen und versuchen aufmerksam, den Erklärungen von Deutschlehrerin Dr. Maritta Zipfel zu folgen. Sie sind aus ihrer Heimat geflüchtet, wollen nun in Deutschland Fuß fassen. Zipfel bringt den Südländern die für sie fremde Sprache bei und hat dabei einen Schwerpunkt: den Einstieg ins Berufsleben.

Seit einem reichlichen Monat läuft dieser erste berufsbezogene Sprachkurs beim Bildungs- und Sozialwerk Muldental (BSW), das sich zunehmend auch um Migranten kümmert. „Der Kurs ist eine neue Qualität“, sagt BSW-Geschäftsführer Christian Kamprad (53). Er solle die jungen Menschen befähigen, danach eine Berufsausbildung aufzunehmen und ihnen die Eingliederung ins Arbeitsleben ermöglichen. So werden die erwachsenen Schüler beim Erlernen der Sprache bereits auf bestimmte Berufsfelder, etwa den Pflegeberuf, vorbereitet. Mit dem 300-Stunden-Kurs, den die Teilnehmer mit einer Prüfung beenden, betritt das BSW wieder einmal Neuland. Zentrales Thema sei, so Kamprad, wie man Migranten in Arbeit bekommt.

Lücken beim Personal

Genügend geeignete Fachkräfte zu finden – das ist auch beim Bildungs-und Sozialwerk Muldental (BSW) derzeit das größte Problem. „Für viele junge Absolventen ist Leipzig attraktiver“, weiß BSW-Geschäftsführer Christian Kamprad. „Wir freuen uns über jede Bewerbung von Erziehern und Sozialpädagogen. Denn hier sind die Lücken am größten. Über die Hälfte der 150 BSW-Mitarbeiter sind in diesem Bereich tätig. „Ich könnte mit einem Schlag fünf bis sechs Leute einstellen, vor allem in der Kinder- und Jugendhilfe“, so Kamprad. Ein Zweig, der auch Schichtarbeit erfordert.

Das Sozialunternehmen macht ständig auf sich aufmerksam, etwa per Internet, geht aber auch neue Wege, um das nötige Personal an sich zu binden. Derzeit hat es zehn Mitarbeiter angestellt, die berufsbegleitend Sozialpädagogik studieren oder ihre Erzieherausbildung absolvieren und damit auf der Schulbank sitzen. Es sei kein schlechtes Modell, so Kamprad, statt ausgebildeter Sozialpädagogen und Erzieher geeignete Personen einzustellen, die dann zunächst ihre Ausbildung aufnehmen.

Das BSW mit seinen Hauptstandorten in Tanndorf und Grimma will Menschen, die es laut Kamprad nicht aus eigener Kraft schaffen, zum selbstständigen Leben befähigen. Dabei werden dank staatlicher Gelder und geförderter Projekte drei Säulen bedient: die berufliche Erstausbildung für Jugendliche, die Kinder- und Jugendhilfe und die Erwachsenenqualifizierung.

Darauf zielt auch ein anderes Angebot des 1990 gegründeten Sozialunternehmens, dessen Träger ein eingetragener Verein ist und das derzeit etwa 150 Mitarbeiter beschäftigt. Vor einem knappen Jahr wurde die Idee geboren, Flüchtlinge bei Ein-Euro-Jobs nicht als Gruppe loszuschicken, sondern Einsatzstellen zu finden, wo Einzelne in gängiger Praxis mit Deutschen zusammen arbeiten. Es müssen gemeinnützige Tätigkeiten sein, Vereine oder Kirchgemeinden seien dafür prädestiniert, weiß Kamprad. „Die Leute machen dabei riesen Fortschritte“, hat er beobachtet. „Gerade bei der Sprache.“ Ziel sei es, die Migranten mit hiesigen Menschen in Kontakt zu bringen. Das FIM (Flüchtlings-Integrations-Maßnahme) genannte, von der Arbeitsagentur geförderte Projekt dauert immer ein halbes Jahr und ist bei der BSW auf 15 Personen begrenzt.

Seit Januar 2016 läuft beim BSW zudem ein Projekt, das sich „Pro Migrantum“ nennt. „Einen Arbeitsschwerpunkt haben wir dabei auf Frauen gelegt“, erklärt Kamprad, man wolle sie aus dem Schattendasein heraus führen. Deshalb rief das Sozialunternehmen im April dieses Jahres auch ein Frauencafé ins Leben – einen Treffpunkt, in dem Frauen über ihre Themen reden. Vor allem kommen dort bislang weibliche Migranten zusammen, der Zuspruch sei groß, sagt BSW-Mitarbeiterin Beate Schilling. „Wir wollen es aber gern als Plattform haben“, macht sie deutschen Frauen Mut, einmal die Nase hereinzustecken. Das Café beim BSW in Grimma, Karl-Marx-Straße 8, öffnet jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr.

Auch um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmert sich das BSW. Mittlerweile sind es drei Unterkünfte, wo jeweils zwölf 14- bis 18-Jährige betreut werden.

In Lampersdorf, gelegen zwischen Oschatz und Wermsdorf, war für die Wohnprojekt-Arbeit Ende 2015 der Grundstein gelegt worden. Allerdings eignet sich das einstige Schullandheim hier nicht auf Dauer, so dass das BSW derzeit ein neues Gebäude errichtet. Dafür werden laut Kamprad etwa eine halbe Million Euro in die Hand genommen, im November soll die Einweihung gefeiert werden. In Tanndorf sind ebenfalls unbegleitete Minderjährige untergebracht, und im April dieses Jahres kam schließlich das Wohnprojekt in Olganitz in der Dahlener Heide hinzu. Der Landkreis weist die Jugendlichen zu, „bis jetzt sind die Gruppen immer voll gewesen“, erläutert Kamprad.

Auch bei den seit Jahren etablierten Angeboten des BSW steigen jetzt nach und nach die ersten Migranten ein. „Bei den ausbildungsbegleitenden Hilfen haben wir die ersten fünf Jugendlichen dabei“, berichtet Geschäftsführer Kamprad. Sie erhalten Nachhilfeunterricht in Theorie und Fachkunde. Bei der beruflichen Erstausbildung sind nach dem Sommer ebenfalls die ersten zwei bis drei jungen Flüchtlinge begrüßt worden. Alles in allem sind es reichlich 200 Jugendliche, denen das BSW beim Einstieg in den Arbeitsmarkt unter die Arme greift.

Von Frank Prenzel

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