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Staatsanwalt fordert hohe Haftstrafen im Naunhofer Mordprozess

Staatsanwalt fordert hohe Haftstrafen im Naunhofer Mordprozess

Lebenslange Haft für Mike G., 13 Jahre Gefängnis für dessen älteren Bruder Sven G., das forderte Staatsanwalt Jakob Ulrich gestern im Naunhofer Mordprozess. Die Verteidiger der Angeklagten plädierten auf deutlich niedrigere Strafen.

Naunhof/Leipzig. Zur Urteilsverkündung kam es noch nicht. Richter Hans Jagenlauf setzte dafür einen weiteren Termin am Landgericht Leipzig an: Mittwoch, den 19. Juni.

Unstrittig war für alle, dass der Rollstuhlfahrer Gunter E. 68-jährig an den Folgen der Schläge verstarb, die ihm Mike G. in der Nacht vom 20. zum 21. Oktober vergangenen Jahres beim Einbruch in dessen Wohnung mit einem Kerzenständer versetzte. Beide Brüder, so Ulrich, seien gezielt ins Grundstück des Opfers eingedrungen, da sie gewusst hätten, dass dort etwas zu holen sei. Sie hätten gesehen, dass Licht brannte und somit jemand zu Hause ist. Dies habe sie nicht vom Einbruch abgehalten.

Mike G. habe das Zimmer durchsucht, in dem der querschnittsgelähmte Gunter G. schlief. Er habe also gewusst haben müssen, dass dieser nicht sofort reagieren kann, wenn er aufwacht. Nachdem er ihn, kaum dass er die Augen geöffnet hatte, mit mindestens zwei Schlägen schwer verletzt hatte, habe er weiter die Wohnung durchsucht und eine Münzsammlung mitgenommen. Sie sei sehr umfangreich gewesen, so dass sie nicht einer allein hätte tragen können. Deshalb sei es wahrscheinlich, dass auch sein Bruder Sven G. im Raum war. Dies könne diesem aber nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Spätestens aber habe Sven G. draußen im Freien von der außergewöhnlich schweren Tat erfahren. Er hätte nun die Wahl gehabt, medizinische Hilfe zu rufen oder weiter mitzumachen, wofür er sich letztlich entschieden habe. So warf der Staatsanwalt Mike G. (25) Mord und schweren Raub mit Todesfolge vor, forderte Lebenslang, allerdings ohne anschließende Sicherungsverwahrung. Sven G. (31) solle wegen schweren Raubs mit Todesfolge verurteilt werden. Die Mindeststrafe für dieses Delikt darf nicht unter zehn Jahren liegen. Ulrich sprach sich für 13 Jahre Haft aus.

Die Naunhofer Rechtsanwältin Katrin Scholz, die den Zwillingsbruder des Opfers als Nebenkläger vertritt, schloss sich dem an. Sie betonte noch, dass Gunter E. Angst hatte seit dem Rauswurf eines Untermieters, der ihn bestohlen hatte und der laut Zeugen mit den Brüdern G. bekannt gewesen sein soll.

Rechtsanwalt Stephan Bonell will seinen Mandanten Mike G. zu maximal zehn Jahren Haft verurteilt wissen, wegen schweren Raubs mit Todesfolge. Als die Brüder einbrachen, hätten sie nicht gewusst, wer dort wohnt. Ihnen sei es nur um Diebstahl gegangen. Enthemmt wären sie durch Alkohol und im Falle von Mike G. durch Drogen gewesen. Von einem Tötungsvorsatz sei nicht auszugehen. Dass Mike G. frühzeitig gestand und Reue zeigte, indem er für das Opfer betete, sei als strafmildernd zu werten.

Für Anwalt Malte Heise sollte sein Mandant Sven G. im Sinne der Anklage freigesprochen und aus der Haft entlassen werden. Er habe sich lediglich des Diebstahls aus der Garage von Gunter E. schuldig gemacht. Nicht nachzuweisen sei, dass er in der betreffenden Nacht die Kleidung trug, von der Fasern in der Wohnung des Opfers gefunden wurden. Wenn Mike G. aussage, sein Bruder habe ihn davon abgehalten, Hilfe zu rufen, dann sei das unglaubwürdig. Sven G. habe nicht die Wohnung betreten und nichts von der Schwere der Tat des Bruders gewusst.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2013

Pfeifer, Frank

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