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Stadion der Freundschaft in Grimma:Linke hält an ihrer Petition fest

Rückbauten Stadion der Freundschaft in Grimma:Linke hält an ihrer Petition fest

„Für den Erhalt des Stadions der Freundschaft“ - noch bis zum Donnerstag sammelt der Ortsverband der Linken für dieses Ziel Unterschriften in Grimma. Sie sind das Unterpfand einer Petition, die die Linken dem Sächsischen Landtag übergeben werden. Teile des alten Stadions werden im Zuge der Verlegung der Fußballplätze zurück gebaut.

Wird das Stadion der Freundschaft in Grimma geschliffen? Der Ortsverband der Linken sieht das so.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma. Mit der Verlegung der Fußballplätze an die Lausicker Straße wird das Stadion der Freundschaft zu einer Schulsport- und Leichtathletikstätte degradiert. Der avisierte Rückbau von Anlagen beschäftigt momentan, wie es scheint, halb Grimma. Verstärkt wird der Wissensdurst durch den Ortsverband der Linken, der – wie berichtet – in der Stadt Unterschriften „für den Erhalt des Stadions“ sammelt und mit diesem Unterpfand den Petitionsausschuss des Landtages anrufen wird. Die Stadtverwaltung lässt die Linke bislang wortlos gewähren. Erst auf eine Anfrage zur Sitzung des Stadtrates vor wenigen Tagen sagte Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos), dass die Petition falsche Aussagen treffe.

Grimmas Linkspartei beruft sich auf den Fördermittelbescheid der Sächsischen Aufbaubank (SAB). Der trifft auch Regelungen für das Stadion der Freundschaft, damit aus dem Hochwasserschutz-Topf knapp 3,28 Millionen Euro für den Bau des Sportzentrums „Husarenkaserne“ fließen. Das Stadion in der Oettlerstraße ist für den Schul- und Leichtathletiksport anzupassen. Zwingend müssten Tribünen, Trainerbänke, Kassenhäuser sowie das Clubhaus samt Umkleidekabinen und Sanitäranlagen abgebrochen werden, heißt es in der Petition. Mit dem Rückbau gehe ein Symbol der Grimmaer Sporttradition unwiederbringlich verloren. Diese Aussagen rütteln etliche Grimmaer auf und sorgen für Kopfschütteln. Und die Linke geht noch einen Schritt weiter. Sie fordert in der Petition auch den Erhalt des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions. Auf dessen Gelände werden der Discounter Rewe und die Drogeriekette dm einen neuen Supermarkt errichten, die Baugenehmigung ist am 17. August erteilt worden.

Sogar der Linken-Bundestagsabgeordnete Axel Troost hat sich jetzt zur Stadien-Situation in Grimma ein Bild gemacht und meinte fassungslos, dass man die Fördermittel-Logik durchbrechen müsse. Dabei bekräftigte Linken-Stadträtin Kerstin Köditz, bei der Petition keinen Rückzieher zu machen. Sie wolle so mehr Informationen über die Zusammenhänge in die Öffentlichkeit tragen. „Das ganze Vorhaben begegnet uns im Stadtrat immer nur scheibchenweise“, beklagte sie im Beisein einiger Innenstadt-Händler. Immer neue Fragen tauchten auf. Etwa dass die Unterhaltung der neuen Sportplätze jährlich 100 000 Euro koste, der FC Grimma davon aber nur ein Zehntel tragen werde. Oder dass der neuen Rasen mit Trinkwasser bewässert werden müsse, weil das Grundwasser des Geländes mit Trichlorethen belastet sei. Köditz: „Uns geht es um den Erhalt des Stadions der Freundschaft und einen kritischen Blick auf die Kosten an der Lausicker Straße.“ Rewe noch zu verhindern, sei wohl fraglich.

Noch bis Donnerstag sammelt die Partei Unterschriften ein. Danach will sie die Petition öffentlichkeitswirksam dem Landtag übergeben, wie Köditz erklärt. Der Petitionsausschuss müsse sich damit befassen und habe die Möglichkeit, von involvierten Stellen und Behörden Stellungnahmen abzufordern. Auch ein Vor-Ort-Termin sei möglich, sagt Köditz: „Ich schätze, dass es dazu kommt.“ Ihr Ortsverband hofft, dass der Fördermittelbescheid und das Finanzierungsmodell so noch einmal gründlich abgeklopft werden und mehr Licht ins Dunkel kommt. Allerdings habe eine Petition keine aufschiebende Wirkung, so Köditz. Heißt: Der Rewe-Bauherr kann loslegen.

Oberbürgermeister Berger sagte vor dem Stadtrat, dass beim Umbau des Stadions der Freundschaft „das Entscheidende unverändert gelassen“ wird. Vom Gebäude werde ein Flügel abgebrochen, doch die Traversen blieben als schiefe Ebene erhalten. Durchgesetz habe man, dass das Dach der Tribüne nicht weg muss. „Von Schleifen kann keine Rede sein“, so der Rathauschef. Auch Johannes Heine (Freie Wähler) sprach von Falschmeldungen, Halb- und Unwahrheiten, die verbreitet würden. Doch im Stadtrat wehte auch Gegenwind. Es werde künftig nur noch eine C-Anlage sein, meinte Malte Martin (CDU) mit Blick auf die Möglichkeit für Wettkämpfe. „2002 sind mit erheblichen Steuergeldern die Stadienbereiche erneuert worden, die jetzt wieder mit Steuergeldern beseitigt werden sollen.“ Für die knapp 500 000 Euro, die der Rückbau im Stadion der Freundschaft kostet, erhält Grimma keine Förderung.

Bundestagsmann Troost kam bei seiner Visite auch mit Wolfgang Jahn ins Gespräch. Ihm, dem 78-jährigen Fußball-Urgestein in Grimma, blutet das Herz, wenn er den Fördermittelbescheid liest. Der Entwurf der 1984 gebauten Tribüne stammt aus seinen Händen, vor seinem geistigen Auge sieht er die vielen Traditionsveranstaltungen in dem Rund. Vieles müsse laut Bescheid abgebrochen werden, beklagt Jahn. Selbst die Anlage für den Stabhochsprung, Kassenhäuschen und Carport. Bis vor einem Jahr habe er noch an der Verlegung der Stadien mitgearbeitet. Doch seine Meinung hat sich geändert. Gegen Rewe auf dem jetzigen Jahn-Platz habe er nichts, sagt Jahn, „aber das Stadion der Freundschaft möchte ich erhalten, wie es ist“. Letztlich gehe es um die beste Konstellation für Grimma.

Von Frank Prenzel

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Grimma in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 218,32 km²

Einwohner: 28.480 Einwohner (31.12.15)

Bevölkerungsdichte: 130 Einwohner je km²

Postleitzahl: 04668

Ortsvorwahlen: 03437,034382, 034384, 034386

Stadtverwaltung: Markt 16/17, 04668 Grimma

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