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Grimma Stadt Colditz stellt Stadtteilmanager ein
Region Grimma Stadt Colditz stellt Stadtteilmanager ein
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00:22 08.07.2018
Neuer Stadtteilmanager für Colditz: Andreas Röding. Quelle: privat
Colditz

Abnehmende Bevölkerungszahl, überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit und Kinderarmut, Abwanderung junger Menschen. Das alles sind Probleme, mit denen Colditz seit der Wiedervereinigung zu kämpfen hat. Um dieser Entwicklung noch stärker als bisher etwas entgegenzusetzen, schuf die Kommune jetzt die Stelle eines Stadtteilmanagers. Er heißt Andreas Röding und sieht Chancen auf Besserung.

2016 hatte Colditz das sogenannte Gebietsbezogene Integrierte Handlungskonzept (GIHK) erstellen lassen, das die soziale Lage darstellte und Lösungswege aufzeigte, diese zu verbessern. Nach aller anfänglichen Euphorie blieb jedoch nur ein Projektkomplex übrig, den sich das Bildungs- und Sozialwerk (BSW) Muldental auf die Fahnen schrieb. „Andere Vorhaben wurden fallengelassen, weil die Sächsische Aufbaubank signalisierte, sie nicht fördern zu wollen, oder weil sich Projektträger zurückzogen“, bedauert Röding.

Neuer Schwung

Er soll nun der Umsetzung des GIHK neuen Schwung verleihen, das, wie er sagt, „bisher im Dornröschenschlaf lag.“ Ziel des Politikwissenschaftlers ist es, Erwerbslose in Arbeit zu bringen und die Voraussetzungen zu schaffen, dass Kinder und Jugendliche nach ihrer Schulzeit sofort eine Lehre beginnen und nicht erst in ein Loch fallen.

Die Rahmenbedingungen dafür haben sich seit der Erstellung des GIHK nach seiner Meinung verbessert. „Viele Betriebe, auch in Colditz, verlieren Arbeiter, die in Rente gehen. Es tun sich Lücken auf“, erläutert er. „Nun kommt es darauf an, Menschen zu aktivieren und qualifizieren. Beginnt das über Projekte im Kindesalter, identifizieren sich hoffentlich mehr Jugendliche mit der Stadt und wandern nicht ab.“

Fünf Ideen

Fünf erste Ideen hat Röding bereits entwickelt und betont, dass diese eigentlich noch nicht spruchreif sind. „Sie müssen erst noch ausgearbeitet werden. Außerdem bin ich auf der Suche nach einer Machbarkeit und potenziellen Trägern“, sagt der 39-Jährige. Einige Ansätze lässt er sich aber dennoch entlocken.

So schwebt ihm eine Freiwilligenagentur vor, die Langzeitarbeitslose betreiben. Sie könnten ehrenamtliche Helfer an jene vermitteln, die Unterstützung brauchen, zum Beispiel im Garten, beim Einkaufen oder als Verein bei der Vorbereitung großer Feste.

„Bildung für Wohnen“ nennt Röding seinen zweiten Gedanken. Studenten der Erziehungswissenschaft oder Sozialpädagogik könnten bei der Colditzer Wohnungsbaugesellschaft kostenlos unterkommen, müssten im Gegenzug aber Arbeitskraft für Schüler in der Nachhilfe, bei der Erledigung von Hausaufgaben und in der Freizeitgestaltung zur Verfügung stellen.

Englisch-Sprachkurse für Kinder und Erwachsene sind für den Stadtteilmanager auf dem Schloss denkbar. Ein Job-Coach könnte Anlaufstelle für Langzeitsarbeitslose sein, der mit ihnen bespricht, wie sie ins Berufsleben zurückgeführt werden. Und ein Inklusionsladen, so Röding, würde Menschen mit Behinderung Jobs geben. „Flüchtlinge haben einen Bedarf an ihren landestypischen Lebensmitteln, diese könnten dort verkauft werden.“

Vorschläge gefragt

Offen ist Andreas Röding für weitere Anregungen von Vereinen, Institutionen und engagierten Bürgern. „Von der Projektidee über den Fördermittelantrag bis zur Realisierung würde ich sie begleiten“, verspricht er.

Dass es jetzt so einen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung gibt, begrüßt Ronny Kriz vom BSW Muldental. „Das wird das Gemeinwesen beleben“ ist er sich sicher. „Wir haben nun jemanden, der neue Akzente setzt und recherchiert, wie Fördermittel akquiriert werden können.“

BSW begeistert

Kriz selbst steht gerade kurz davor, einen Antrag auf Beihilfen bei der sächsischen Aufbaubank einzureichen. Es geht um das einzige Projekt, das aus dem großen Katalog übrig geblieben ist, der ursprünglich im Rahmen des GIHK formuliert worden war. Zumindest aber ist es sehr umfangreich und fasst manches zusammen, was ursprünglich einzeln laufen sollte. „In dem Projekt geht es unter anderem um die Kompetenzförderung von Kindern und Jugendlichen, den Wiedereinstieg ins Berufsleben, die Vernetzung von Vereinen sowie von Vertretern der Kindertagesstätten und Schulen in einer Art Bildungsstammtisch“, umreißt Kriz. Im September, so hofft er, hat er die Bewilligung auf dem Tisch.

Stadtteilmanager Andreas Röding, erreichbar im Rathaus Colditz unter Telefon 034381/83 80 oder per E-Mail an stadtteilmanager@colditz.de

Von Frank Pfeifer

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