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Grimma Stadt Colditz will Brauereibrache ankaufen und für Investor vorbereiten
Region Grimma Stadt Colditz will Brauereibrache ankaufen und für Investor vorbereiten
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17:44 29.04.2016
Ein Schandfleck am Markt: Seit der Insolvenz der Brauerei 1995 scheiterten alle Bemühungen, das Objekt zu sanieren und wiederzubeleben. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Colditz

Der Stadtrat Colditz hat in seiner vorgestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, den Ankauf des Grundstückes Markt 12 in Colditz – der ehemaligen Brauerei – zu prüfen und vorzubereiten. Die Brauerei ist Teil der Prioritätenliste, mit der sich die Stadt um Fördermittel aus dem sächsischen Investitionsstärkungsgesetz „Brücken in die Zukunft“ bewirbt und der der Stadtrat zuvor ebenfalls einhellig zugestimmt hatte. „Um den Fördermittelantrag bis November stellen zu können, sollten wir Grundeigentümer sein“, sagte Bauamtsleiterin Angela Rößner.

Der Gebäudekomplex der ehemaligen Brauerei befindet sich zwischen Markt und Bundesstraße 107 und damit inmitten der historischen Altstadt. „Die Substanz ist in einem bedauernswerten Zustand“, sagte Rößner und beklagte, dass sich der zunehmende Verfall negativ auf das Stadtbild auswirke. Werde nichts getan, ergebe sich schon in naher Zukunft ein Problem mit der Verkehrssicherheit.

Trotzdem seines Zustandes ist das Objekt nicht zum Nulltarif zu haben. Laut Grundbuchauszug lasten Grundpfandrechte zu Gunsten der Sparkasse Chemnitz in Höhe von 2,5 Millionen DM auf dem Grundstück, erklärte Rößner. Zu Gunsten des Finanzamtes Grimma sind 33 502 Euro an Zwangssicherungshypotheken eingetragen. Allerdings habe sich die Sparkasse mit Schreiben vom 16. März gegen Zahlung von 15 000 Euro zur Löschung der Grundpfandrechte bereit erklärt. Das Finanzamt würde die Grundschulden gegen eine Lästigkeitsprämie von 3000 Euro löschen. Einschließlich Ankauf, Notar und Grunderwerbssteuer würden sich die Gesamtkosten auf circa 23 000 Euro summieren, rechnete Rößner vor. Zwei Drittel der förderfähigen Kosten könnten aus dem Programm „Kleinere Städte und Gemeinden“ (KSP) , Programmgebiet „Stadtkern Colditz“, finanziert werden.

„Der Kaufpreis sollte nicht das Verlockende sein, denn es ist eine Rieseninvestition, die Brache abzureißen“, sagte Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos). „Aber es wäre auch eine Investition in die Zukunft.“ Sie böte die Chance, die Altstadt zu beleben. Seitens der Bürger gebe es eine ganze Liste an Wünschen, was am Markt 12 entstehen könnte. „Vor dem Hintergrund der Zunahme der älteren Bevölkerung ist es wichtig, barrierefreien Wohnraum in versorgungsnaher Lage zu schaffen. Gleichzeitig sind Erhaltung und Ausbau von Handels-, Tourismus- und Dienstleistungsfunktionen im Stadtzentrum von besonderem öffentlichen Interesse“, konkretisierte Rößner. Eine Passage von Badergasse zum Markt verkürze zudem den Weg vom Parkplatz an der B 107. Für die Stadt allein sei das Vorhaben allerdings eine Nummer zu groß. „Wir würden uns daran verheben“, schätzte Schmiedel ein. Deshalb würde man sich nach dem Abriss, bei dem in Absprache mit dem Denkmalschutz nur die Marktseite erhalten bleiben soll, einen kompetenten Partner suchen, der das Grundstück bebaut – „aber nach unseren Wünschen“, betonte er. Er ist sich sicher, dass die Stadt mit dem Vorhaben bei der Sächsischen Aufbaubank auf offene Ohren stoßen werde und auf zusätzliche Mittel hoffen könne. „Wir sollten die Möglichkeit für die Stadt nutzen“, appellierte Schmiedel an den Stadtrat.

Und traf damit nicht nur bei Gottfried Ulbricht (Für unsere Heimat) auf offene Ohren, der sich dafür aussprach, den Standort für die Stadt zu sichern. Auch Manfred Heinz (FDP) begrüßte die Kaufabsichten. Er erinnerte daran, dass die Stadt mit einem solchen Vorgehen bei der Erweiterung von Anona auf dem ehemaligen Elguwa-Areal 2001 gute Erfahrungen gemacht habe. „Wenn wir das Gelände in baureifem Zustand übergeben, sind die Chancen, einen Investor zu finden, deutlich höher als beim jetzigen Zustand.“

Der Beschluss legitimiert die Stadtverwaltung, das Gespräch mit dem Nachtragsliquidator John Smith zu suchen. Auch dieser hatte schon versucht, dem Markt 12 neues Leben einzuhauchen. Smith, letzter Geschäftsführer der 1995 in Insolvenz gegangenen Colditzer Brauerei und von der Bank 2005 als Nachtragsliquidator eingesetzt, hatte seinerzeit an eine kommunale Schaubrauerei mit geringer Produktion gedacht und wollte dazu einen Verein gründen. 2006 gab es einen letzten Versteigerungstermin für die Colditzer Brauerei, bei der sich jedoch kein Käufer fand. Die Stadt hatte schon erwogen, es selbst zu kaufen, um später entscheiden zu können, was daraus wird. Aber angesichts der damaligen Haushaltkonsolidierung ein aussichtsloses Unterfangen.

Von Ines Alekowa

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