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Grimma Stadt Grimma verkauft Ex-Rittergut: Hobbyreiter fürchten um ihre Zukunft
Region Grimma Stadt Grimma verkauft Ex-Rittergut: Hobbyreiter fürchten um ihre Zukunft
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12:03 26.09.2017
Der Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Grimma, Freimut Zuhl, und seine Tocher Daniela Drese, hier mit Vereinspferd Goja, sorgen sich um die Zukunft des Vereins. Das Türmchenhaus des alten Rittergutes, das sie nutzen, soll verkauft werden. Quelle: Frank Prenzel

Wenn der Grimmaer Stadtrat am Donnerstag über den Verkauf des Türmchenhauses vom einstigen Rittergut in Hohnstädt entscheidet, liegt Brisanz in der Luft. Denn der Reit- und Fahrverein Grimma als momentaner Pächter der Immobilie fürchtet um seine Zukunft. Der potenzielle Neubesitzer, auf den der Pachtvertrag übergehen würde, und der Verein sind sich bislang alles andere als Grün und werfen sich gegenseitig unfaires Spiel vor. Die Stadt wiederum ist froh, endlich einen potenten Investor für das marode Gebäude an der Angel zu haben.

Wie gewohnt kommen Tag für Tag Kinder zur Bahrener Straße, satteln die Pferde und reiten auf den Anlagen an der Mulde ihre Runden. Der Vereinsalltag geht seinen Gang. Doch beim Vorstand sind die Sorgenfalten tief. Im Türmchenhaus sind nicht nur 13 Pferde eingestallt, hier befinden sich auch die Haferquetsche, das Futterlager und der Heuboden. Die Mistplatte müsste der Verein, der zudem das Nebengebäude nutzt, ebenfalls umsetzen. Acht Pferde gehören dem 90-köpfigen Verein selbst, außerdem kümmert er sich um 14 Einsteller. 190 Euro im Monat zahlt ein Pferdebesitzer für die Unterbringung und Versorgung seines Tieres an den Verein, der zwei Leute auf 450-Euro-Basis beschäftigt. Zu den Gebäuden gehört ein 8,5-Hektar-Areal mit Reithalle und -platz, Turnierplatz, Paddocks und Koppeln.

Jeder soll sich hier das Reiten leisten können. „Wir sind nicht kommerziell aufgestellt“, verweist Daniela Drese, Vorstandsmitglied und Tochter von Vereinschef Freimut Zuhl, auf die soziale Ader. Es werde kostendeckend gearbeitet. Außer für Reparaturen und Instandhaltung fehlte dem Verein bislang das Geld, um in seinen Rittergut-Teil zu investieren. Fördermittel konnte er bislang nicht akquirieren, ist aber dran. Die Stadt, der das Ensemble gehört, schrieb schließlich ein 3000-Quadratmeter-Flurstück mit dem desolaten Türmchenhaus aus.

„Wir sind nicht einmal gefragt worden“, ärgert sich Zuhl. Bei einem ersten Gespräch mit dem Interessenten im Mai sei es um Türmchenwohnung und Dachgeschoss gegangen. „Damit hätten wir keine Sorgen“, sagt Drese. Doch später sei klar geworden, dass er Ansprüche aufs ganze Haus habe. „Da wurde uns Angst und Bange, damit würde uns die Grundlage für den Reitsport genommen“, glaubt Drese. „Wir wüssten nicht wohin mit Futterlager und Mistplatte“, benennt sie akute Probleme und befürchtet Absprachen zwischen Stadt und Investor, von denen der Verein nichts weiß. Der Vorstand fühlt sich von der Stadt allein gelassen und fühlt sich unter Zeitdruck.

Bis Ende 2024 läuft der Pachtvertrag, wobei laut Oberbürgermeister Matthias Berger eine Klausel besagt, dass bei ausbleibender Investition schon Ende 2018 gekündigt werden kann. Der Verein wolle seine Zukunft sichern und brauche eine lange Sicherheit, betont indes Zuhl. Der Investor habe den Vorschlag, den Pachtvertrag um 20 Jahre zu verlängern, aber sofort abgelehnt.

Ein Beuchaer Unternehmensberater will das Grundstück kaufen und viel Geld in die Hand nehmen. Er will hier wohnen und zwei Büros für sich einrichten, eventuell soll eine Ferienwohnung ins Dachgeschoss. Er macht zudem klar, dass eine Stallnutzung für den Verein über 2024 hinaus nicht in Frage kommt. „Wir wollen bei dieser Investition auch ein Mindestmaß an Nutzen“, sagt er. Allerdings habe der Verein bislang alle Vorschläge ausgeschlagen, beklagt der Unternehmer seinerseits. „Wir wollen helfen, aber im Rahmen“, sagt er. Er würde 30 Prozent zugeben, um für Futter und Mist eine Lösung zu finden und habe sogar ein Angebot zur Mistentsorgung in Trebsen eingeholt. Der Unternehmensberater lobt die Arbeit des Vereins und betont, dass er ihm als Nachbar wichtig sei. Man müsse sich aber über ein Gesamtkonzept verständigen. Doch der Verein beharre auf den Status quo, wolle alles geschenkt haben und sei nicht kooperativ. Er kann sich vorstellen, auch das Nebengebäude, in dem ebenfalls Stallungen sind, zu kaufen, gemeinsam mit dem Verein zu sanieren und ihm dort eine Bleibeperspektive zu geben. „Wir sind an einer vernünftigen Lösung interessiert, mit und nicht gegen den Verein“, bekräftigt er.

Laut Rathauschef Berger ist das Türmchenhaus in einem „desaströsen Zustand“. Es bestehe dringender Handlungsbedarf. Der Verein habe Verantwortung für den Bau, aber nur begrenzte Möglichkeiten, so Berger. „Wir freuen uns, dass ein Investor Geld in die Hand nimmt, davon haben wir lange geträumt.“ Die Stadt wolle aber auch die Interessen des Vereins, „der gute Arbeit leistet“, gewahrt wissen. Beide Seiten müssten kompromissbereit sein, gibt der Stadtchef deshalb zu verstehen. Der Käufer werde nur investieren, wenn er das Haus auch nutzen kann, und der Verein brauche eine Perspektive.

Von Frank Prenzel

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