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Grimma Stadt sagt bedingt Ja zu Lärmschutzwall
Region Grimma Stadt sagt bedingt Ja zu Lärmschutzwall
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13:09 31.08.2018
Die Bahnverladestation des Schotter- und Splittwerks Altenhain, das immer noch nicht in Betrieb gegangen ist. Zwischen den Gleisen und den hinter den Bäumen versteckten Häusern soll der Lärmschutzwall errichtet werden. Quelle: Frank Pfeifer
Trebsen/Altenhain

Geschichte schrieb der Technische Ausschuss von Trebsen auf seiner jüngsten Sitzung. In nur drei Minuten winkte er ein Bauvorhaben der Schotter- und Splittwerk Altenhain GmbH (Susa) durch. Normalerweise diskutiert er über Belange dieses Unternehmens länger als eine halbe Stunde, und zwar kontrovers.

So geschehen auch im November vergangenen Jahres, als das Gremium den jetzt vorliegenden Antrag ablehnte, und im April, als es diese Position gegenüber dem Landratsamt bekräftigte. „Daraufhin wurde die Beschlussvorlage geringfügig abgeändert“, erläuterte Steffen Lämmel vom Bauamt. Und siehe da, im Handumdrehen passierte sie bei nur einer Enthaltung den Ausschuss – allerdings mit einer Bedingung, die es in sich hat.

Lärmschutzwall für Altenhainer ein Koloss

Es geht um den Bau eines Lärmschutzwalls, mit dem die Susa ihre Bahnverladestation an der Ammelshainer Straße abzuschirmen gedenkt. Für Ortsvorsteherin Katrin Kamm ein Koloss, den die Altenhainer nicht vor der Nase stehen haben wollen, wie sie seinerzeit sagte. Möchte das Unternehmen die 2014 errichtete und seitdem ungenutzte Verladestation aber endlich in Betrieb nehmen, muss es etwas gegen die lauten Geräusche tun, die voraussichtlich entstehen, wenn Gestein in die Zugwaggons geschüttet wird.

Deshalb besserte es jetzt nach. Zwar soll der Wall immer noch 177 Meter lang und vier Meter hoch werden. „Es war aber ein positives Aha-Erlebnis, dass er nicht mehr bis an die Straße heranreichen, sondern fünf Meter vorher aufhören soll“, berichtete Volker Killisch (Wählervereinigung Altenhain), der kürzlich dabei war, als der Antrag im dortigen Ortschaftsrat Zustimmung fand.

Stadt stellt Bedingung

 Zwar sagt die Stadt nun Ja zur Errichtung, doch nur unter einer Voraussetzung. Vor Baubeginn fordert sie einen erneuten Probebetrieb der Bahnverladung. Einen solchen Test hatte es schon einmal 2015 gegeben, doch er lief aus Sicht der Kommune unter irrealen Bedingungen ab. Die Lok war nicht an der dem Ort zugewandten Seite angehängt, wie das später erfolgen soll. Und es wurden nur Splitte mit einem Durchmesser von fünf bis sieben Zentimetern abgekippt. Selbst diese Verfahrensweise führte zur – minimalen – Überschreitung von Grenzwerten.

Die Stadt will nun, dass auch Splitte von einer Korngröße bis zu 32 Millimetern probeweise verladen werden und die Lok am richtigen Ende des Zuges steht, was beides lauter sein könnte. Ortsvorsteherin Kamm ist außerdem der Meinung, es müssten auch weitere Lärmquellen, die gleichzeitig zur Bahnverladung beim Abbau des Quarzporphyrs, der Verarbeitung und dem Abtransport durch Lastwagen entstehen, in die Messungen einbezogen werden. Erst wenn dann die Ergebnisse positiv ausfallen, dürfe der Wall gebaut werden, fordert die Stadt. Sollte sich hingegen herausstellen, dass der Wall ungenügend Lärmschutz bietet, müsse das Vorhaben neu beurteilt werden.

Behörden befürworten Wall

Beim stellvertretenden Susa-Geschäftsführer stößt diese Bedingung auf wenig Gegenliebe. „Dazu muss ich mich erst mit dem Oberbergamt in Freiberg abstimmen, das für mich zuständig ist. Mit ihm war bisher vereinbart gewesen, dass eine erneute Probemessung erst erfolgt, wenn der Wall steht“, sagte er der LVZ und wollte sich weitergehend nicht äußern.

Hinter sich weiß er die Behörden. Selbst Lämmel vom kommunalen Bauamt musste einräumen: „Dem Vorhaben spricht aus öffentlicher Sicht nichts entgegen.“ Das Umweltamt des Landkreises geht davon aus, dass mit dem Wall genügend Schall von der Wohnbebauung an der Ammelshainer Straße abgehalten wird. Auch die Fachbereiche des Landratsamts für Naturschutz, Landschaftspflege, Bodenschutz und Denkmalschutz sehen den Eingriff als zulässig an.

Lärmschutzwall als Lebensraum

Allerdings drängen die Behörden darauf, dass der Wall naturnah hergestellt wird, damit er Lebensraum für möglichst viele Tiere bietet. Sandlinsen als Eiablageplätze, Totholz- und Steinhaufen sowie Schotterriegel sollen Zauneidechsen als Verstecke dienen, die insbesondere während der Bauphase zu schützen sind. Die Stadt drängt darauf, Rasen mit Blumen für Bienen und Schmetterlinge anzusäen.

Von Frank Pfeifer

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