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Grimma Stadtbibliothek Colditz braucht mehr Geld
Region Grimma Stadtbibliothek Colditz braucht mehr Geld
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13:00 08.01.2016
Katrin Rives, Wolfgang Heidrich und Jona Krause (von rechts) sind die guten Seelen der Colditzer Stadtbibliothek in der ehemaligen Betriebsberufsschule am Wettiner Ring. Sie wünschen sich mehr Geld für die Einrichtung. Quelle: Thomas Kube
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Colditz

Mehr Geld für die Stadtbibliothek in der BBS erhofft sich Wolfgang Heidrich. Er ist der einzige fest angestellte Mitarbeiter, nachdem Leiterin Dorothea Dembinski Ende April ausschied. Seitdem hat er sich einen Überblick über den Bestand verschafft und festgestellt: „Dieser ist total überaltert.“

Mit der Haushaltskonsolidierung 2007 wurde die Einrichtung an Vereine übergeben, inzwischen ist das Bildungs- und Sozialwerk (BSW) Muldental der Träger. Für Personal- und Betriebskosten schießt die Stadt jährlich rund 13 000 Euro zu. Ansonsten verschafft sich die Bibliothek im bescheidenen Rahmen über Jahresgebühren, die Nutzung fünf neuer Computer, die sie vom Kultusamt des Landkreises erhielt, und über Projekte Einnahmen. So bekommt sie beispielsweise Fördermittel fürs Vorlesen in Kindertagesstätten. Heidrichs Hoffnung: „Dort können wir eine neue Gruppe von Nutzern heranziehen, die uns über die Schulzeit hinweg treu bleibt.“

Hauptnutzer sind Kinder und Rentner

Das ist mehr als notwendig, denn bisher sind es vor allem die kleinen Kinder und Rentner, die Heidrich mit seinem Team erreicht. Nur reichlich 100 Leser sind registriert, für eine Stadt mit fast 9000 Einwohnern äußerst mau. „Gerade der Hauptteil, der unsere Besucher ausmachen sollte, also die Jugendlichen und berufstätigen Erwachsenen, kommen kaum zu uns. Das wollen wir ändern“, sagt der Angestellte, dem mit Katrin Rives als ehrenamtliche Mitarbeiterin und Jona Krause, die seit dem 1. Oktober ihren Bundesfreiwilligendienst in der Bibliothek absolviert, zwei engagierte Kräfte zur Seite stehen.

A und O sei ein attraktives Angebot. „Wir brauchen aktuelle Medien, also neue Bücher, Hörbücher, DVDs, CDs, vielleicht auch Zeitschriften“, erklärt Heidrich. Am liebsten wären ihm auch Tiptois, die bei Jüngeren beliebten elektronische Stifte, mit denen sich zusätzliche Informationen zu Büchern abrufen lassen. Ein monatlicher Fonds in Höhe von 500 bis 1000 Euro sei nötig, um grundsätzlich etwas am Bestand zu ändern und damit die Einrichtung vor dem Untergang zu bewahren.

Bemühen um Förderung

Für Ronny Kriz vom BSW eine utopische Summe. Er bezeichnet das Bibliothekswesen als „freiwillige Pflichtaufgabe der Kommune“, die immer ein Zuschussgeschäft sei. Sein Verein bemühe sich, eine schwarze Null zu schreiben, indem er Fördermittel akquiriere und sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmere. „Wir versuchen zum Beispiel über die Sparkassenstiftung und die EnviaM Geld aufzutreiben“, sagt er. Ansonsten bleibe noch der Verkauf alter Bücher, was allerdings wenig bringt. Eine 18-bändige Brockhaus-Enzyklopädie zum Beispiel sei jetzt für schlappe 50 Euro abzugeben. Sie wie auch andere Lexika und Lernsoftware zählten zu den Ladenhütern.

Der Träger kann also nicht im großen Stil investieren. Und die Stadt? „Wünsche dürfen immer geäußert werden“, sagt Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos). „Wenn wir freie Spitzen haben, sollten wir etwas tun.“ Erörtert werden müsse das Thema im Stadtrat, wenn es um den kommunalen Etat für kommendes Jahr geht. „Inzwischen besteht zwar kein Zwang mehr zur Haushaltskonsolidierung; wenn wir jetzt aber wieder Volldampf fahren, sind wir in drei Jahren wieder drin“, meint er.

Stadt sieht sich in Pflicht

Schmiedel bedauert, dass die Bibliothek dieses Jahr aus der Förderung durch den Kulturraum gefallen ist. Das sei geschehen, weil kein Fachpersonal mehr angestellt ist und es zu wenige Nutzer gibt. Nun sei die Stadt in der Pflicht, die Einrichtung langsam aufzubauen.

Außerdem möchte das BSW die Bibliothek vergrößern. „Wir wollen den ehemaligen Speiseraum der BBS zuschlagen“, verrät Kriz. „Wenn Kindergruppen kommen, ist es sehr beengt. Im neuen Raum könnte es Veranstaltungen, Diashows, Lesungen und Ausstellungen geben. Die Außenhülle sei schon fertig, seitdem neue Fenster im Gebäude eingesetzt sind. „Der weitere Aufwand wäre nicht mehr hoch, zumal wir Maler und die Holzausbildung im Hause haben“, schätzt Kriz. Mobiliar sei zum Großteil vorhanden und lagere schon im alten Speiseraum.

Von Frank Pfeifer

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