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Stadtratsmehrheit gegen Zusammenlegung der Naunhofer Museen im alten Jobcenter

Widerstand Stadtratsmehrheit gegen Zusammenlegung der Naunhofer Museen im alten Jobcenter

Große Widerstände kündigen sich an gegen den Plan von Bürgermeister Volker Zocher (parteilos), das Turmuhrenmuseum und das Museum für historische Bürotechnik im ehemaligen Jobcenter unterzubringen. Nur eine der beiden Einrichtungen findet die Idee gut, die meisten Stadträte hegen Vorbehalte. Eine Momentaufnahme.

Vom Verein Turmuhrenmuseum angelegte Blumenuhr, die zwischen der Einrichtung und der Stadtkirche ein Hingucker zu jeder Jahreszeit ist.

Quelle: LVZ

Naunhof. Große Widerstände kündigen sich an gegen den Plan von Bürgermeister Volker Zocher (parteilos), das Turmuhrenmuseum und das Museum für historische Bürotechnik im ehemaligen Jobcenter unterzubringen. Nur eine der beiden Einrichtungen findet die Idee gut, die meisten Stadträte äußern Vorbehalte. Eine Momentaufnahme.

Zochers Konzept, das der LVZ vorliegt, sieht vor, die beiden Museen, die momentan von Vereinen getragen werden, in städtische Obhut zu übernehmen. Sie sollen nach seiner Meinung umziehen und im ehemaligen Jobcenter an der Alten Beuchaer Straße unterkommen. Als Grund nennt der Bürgermeister das liebe Geld. Die Haushaltskonsolidierung lasse keine weitere Finanzierung der Museen zu. Und der Kulturraum Leipziger Raum habe deutlich gemacht, dass eine weitergehende Förderung ab diesem Jahr nicht mehr zu erwarten ist.

Bürotechnik-Museum: Umzug lieber heute als morgen

Jörg Müller (l) vom Museum für historische Bürotechnik bei der Pflege einer alten Schreibmaschine

Jörg Müller (l.) vom Museum für historische Bürotechnik bei der Pflege einer alten Schreibmaschine.

Quelle: Andreas Röse (Archiv)

Jörg Müller, Vorsitzender des Vereins Museum für historische Bürotechnik, würde den Vorschlag lieber heute als morgen umgesetzt sehen. „Durch die Kürzung der Kulturraum-Förderung haben wir finanzielle Probleme, können die Öffnungszeiten nicht mehr personell abdecken“, sagt er. Bis das Konzept umgesetzt ist, werde nur noch sonnabends 13 bis 18 Uhr und auf Anforderung geöffnet. Deshalb hätten sich alle Vereinsmitglieder für Zochers Weg ausgesprochen. „Die Stadt würde uns damit entlasten, wir wären dann ein Förderverein, der die technische Betreuung übernimmt und für die Funktionstätigkeit der Exponate sorgt“, so Müller.

Turmuhrenmusem: Konzept inakzeptabel

Völlig anders beurteilt Peter Schnabel, Vorsitzender des Vereins Turmuhrenmuseum, die Situation für seine Einrichtung. Dessen Alleinstellungsmerkmal sei eine Kombination aus Präsentation von Ausstellungsstücken, Durchführung von Veranstaltungen (unter anderem Zeitsprüche, Museumsnacht, Trödelmarkt), Blumenuhr, Einbeziehung der Turmuhr der Stadtkirche, Kirchenführungen, Betreuung von Busreisenden und Museumscafé. Sie sei „nur am jetzigen Standort möglich und weiterhin erfolgversprechend.“ Der Vorschlag Zochers, das Museum perspektivisch in die Trägerschaft der Stadt zu übernehmen, werde zwar begrüßt. „Die jedoch im Nachgang aufgestellte Konzeption der Stadt kann vom Verein Turmuhrenmuseum nicht akzeptiert werden, da viele Fragen nicht geklärt sind und der Charakter des Turmuhrenmuseums in seiner bewährten Form nicht berücksichtigt wird“, so Schnabel.

CDU: Keinen Zwang auf Vereine ausüben

„Wenn die beiden Trägervereine den Museumsbetrieb nicht mehr stemmen können, dann sollte die Stadt übernehmen – auch wenn das wesentlich teurer wird als die derzeitige Situation“, meint der Fraktionsvorsitzende der CDU, Gerold Meyer. „Allerdings müssen die Vereine das auch wollen – wir dürfen das nicht erzwingen, etwa durch Kürzung oder Entzug städtischer Unterstützung. Das vordringliche Ziel ist, die Museen als Aushängeschild unserer Stadt zu erhalten. Organisation und Verwaltung können zusammengeführt werden – nicht die Ausstellungen, denn sie haben eine zu unterschiedliche Spezifik.“

Das Gebäude des ehemaligen Jobcenters, das 2014 quasi über Nacht wegen Altlastenproblemen geräumt werden musste, hält die CDU-Fraktion als Museumsstandort für ungeeignet. Der Umbau dürfte teuer werden. Danach wäre die Atmosphäre eher nüchtern, während das Turmuhrenmuseum in der alten Mädchenschule einen echten Charme versprühe. Mit einem städtischen Zuschuss von 4000 bis 5000 Euro pro Jahr könne es dort in den nächsten fünf Jahren vom Trägerverein weiter betrieben werden.

UWV: Stadt muss Kürzungen zurücknehmen

Für eine Übernahme der Trägerschaft durch die Stadt und eine verwaltungsmäßige Zusammenführung spricht sich auch die Unabhängige Wählervereinigung (UWV) aus, die ebenso die räumliche Zusammenlegung ablehnt. Bei einem Verbleib des Turmuhrenmuseums, so Jörg-Dietmar Funke, wäre auch sichergestellt, dass die Eigentümer der Mehrheit der Ausstellungsstücke ihre Leihgaben nicht zurückziehen und damit die Sammlung erhalten bleibt. Die Stadt müsse die Kürzung ihrer finanziellen Unterstützung zurücknehmen.

Nach Meinung der Unabhängigen ist der von Zocher vorgeschlagene neue Standort denkbar ungeeignet. Wegen gefährlicher Ausgasungen hätte des Gebäude auf dem ehemaligen Gelände der Firma Sachsenpelz geräumt werden müssen. „Besucher und Mitarbeiter des Museums wären dann ebenfalls diesen Gefahren ausgesetzt“, erklärt Funke. Stattdessen solle das Haus zusammen mit den dazugehörenden umliegenden Flächen einer einheitlichen Bebauung zugeführt werden. Für die Altlastenbeseitigung könnten Fördermittel eingesetzt und für die Bebauung Investoren gewonnen werden.

Zukunft des Turmuhrenmuseums

Wo sollte das Naunhofer Turmuhrenmuseum seinen künftigen Standort haben?

BiN: Aus der Museen droht

Auch die Bürgerinitiative Naunhof (BiN) verweigert sich einer räumlichen Zusammenlegung der Museen. „Mittelfristig sollte man durchaus über neue Wege diskutieren, aber kurzfristig wäre diese Maßnahme das sichere Aus für beide Museen“, meint Mario Schaller. Speziell das Turmuhrenmuseum mit seiner Blumenuhr in Angrenzung an den Kirchgarten strahle ein gewisses Flair aus. „Aber welches Flair soll ein stark kontaminiertes Industriegebiet vermitteln? Wir fahren doch auch nicht zur Erholung in den Urlaub nach Tschernobyl, obwohl es dort sehr ruhig sein soll“, so Schaller.

Wenn ernsthaft über eine Nutzung des ehemaligen Jobcenters nachgedacht werden soll, wäre die Umsetzung nur mit erheblicher finanzieller Unterstützung aus Kreis, Land und Bund möglich. Schaller: „Sicherlich kann man dann über eine Nutzung als zukünftige Museumsinsel reden, aber dazu gehört viel mehr als nur das nüchterne Zusammenlegen von zwei Museen. Hierzu braucht es neben dem aktuell nicht vorhanden Kleingeld vor allem eine Begeisterung mit der nötigen Beharrlichkeit, die Sache erfolgreich mit dem Stadtrat anzugehen und auch durchzuziehen.“

Linke: Zusammenlegung bringt Vorteile

Zehn von 16 Stadträten gehören den Gruppierungen an, die einer räumlichen Zusammenlegung beider Museen im etwas abgelegenen ehemaligen Jobcenter nicht zustimmen. Die beiden Abgeordneten der Linken halten den Standort hingegen für geeignet, sofern keine Gesundheitsbelastung vorliegt. „Das Objekt steht zentral, bietet ausreichend Platz und würde endlich einer sinnvollen Anschlussverwendung zugeführt. In diesem Rahmen besteht auch die Möglichkeit, über den bloßen Ausstellungsbetrieb hinaus Klassifizierung und Forschung zu betreiben und damit ein vollwertiges Museum zu schaffen“, erklärt Michael Eichhorn.

Und weiter: „Die Zusammenlegung in einem Objekt begrüßen wir und sehen darin auch Vorteile für den Besucher. Auch um Fördermittel zu bekommen ist dieser Schritt unumgänglich.“ Im Zuge der gestiegenen Arbeitsbelastung der Naunhofer KulturWerkStadt müsse eine Anpassung in der Verwaltung erfolgen und ein Kulturamt geschaffen werden.

Kulturraum: Museum für Feinmechanik wäre ideal

Der Kulturraum Leipziger Raum fände es schade, beide Museen nicht im ehemaligen Jobcenter zusammenzuführen. „In einem gemeinsamen Museum für Feinmechanik könnten sie sich ganz anders als bisher aufstellen, sie würden qualitativ einen großen Sprung machen“, meint Kultursekretärin Ines Lüpfert. „Vorstellbar wäre aber auch, die Einrichtungen an den beiden jetzigen Standorten zu fördern, wenn sie in städtische Trägerschaft übernommen worden sind. Das müssten dann unsere Gremien entscheiden. In erster Linie käme das aber auf das Konzept an, das uns die Stadt vorlegt.“ Fürs laufende Jahr jedenfalls zahle der Kulturraum kein Geld an die zwei Vereine.

Um einer Lösung des Problems Nachdruck zu verleihen hat die CDU-Fraktion am 25. Januar den Antrag an Zocher gestellt, er möge das Thema spätestens zur Februar-Sitzung auf die Tagesordnung des Stadtrats setzen. Mitgliedern der beiden Museumsvereine solle die Teilnahme angeboten werden. Zur jüngsten Sitzung des Parlaments hatte der Bürgermeister schon eingeräumt: „Wir müssen das Turmuhrenmuseum nicht unbedingt übernehmen.“ Am Donnerstagabend sollte der Finanzausschuss über einen Mietnachlass für das Turmuhrenmuseum bis maximal Ende Juni befinden.

Von Frank Pfeifer

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