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Ständchen für langjährigen Mutzschener Landarzt: Frieder Bitzer feiert 80. Geburtstag

Geburtstag Ständchen für langjährigen Mutzschener Landarzt: Frieder Bitzer feiert 80. Geburtstag

Der langjährige Mutzschener Landarzt Frieder Bitzer feiert 80. Geburtstag. 1967 übernahm er die Leitung des Landambulatoriums in Mutzschen. Das „Ambu“ galt als Vorzeigeobjekt. Obwohl Bitzer schon lange Rentner ist, übernahm er noch mit weit über 70 Jahren etliche kassenärztliche Notdienste.

Frieder Bitzer schrieb die erfolgreiche Geschichte des Mutzschener Landambulatoriums maßgeblich mit.

Quelle: Archiv

Grimma/Mutzschen. Ob der Patient noch zu retten sei – Frieder Bitzer legt die Stirn in Falten. Er wisse es nicht. Die ernst zu nehmenden Symptome sprächen jedoch nicht für eine baldige Genesung. Gern würde er ein paar Tropfen, eine Salbe oder eine Kur verschreiben. Doch der langjährige Mutzschener Landarzt hat kein Patentrezept. Schließlich untersucht er nicht etwa wie früher Oma Ernas hartnäckigen Husten, schlimmer, er zerbricht sich den Kopf über die krisengeschüttelte Welt: „Die Unterschiede zwischen arm und reich sind gigantisch. Langfristig führen die nicht nur zu mehr Flüchtlingen, sondern auch zu wachsender Kriegsgefahr – genauso wie die Stimmungsmache gegen Russland.“

Ob Pobjeda, Moskwitsch, Lada oder zuletzt Kalina – als Retter war Bitzer ausnahmslos in robusten russischen Fabrikaten auf Achse. Bloß gut. Beim Unfall auf der Mutzschener Chaussee wurde dem Landarzt in seinem letzten Dienstjahr die Vorfahrt geschnitten. Bitzer blieb unverletzt und feiert nun bei bester Gesundheit seinen 80. Geburtstag. Von der lieben Ilse gibt es ein Küsschen außer der Reihe. Musikant Franz Marath bläst ein Ständchen. Mit seinen fußballernden Alten Herren geht’s direkt nach dem Training zur „dritten Halbzeit“ ins Gasthaus.

Doktor Bitzer ist ein Markenname in Mutzschen. Obwohl er schon lange Rentner ist, übernahm er noch mit weit über 70 Jahren etliche kassenärztliche Notdienste. Mit seinen fünf Koffern und zwei Taschen voller Spritzen, Verbandszeug und chirurgischem Besteck eilte er Tag und Nacht zu Unfällen, Herz-Kreislaufgeschichten oder „akuten Bäuchen“.

Der gebürtige Leipziger absolvierte seine Facharztausbildung in Colditz. 1967 übernahm er die Leitung des „Ambus“, des Landambulatoriums in Mutzschen. Dieses wurde 1991 zwar aufgelöst, doch blieben Bitzer und Kollegen noch bis 2003 mit Privatpraxen in dem Gebäude. Lange stand es leer, inzwischen ist es verkauft. „Unser Ambulatorium galt als Vorzeigeobjekt. Ausländische Gesundheitsminister machten sich hier ein Bild von vorbildlicher Betreuung auf dem Lande.“ Man hatte alles unter einem Dach – Neurologen, Chirurgen, Gynäkologen und Hautarzt. „Diese zentrale Versorgung war effektiv. Termine gab es von heute auf morgen.“ Die Poliklinik habe für den fachlichen Austausch optimale Möglichkeiten geboten, ist sich Bitzer sicher: „Zwar ist unser Gesundheitssystem alles in allem Weltklasse. Und doch kämpft in den Praxen jeder Kollege für sich allein. Ich bin davon überzeugt: Obwohl das Wort Poliklinik keiner in den Mund nimmt – die Zukunft gehört den Gemeinschaftspraxen, Ärztehäusern, medizinischen Versorgungszentren.“

Er mache Frühsport mit Ilse, esse viel Obst, rate zu normaler Mischkost, sagt Bitzer und warnt: „Reden wir ja nicht so viel übers Essen, sondern darüber, dass hierzulande Lebensmittel weggeschmissen werden, während anderswo Kinder verhungern. Das ist das Ungesunde!“

Für den zweifachen Großvater Bitzer gibt es auch ein Leben nach dem Beruf. Endlich hat er Zeit für Kinder und Enkel, Zeit für seine geliebte Motette in der Thomaskirche, Zeit fürs Gartengrundstück mitten im Wald. Dort kümmert er sich um die Schafe und all die von ihm vor 40 Jahren gepflanzten Bäume. Sein Tag ist noch immer voll ausgefüllt. Da die Sitzungen des Heimatvereins, dort das Fußballtraining. Um überall pünktlich zu sein, braucht er das Auto. Leider sei es inzwischen kein russisches mehr. „Aber ein Ostfabrikat ist es immer noch, genauer gesagt: ein fernöstliches.“

Von Haig Latchinian

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