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Stein für Stein wächst die Freude

Stein für Stein wächst die Freude

Naunhof. Stein um Stein, Stein um Stein – die Straße wird bald fertig sein: Leicht abgewandelt könnte Martin Liebers den Kinderlied-Klassiker von den fleißigen Handwerkern anstimmen.

. Stein für Stein wuchs bei dem Achtklässler nicht nur die Muldenrinne, sondern auch der Spaß am Praktikum im Borsdorfer Bildungs- und Technologiezentrum (BTZ).

Gemeinsam mit den anderen Mädchen und Jungen der Naunhofer Mittelschule tauschte er die Schulbank gegen die Werkbank, um ein bisschen Arbeitsluft zu schnuppern. Heute geht der zehntägige Abstecher in die Praxis zu Ende.

Das Verlegen ist ein erster Prüfstein für Martin – der letzte wird es sicher nicht sein: denn der 14-Jährige möchte später eine Ausbildung oder ein Studium im Garten- und Landschaftsbau machen. Hegen und Pflegen sei das eine, Planen und Gestalten das andere. Und dazu gehöre auch das Anlegen von Wegen oder Terrassen. Mathematisches und technisches Verständnis sei in der Fachrichtung ebenfalls gefragt. „Handwerklich begabt ist er und rechnen kann er auch", lobt Lehrausbilder Harald Goecke seinen tüchtigen Praktikanten. Denn bevor es ans Pflastern einer dreizeiligen Muldenrinne ging, musste der junge Grethener ihr Gefälle berechnen. Erst dann kamen Schnurpfahl, Zollstock und Steinsetzhammer zum Einsatz. „Zuerst setze ich die mittlere Reihe, dann die beiden äußeren. So", zeigt es Martin noch einmal und bringt Stein für Stein in den Hallensand. Befände sich sein kleines Bauwerk auf dem Fußweg und nicht im BTZ, könnten durch „die muldenförmige Verlegung die Flächen entwässert werden".

Begeistert vom Baubereich ist auch Johannes Hübner. „Im Tiefbau hat es mir am besten gefallen. Ich habe ein Muster gepflastert", erzählt der blonde Naunhofer. Insgesamt sieben Berufsfelder konnten Martin, Johannes und ihre Mitschüler kennenlernen. Dazu gehörten neben dem Baubereich die kaufmännische Branche, die Elektro- und Metallbearbeitungsbranche, die Kunststoff- und Holzbearbeitung sowie die Frisörausbildung.

Doch nicht nur probiert wurde in den jeweiligen Werkstätten, sondern auch produziert: Mit Flachzange und Lötkolben formten die Naunhofer Praktikanten aus einer Rolle Flachdraht die Comic-Figur Werner und sogar eine astabile Kippstufe entstand in der Elektrowerkstatt. Mit Handbohrer, Hammer und Reißnadel fertigte Marco Ziesler im Kunststoffbereich ein Namenschild an. „Man muss schon sehr genau arbeiten". Akribisches Arbeiten gelang auch dem Fuchshainer Benjamin Reinelt bei seinen geometrischen Figuren. Viel Geschick hat sich Janine Mai in der Holzwerkstatt beim Nistkastenbau gezeigt. Das Häuschen sei schon im Garten, lacht die Schülerin aus Grethen. Blinkgeber, Nisthilfe, Namenschild, Ordner oder auch Comicfigur – alles, was sie hergestellt haben, können die Schülerinnen und Schüler mit nach Hause nehmen. Dazu gehören auch die Eindrücke, die sie in den zehn Tagen sammeln konnten: die Einblicke in den Berufsalltag, die Gespräche mit den Ausbildern, die sie fachlich und pädagogisch betreuten. „Viele Schüler begreifen erst richtig in der Praxis, wie wichtig doch Sekundärtugenden sind: Zuhören können, Fleiß und Höflichkeit", sagt BTZ- Projektkoordinator Uwe Männig.

Die Weichen für die berufliche Zukunft sind mit dem berufsorientierendem Praktikum natürlich noch nicht gestellt. Aber der Weg in die richtige Richtung ist schon mal eingeschlagen. Und die hieß für die Naunhofer Mittelschüler praktische Erfahrungen sammeln, sich ausprobieren, eigene Stärken und Wünsche entdecken. Und die Erkenntnis, dass man Mathe und Physik nicht für die Schule, sondern fürs Berufsleben lernt, mag bei dem Praktikum auch so mancher gemacht haben.

Ingrid Hildebrandt

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