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Grimma Storchendrama in Otterwisch: Verletzter Adebar entflieht seinen Helfern
Region Grimma Storchendrama in Otterwisch: Verletzter Adebar entflieht seinen Helfern
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14:34 08.08.2016
Nach dem Feuerwehreinsatz vom Freitag landete der verletzte Storch auf dem Schornstein eines Wohnhauses. Sein gebrochenes Bein winkelte er an. Quelle: Klaus Dröge
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Otterwisch

Tierliebhaber aus aller Welt schauen im Moment auf Otterwisch und bangen mit. Einer der vier in diesem Jahr geborenen Jungstörche hat sich das linke Schienbein gebrochen. Mehrere Versuche, ihn für eine medizinische Behandlung einzufangen, scheiterten. Die Zeit drängt, wenn sein Leben gerettet werden soll.

„Am vergangenen Dienstagabend stand der Storch noch im Nest auf dem Kirchdach, alles war in Ordnung“, schildert Klaus Döge, Vorsitzender der Ortsgruppe Otterwisch des Bundes für Umwelt und Naturschutz. „Am Morgen drauf bekam ich eine E-Mail mit der Nachricht, ein junger Storch habe eine Bruchlandung im Nest hingelegt.“

Feuerwehreinsatz am Freitag in Otterwisch. Mit Hilfe der Grimmaer Drehleiter sollte der Storch vom Kirchdach gerettet werden. Doch er ließ sich nicht fangen. Quelle: Klaus Dröge

Der 65-Jährige, der seit diesem Jahr Live-Bilder in hochauflösender HD-Qualität ins Internet stellt und damit rund um den Globus in Fachkreisen für Aufmerksamkeit sorgt, schaute sich das Video des in Frage kommenden Zeitraums an. Und tatsächlich: Als die Störche, die gegen 5 Uhr zur Nahrungssuche ausgerückt waren, gegen 6.15 Uhr zurückkehrten, landete einer von ihnen auf der Nestkante, rutschte ab, fing sich in der Luft und stürzte beim zweiten Anlauf mitten ins Nest.

Im Internet verbreitete sich das Unheil wie ein Lauffeuer. „Manche wussten ganz genau, was zu tun ist und wo die Ursache liegt. Das ging bis dahin, dass das Kreuz auf der Kirche schuld gewesen sein soll“, berichtet Döge. „Doch das ist Quatsch, seit 45 Jahren hat sich noch kein Storch an dem Kreuz das Bein gebrochen, die Tiere wissen, wie sie anfliegen müssen.“

Livestream vom Storchennest Otterwisch:

Der Naturschützer nahm sich das Video noch einmal vor, und zwar in Zeitlupe. So sah er, dass der Jungstorch schon ein hängendes Bein hatte, als er das erste Mal eintraf. „Er muss es sich bei der Futtersuche gebrochen haben“, ist sich Döge sicher. „Vielleicht ist er an einem Ast hängen geblieben oder er ist in einem Mäuseloch weggeknickt. Es gibt unzählige Möglichkeiten.“

Doch kam der Storch nicht auf das eine gesunde Bein. Er schlug mit den Flügeln, bis er aus dem Nest purzelte, im Fall die Flügel ausbreitete und zu einer Wiese flog, wo sich seine drei Geschwister aufhielten. Klaus Döge fuhr mit dem Auto raus, um ihn zu fangen, kam aber nicht näher als zehn Meter an ihn heran. Das scheue Tier floh, auch bei weiteren Anläufen, an denen sich Bernd Holfter, der ehemalige Betreuer für Störche im damaligen Kreis Grimma, und Uwe Seidel, der für die Störche in der Region Leipzig verantwortlich ist, beteiligten.

Der verletzte Storch am 7. August auf einer Wiese zwischen Otterwisch und Großbuch. Sein Fuß ist angeschwollen, die Bruchstelle schwarz angelaufen. Quelle: Klaus Dröge

Die Nächte verbrachte der gefiederte Freund weiter im Nest, das er immer seltener verließ. Der Gedanke lag nahe, seiner dort habhaft zu werden. Über den Otterwischer Bürgermeister Matthias Kauerauf und seinen Grimmaer Amtskollegen Matthias Berger gelang es am Freitag die Drehleiter der Stadt heran zu beordern. Doch immer wenn Holfter und ein Feuerwehrmann oben über die Nestkante schauten, floh der Storch.

Am Sonnabend schlug ein weiterer Versuch nur um Haaresbreite fehl. Auf einem Reitplatz näherten sich Döge und Seidel, die einen Kescher und eine Decke mit sich trugen, bis auf fünf Meter dem mittlerweile geschwächten Tier. Doch der Zufall wollte es, dass genau in diesem Moment ein großer Schwarm Störche in Otterwisch einfiel. Das Junge hörte das Schnäbelgeklapper seiner Artgenossen und erhob sich in die Lüfte. „Es flog nur einen halben Meter an meinem Netz vorbei“, bedauert Döge und kommentiert: „Wirklich dumm gelaufen.“

Nun saß der Verletzte bei den knapp 30 Störchen auf einem Feld. Seidel sprach einen Bauern an, der ihn mit einem Traktor bis auf einen Meter an das Tier heranbrachte. Doch das Aussteigen dauerte zu lange, wieder war es weg. Die Idee, ein Fahrzeug als Tarnung zu benutzen, soll aber weiter verfolgt werden. Am späten Montagnachmittag wollten die Tierschützer nochmals probieren, den Storch mittels Traktor zu fangen.

Er ist inzwischen allein, denn seine Eltern und Geschwister haben den Ort mit dem Schwarm verlassen. Seit Sonntag hält er sich auf einer Kuhweide zwischen Otterwisch und Großbuch auf, dem Nest ist er seitdem ferngeblieben. „Er sitzt an einer Wasserlache, hat also zu trinken. Und ab und zu wird er einen Wurm erwischen“, meint Döge.

Der Fuß allerdings ist schon dick angeschwollen, und die Bruchstelle hat sich schwarz eingefärbt. Der als Storchenvater bekannte Otterwischer vermutet, dass nur eine Amputation des Beins in der Leipziger Tierklinik übrig bleiben wird. Doch dazu muss ihm Adebar schnell in die Fänge gehen, ehe er verendet oder gar zur Beute eines Fuchses wird

Von Frank Pfeifer

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