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Grimma Straßen verwandeln sich in Flüsse
Region Grimma Straßen verwandeln sich in Flüsse
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14:27 21.06.2013

"Erst das Hochwasser, dann ein Grossfeuer, jetzt die Sintflut - man könnte schon abergläubig werden," entfuhr es Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos). Die Stadt mit ihren Ortsteilen war erneut stark betroffen. Diesmal drang das Wasser nicht aus der Mulde sondern von den höher gelegenen Feldern und Wiesen auf brachiale Weise in die Ortschaften ein. Umgeknickte Bäume, Zweige und Äste sowie Geröll auf den Straßen ließen gestern Morgen erahnen, was beispielsweise bei Familie Greiß in Draschwitz ein Blick auch in den Kühlschrank bestätigte: überall braune Brühe und Schlamm. Anders als bei dem Muldehochwasser stieg ohne jede Vorwarnung der Pegel in Küchen, Schlafzimmern und Wohnstuben bis zu 70 Zentimeter. So schnell wie das Wasser kam, zog es sich auch zurück - mit all den Folgen, die aus der Flutkatastrophe schon bekannt sind. In Mutzschen galt es Keller auszupumpen und Bäume zu beräumen. Zudem rückten die Kameraden in der Nacht zur Hilfeleistung auf die Autobahn 14 aus, wo es einen Unfall mit mehreren Fahrzeugen gab.

Die Schlossstraße in Dorna wurde großflächig unterspült, die Fahrbahn brach an mehren Stellen ab - Vollsperrung. In Höfgen wurde der Messeweg von Schkortitz kommend zum Sammelbecken für die Wassermassen von den Feldern. Ein reißender Strom bildete sich, bahnte sich den Weg durchs Dorf und fand im Landschulheim sein Opfer. Dort sollte ein Kindercamp beginnen - es musste abgesagt werden. Nur mit einem Traktor konnten Menschen evakuiert werden. An der Hospitalschenke in Neunitz brachte der Sturm eine stattliche Eiche zur Strecke, die ihrerseits eine Hochspannungsleitung mit in die Tiefe riss. In Grimma waren gleich mehrere Straßen großflächig überflutet. So die Wurzener Straße, die Wiesenstraße und die Straße des Friedens in Höhe Aral-Tankstelle. An verschiedenen Orten in der Stadt knieten sich Anwohner buchstäblich rein, um die Straßenabläufe vor angeschwemmtem Treibgut freizuhalten. Auch in Trebsen rückte die Feuerwehr wegen Sturmschäden mehrfach aus. In Altenhain füllte man mit Sand aus der Beachvolleyballanlage eiligst Barrieresäcke, weil es zu Straßen- und Kellerüberflutungen kam.

Besonders schlimm war Pausitz betroffen. Die durch den Ort verlaufende B107 wurde zur Kreuzung für einen neuen Fluss, der sich aus Oberflächenwasser von den Feldern bildete. Dadurch mutierte die Siedlung zur Seenlandschaft mit Überlauf ins Unterdorf. Dort hatten die Betroffenen der Juniflut gerade erst ihre Keller leer und sauber.

Die Liste der Betroffenen ließe sich fortsetzen. Das Unwetter tobte sich im ganzen Muldental aus. Frank Schmidt

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.06.2013

Frank Schmidt

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