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Grimma Straßenamt plant höhere Fahrbahn bei Neichen – Anwohner wittern Flutgefahr
Region Grimma Straßenamt plant höhere Fahrbahn bei Neichen – Anwohner wittern Flutgefahr
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16:33 06.06.2017
Bernd Fichtner (l.) und Helmut Köditz am Rand der Muldebrücke. In der Senke hinter ihnen quert das Mutzschener Wasser die Fahrbahn. Wird die Straße dort höher gelegt, so fürchten sie, wirkt sie wie ein Wall für ein Hochwasser, das von rechts nach links hindurchströmen würde. Quelle: Thomas Kube
Trebsen/Neichen

Alle drei Wochen gehen Bernd Fichtner und Helmut Köditz aus Neichen kegeln. Seit kurzem treibt sie jedoch die Angst um. Sie hatten beim Freizeitsport erfahren, Hochwasser der Mulde könnten sie künftig mehr als bisher schädigen. Das Landesamt für Straßenbauamt und Verkehr (Lasuv), dem sie die Verschlechterung ihrer Lage vorwerfen, versucht zu beruhigen.

Wie Sprecherin Isabel Siebert auf Anfrage bestätigte, plant die Behörde eine Erneuerung der Überführung des Baches Mutzschener Wasser zwischen Trebsen und Neichen, im Volksmund Weiße Brücke genannt. Sie soll verlängert werden und schon 100 Meter östlich der jetzigen Brücke beginnen. Auf diese Weise würde die Staatsstraße 47 für Hochwasser befahrbar gemacht, die, statistisch gesehen, alle 100 Jahre zu erwarten sind.

Das Problem dabei: Die Verkehrsader quert zuerst die Mulde und im weiteren Verlauf bis zum Mutzschener Wasser eine Senke, das Muldeflutbett. Wird die Straße dort angehoben, so argwöhnen die beiden Neichener Rentner, wirkt sie wie ein Damm, der im Hochwasserfall zu einem Rückstau des Flusses führt – und zwar in dem Gebiet, in dem sie wohnen.

„2002 stand schon einmal zur Debatte, die Straße zwischen Mulde- und Weißer Brücke zu erhöhen“, erinnert Helmut Köditz (79), der früher als Bauingenieur gearbeitet hat. „Ein Polier machte mich damals darauf aufmerksam und meinte, wir würden absaufen, wenn der Plan umgesetzt wird. Darauf sagte ich einem Bekannten Bescheid, der sich ans damalige Straßenbauamt Döbeln wendete. Und dort ließ man die Finger von der Sache.“

Nach den Worten von Bernd Fichtner (70) wurde die S 47 im August 2002 mit voller Wucht weggerissen, aber im Juni 2013 nicht einmal überflutet. Als Schaden sei ihm vom zweiten Jahrhunderthochwasser binnen kurzer Zeit nur die zerstörte Auffahrt bekannt, über die der Radweg aus Neichen einbindet. „Das Wasser konnte seinerzeit also weg. Wird die Fahrbahn aber jetzt höher gelegt, kommt es bei uns dicker“, mutmaßt Fichtner.

Dass sein Grundstück ab und zu überflutet wird, nimmt er in Kauf. „Der Fluss muss sich ausbreiten können, deshalb bin ich gegen einen Wall, wie er nach 2002 entlang des Flusses als Schutz der Ortslage Neichen in der Diskussion stand“, sagt er. Damals hatte aber sein Haus 1,50 Meter unter Wasser gestanden, und im Nebengebäude war das Erdgeschoss fast bis zur Decke weg. Er möchte einfach nicht, dass sich die Situation noch verschärft. Aus seiner Sicht ist die jetzige Variante eine Verschwendung von Steuergeld. „Wenn die Weiße Brücke erneuert wird, reicht es, sie so wieder aufzubauen, wie sie jetzt ist“, meint er.

Laut Isabel Siebert vom Lasuv läuft derzeit eine Voruntersuchung des Vorhabens. Die Effekte auf den Hochwasserabfluss der Mulde seien aber schon in Zusammenarbeit mit der Landestalsperrenverwaltung des Freistaates durch Wasserspiegellagenberechnungen ermittelt und bewertet worden. „Im Ergebnis“, so versucht Siebert Ängste zu nehmen, „ergibt sich, dass die Auswirkungen der geplanten Maßnahme auf das Abflussverhalten sehr gering sind und die Bebauungen der Anrainer von Mulde und Mutzschener Wasser bei einem hundertjährigen Hochwasser nicht stärker betroffen sein werden.“

Helmut Köditz wohnt am Mutzschener Wasser, bevor es in die Mulde mündet. Führt der Fluss Hochwasser, drückt es die Brühe in den Bach. „So wurden 2002 und ’13 auch bei uns die Garage und Nebengebäude überflutet“, erklärt er. Deshalb sei er ebenso gegen eine Anhebung der Straße im Muldeflutbett.

Ihn treibt aber auch noch etwas anderes um. „Aus den Erfahrungen mit den Hochwassern heraus wurde in den 1970er-Jahren das Mutzschener Wasser ausgebaggert und mit Steinufern befestigt“, erinnert er. Zu DDR-Zeiten und in den ersten Jahren nach dem Mauerfall sei der Bach regelmäßig gepflegt worden. „Dann brach das aber ab“, kritisiert er. „Das Gras an den Ufern wird zwar gehauen, aber nicht entfernt, so dass die Bach immer enger wird.“

Dem widerspricht Steffen Lämmel vom städtischen Bauamt, der für die Mahd zuständig ist. „Ich weiß nur von zwei Haufen, die noch dort liegen“, erklärt er. „Grundsätzlich läuft die Gewässerpflege, alles Gras wird weggeräumt.“

Von Frank Pfeifer

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