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Grimma Streit um Unkraut vor Privatgrundstück
Region Grimma Streit um Unkraut vor Privatgrundstück
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00:20 13.07.2018
Mike Reuter am Rand seines Grundstücks, wo das Unkraut bis zu 1,50 Meter hoch wuchert. Es hängt über den Steinstreifen hinweg, den er als Abstandhalter vorm Zaun angelegt hat. Der Bauhofmitarbeiter mäht nur ganz vorn an der Fahrbahn. Quelle: Frank Pfeifer
Naunhof/Lindhardt

Eigentlich geht es um eine Lappalie, meint Mike Reuter, der an der Ortsdurchfahrt von Lindhardt wohnt. Zwischen seinem Grundstückszaun und der Fahrbahn wuchert Unkraut, das niemand entfernt. Von Bürgermeister Volker Zocher (parteilos), mit dem er einen Kompromiss über die Mahd schloss, fühlt sich der 54-Jährige vorgeführt. Und überhaupt, so sein Vorwurf, misst die Stadt in seinem Falle mit zweierlei Maß.

2011 kaufte der promovierte Arzt das Haus an der Karl-Liebknecht-Straße und ließ es sanieren. Zweimal schickte ihm die Stadtverwaltung Schreiben, in denen sie Ordnungswidrigkeitsverfahren androhte, weil er das Grün am Fahrbahnrand nicht kurz hielt. Im Laufe der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass er für den Streifen überhaupt nicht zuständig ist, sondern die Kommune selbst. „Der damalige Bürgermeister Uwe Herrmann rief mich an und entschuldigte sich“, sagt Reuter.

Streit um Schaden am Zaun

Von da an habe Ortschaftsratsmitglied Klaus-Peter Altmann, der für den kommunalen Bauhof in Lindhardt im Einsatz ist, den Rasen gemäht. „Vor drei Jahren setzte ich einen neuen Zaun“, schildert Reuter. „Eines Tages kam ich nach Hause, stellte fest, dass frisch gemäht worden war und ein Zaunfeld Schäden aufwies. Das schilderte ich Bürgermeister Zocher, der meinte, dies könne nur Altmann gewesen sein. In einem Gespräch zu Dritt sollte die Sache geklärt werden, doch als es dazu kam, stellte sich Zocher hinter Altmann. So blieb ich auf meinem Schaden sitzen.“

Schließlich trafen beide Seiten laut Reuter die Vereinbarung, dass die Kommune nur bis auf einen Abstand von zehn Zentimetern an den Zaun heran mäht, um weitere Konflikte zu vermeiden. Den damit entstandenen Sicherheitskorridor direkt vorm Zaun legte der Hauseigentümer auf 80 Metern Länge mit einem Vlies und Steinen aus, damit er frei von Bewuchs bleiben möge.

Zoff mit Zocher

Gemäht habe die Stadt aber seit vergangenem Jahr gar nicht, weshalb er im Mai zur Bürgersprechstunde ins Rathaus ging. „Zocher sagte mir, er habe sich dafür eingesetzt, dass alle Mitarbeiter nach Tarif bezahlt werden, jetzt wolle er ordentliche Arbeit sehen“, rekapituliert Reuter. „Doch es tat sich nichts.“

Daraufhin schrieb er eine E-Mail an Zocher und warf der Stadt, wie sie es einst mit ihm getan hatte, eine Ordnungswidrigkeit vor, weil sie ihrer Pflicht nicht nachkomme. Das hohe Unkraut störe optisch, vor allem aber würde es über den Steinstreifen hinweg in seinen Garten hineinwachsen und dorthin Samen ausstreuen. Die Unkrautbeseitigung auf seinem Grundstück werde er der Kommune in Rechnung stellen.

Überraschung im Ort

„Zocher gab mir keine Antwort. Deshalb ging ich wieder zur Bürgersprechstunde, in der er sagte, meine Mail sei eine Frechheit. Ob ich überhaupt wisse, wer er sei..., der Bürgermeister“, so Reuter. „Ich laufe Spießruten und werde von den Verantwortlichen der Stadt vorgeführt.“

Ortsvorsteher Bernd Pohl ist überrascht, dass der langwierige Konflikt noch anhält. „Ich dachte, beide Seiten hätten sich geeinigt“, sagt er. Stadtrat Michael Schramm (CDU), der in Lindhardt wohnt, meint: „Zuständig ist die Stadt. Es dauert vielleicht 30 Sekunden, den Streifen mit dem Traktor zu mähen.“

Unkraut bleibt stehen

Doch das lehnt Klaus-Peter Altmann ab. „Ich könnte beim Mähen an die Steine geraten, die Reuter auf öffentlichem Grund aufgebracht hat. Wenn diese dann umherfliegen, beschädigen sie womöglich den Zaun wie auch unsere Technik“, argumentiert er und beteuert, mit dem damaligen Schaden am Zaun nichts zu tun zu haben. Vor kurzem habe er gemäht, allerdings aus Sicherheitsgründen nicht überall ganz bis auf zehn Zentimeter an den Zaun heran. So liegen nun links die Steine, rechts ist das Gras kurz, und dazwischen sprießt es.

Wie die Sachlage aus Sicht Zochers aussieht und künftig gemäht werden soll, wollte die LVZ vom Bürgermeister wissen. Doch dieser gab keine Stellungnahme ab.

Von Frank Pfeifer

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