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Stufen und Automaten – im Rollstuhl bauen sich die Hürden auf

Muldental Stufen und Automaten – im Rollstuhl bauen sich die Hürden auf

Mit einer Wanderausstellung will die Interessenvereinigung Körperbehinderte des Muldentals auf ein alltägliches Problem für Rollstuhlfahrer aufmerksam machen: Barrieren. In vorerst vier Städten des Muldentals entstanden Fotos, die zeigen, wo Barrieren eine kaum zu nehmende Hürde darstellen und wo Barrieren mit teils einfachen Mitteln überwunden wurden.

Im Grimmaer Rathausfoyer war die Ausstellung jetzt erstmals zu sehen.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Wer auf den Rollstuhl angewiesen ist, weiß von den Hürden des Alltags ein Lied zu singen. Ohne fremde Hilfe ist im Rollstuhl ein Kinobesuch in Grimma undenkbar. Zwei hohe Stufen zur Eingangstür versperren den Weg, und drinnen wird es für Gehbehinderte fast noch schwerer. Anders die Frauenkirche, wo der Eingangsbereich behindertenfreundlich umgebaut wurde. Und wie mit wenigen Handgriffen Rollstuhlfahrer Zugang zu einem Lokal erhalten können, beweist die Pizzeria „Adams“ in Grimma. Hier hilft eine Rampe über die Schwelle hinweg.

Diese und weitere Szenen sind auf Fotografien festgehalten, die die Interessenvereinigung für Körperbehinderte des Muldentals (IVK) in einer Ausstellung bündelt. Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung war sie am Dienstag für drei Stunden im Grimmaer Rathausfoyer zu sehen. Die zum Nachdenken anregende Exposition soll keine Eintagsfliege bleiben.

Unter dem Motto „Wir gestalten unsere Stadt“ haben Organisationen der Behindertenhilfe zum Protesttag das Miteinander in den Mittelpunkt gerückt. Die Muldentaler Interessenvereinigung stellte dabei mit Hilfe der Aktion Mensch, die etwa 3000 Euro beisteuert, das ungewöhnliche Fotoprojekt auf die Beine. „Wir wollen zeigen, wo es Barrieren gibt und wo sie schon überwunden sind“, erläutert Projektmitarbeiterin Jana Treffler, die wie ihr Vereinschef Jörg Schirdewahn im Rollstuhl sitzt. Der Verein wolle die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und auch Barrieren in den Köpfen abbauen. Bei Neubauten etwa sollten die Verantwortlichen von vornherein Barrieren vermeiden. Trotz diverser Bauvorschriften sieht die Wirklichkeit offenbar anders aus. „Das sind Empfehlungen, da kann man ganz viele Ausnahmen machen“, beklagt Treffler.

In Grimma, Colditz, Naunhof und Bad Lausick hat der freiberuflich arbeitende Fotograf Thomas Kube die Motive eingefangen. Weitere Orte sollen folgen. Rathäuser, Schulen, Arztpraxen, Museen, Restaurants oder Bahnhöfe, überall können Menschen, die allein im Rollstuhl unterwegs sind, vor Probleme gestellt werden. Und es sind nicht nur die Stufen, die auch für Menschen mit Rollator oder Kinderwagen zum quälenden Hindernis werden können. Hängen Automaten zu hoch, bleiben das Ticket oder die Geldausgabe verwehrt. Fehlen Behindertentoiletten, kann das Bedürfnis ganz schnell zum Problem werden. Das Naunhofer Rathaus etwa ist ebenerdig zu erreichen, drinnen helfen Fahrstuhl und Behindertentoilette. Allerdings kann ein Rollstuhlfahrer die schwere gläserne Rathaustür allein nicht öffnen und muss sich nach Hilfe umsehen. Insgesamt sei die Situation sehr unterschiedlich, erklärt Treffler. In der Kurstadt Bad Lausick gebe es kaum Barrieren, während in Colditz wenig passiere. In Grimma halte es sich die Waage, ergänzt der Vorsitzende des 50-köpfigen Vereins.

„Über die Bilder wollen wir mit den Menschen ins Gespräch kommen“, sagt Peggy Giehle vom Vereinsvorstand. Es gehe darum, dass Barrieren überwunden werden und in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Zunächst will die IVK die Ausstellung auch in den anderen Muldental-Städten, in denen die Fotos entstanden sind, zeigen. Allerdings ist sie noch auf der Suche nach passenden Orten, wo die Bilder auch längere Zeit hängen können. Auch bei der weiteren Motivsuche wünscht sie sich Unterstützung.

Übrigens bedient die IVK mit der Ausstellung auch ein Projekt unter Federführung des Landesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderte. Das richtet derzeit den Fokus auf einen barrierefreien öffentlichen Personennahverkehr. Am Beispiel des Bad Lausicker Bahnhofs rücken die Muldentaler ein positives Beispiel ins Licht. Mit einem Makel: Derzeit funktioniert der Fahrstuhl zu den Bahnsteigen nicht.

Von Frank Prenzel

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