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Susanne Schädlich erhält Seume-Preis in Grimma

Preisverleihung Susanne Schädlich erhält Seume-Preis in Grimma

Die Leipziger Schriftsteller Andreas Reimann und Helga Novak haben ihn bekommen: Den Johann-Gottfried-Seume-Preis des Internationalen Seume-Vereins Grimna. Am 5. Dezember wird er der Autorin Susanne Schädlich übergeben.

Johann Gottfried Seume lebte von 1797 bis 1801 in Grimma.
 

Quelle: LVZ-Bildarchiv

Grimma.  Sie ist eine Zeitzeugin und die Tochter eines bekannten Schriftstellers: die Autorin Susanne Schädlich, die vor allem mit ihrer autobiografischen Erzählung „Immer wieder Dezember. Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich“ bekannt wurde. Denn im Dezember 1977 verließ die damals Zwölfjährige Ostberlin, nachdem der Ausreiseantrag ihres Vaters genehmigt worden war. Am Sonnabend erhält sie im Betsal des Grimmaer St.-Augustin-Gymnasiums den Johann-Gottfried-Seume-Preis des Internationalen Johann-Gottfried-Seume-Vereins „Arethusa“ in Grimma.

Der Verein, der den mit 3000 Euro dotierten Preis aller zwei Jahre gemeinsam mit der Sparkasse Muldental auslobt, würdigt damit nach Angaben von Thorsten Bolte, im Seume-Verein für den Preis zuständig, das Buch „Westwärts, so weit es nur geht. Eine Landsuche“, das im Jahr 2011 erschien. Es ist damit nicht älter als fünf Jahre, und das ist eine Voraussetzung, um sich für den Seume-Preis bewerben zu können, sagt Bolte. „Uns geht es um aktuelle Literatur.“ In ihrem Buch „Westwärts“ beschreibt Susanne Schädlich die Gefühle, die sie nach ihrer Rückkehr nach Los Angeles hatte. Dorthin ging sie wieder, als eine Freunden im Sterben lag. Die Schriftstellerin hatte zehn Jahren in Amerika gelebt.

Sie wuchs im Berliner Stadtbezirk Köpenick auf, wo sie als Kind mit DDR-kritischen Schriftstellern, aber auch mit dem späteren Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass in Berührung kam. Ihr Vater Hans-Joachim Schädlich hatte damals, Mitte der 70er-Jahre, zusehends Schwierigkeiten eigene Texte zu veröffentlichen. Und spätestens nachdem er wie viele andere DDR-Autoren auch gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann protestiert hatte, war er permanent Schikanen von staatlichen Stellen ausgesetzt. 1977 reiste er, auch mit seiner Tochter Susanne, in die Bundesrepublik aus.

Die verarbeitete ihre Erlebnisse später in ihrem Buch „Immer wieder Dezember“ und beschrieb dann auch, wie sie von ihrem Vertrauten und Onkel, dem Historiker Karlheinz Schädlich, noch bis zur Wende bespitzelt wurde.

Der Seume-Verein vergibt den Preis, der an den bekannten Dichter erinnert, seit 2001. Zu den Preisträgern gehören etwa die Leipziger Dichter und Schriftsteller Andreas Reimann (2005) und Helga Novak (2009). Vor zwei Jahren erhielt die Leipziger Schriftstellerin Constanze John die Auszeichnung. Sie saß auch in der Jury, die über die diesjährige Preisträgerin entschied. John gehört bei der Preisverleihung ebenso zu den Rednern wie die stellvertretende Grimmaer Bürgermeisterin Sabine Krahnert (Linke).

Dass der Seume-Preis am 5. Dezember vergeben wird, hat seinen Grund. Einen Tag später begann der Dichter im Jahr 1801 seine Reise nach Italien, auf der sein bekanntestes Werk ´der Spaziergang nach Syrakrus“ entstand. Zuvor hatte er vier Jahre lang versucht, sich als Korrektor beim Leipziger Verleger Johann Georg Göschen eine bürgerliche Existenz aufzubauen. Thorsten Bolte vom Seume-Verein: „Deshalb findet die Preisverleihung immer am oder um den 6. Dezember statt.“

Von Nikos Natsidis

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