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TSV Naunhof fordert moderate Gebühren für Hallen

TSV Naunhof fordert moderate Gebühren für Hallen

Naunhof. Sollte die neue Benutzungs- und Entgeltordnung für öffentliche Einrichtungen in Kraft treten, müsste unter anderem der Turn- und Sportverein (TSV) 1884 Naunhof eine finanzielle Belastung verkraften.

Bisher trainiert er in den Hallen von Grund- und Oberschule kostenlos. Dann wird er Gebühren bezahlen müssen.

Christa Heidel, die Vorsitzende des Vereins, hofft, dass sich am Ende moderate Gebühren ergeben. "Wir lehnen sie nicht grundsätzlich ab. Aber ich hoffe, dass wir keine Mitglieder verlieren, wenn wir ihre Beiträge zu stark anheben müssen", sagt sie.

Dass der Verein schon ganz andere Hürden genommen hat, ist ihr klar. Seinen 130. Geburtstag hat er in diesem Jahr gefeiert. Grund genug für die Vorsitzende, einmal auf die wechselvolle Geschichte zurückzublicken.

Im Juli 1884 wurde der Turnverein zu Naunhof gegründet, angeregt durch die Herren Meusel und Häntschel. "Fortan trafen sich 50 Männer unterschiedlicher Berufsgruppen wöchentlich zum Turnen am Barren und Pferd im Vereinslokal Ratskeller", weiß Heidel. Das Ehrenmitglied Wiesner habe dem Verein 1900 einen Platz an der Klingaer Straße gestiftet, den heutigen Hundeplatz. Die Frauenabteilung sei 1905 mit 18 Sportfreundinnen entstanden. "Und 1908 wurde eine modern ausgestattete Halle an der heutigen Grundschule gebaut, die Mitgliederzahl stieg an", schildert Heidel.

Den ersten schweren Einschnitt brachte nach ihren Worten der Weltkrieg mit sich. "Das Vereinsleben kam fast zum Erliegen", sagt sie. "Viele Mitglieder wurden eingezogen. Umso größer sollte der Aufstieg in den 1920er-Jahren werden. Fußballer, Handballer, Faustballer, Tennisspieler und Kegler seien hinzugestoßen, das Kinderturnen eingeführt worden. "Es entstand ein riesiger umfassender Verein mit über 1000 Mitgliedern." 1927 habe er das alte Schlossgelände gekauft und danach in mühevoller Kleinarbeit den drei bis vier Meter hohen Hügel in Eigeninitiative abgetragen. Später sei der Reichsarbeitsdienst mit hinzugezogen worden, um die Fläche zu planieren, so dass 1934 der neue Sportplatz eingeweiht werden konnte. Wieder ein Weltkrieg, diesmal der zweite. Die Männer mussten zur Front, die Frauen hatten andere Sorgen, als sich um sportliche Belange zu kümmern.

Die neue Ära begann als Betriebssportgemeinschaften (BSG) Sachsenpelz und Fortschritt. "1952 wurden sie durch den Trägerbetrieb Naunhof der Reichsbahndirektion Halle zur BSG Lokomotive zusammengeführt" berichtet Heidel. "In den 1980er-Jahren hatte diese rund 1300 Mitglieder, die in den Sektionen Handball, Fußball, Faustball, Leichtathletik, Tennis, Schwimmen, Kegeln, Gymnastik, Kinderturnen, Wandern und Bergsteigen sowie Schach trainierten. Begünstigt durch die Bahn, bekamen sie Freifahrtscheine zu Wettkämpfen und Wanderfahrten."

Nach der deutschen Wiedervereinigung habe die Bahn die Trägerschaft gekündigt, da die meisten Mitglieder nicht in diesem Betrieb gearbeitet habe. Sektionen und Abteilungen seien ausgetreten. "Die Fußballer gründeten den SV Naunhof 1920 neu, die Tennisspieler den TC Rot-Weiß Naunhof, und die Kegler den Kegelverein Naunhof", zählt Christa Heidel auf. Der Rest sei 1994 in Turn- und Sportverein 1884 umbenannt worden. Ihn hätten 1997 die Handballer verlassen, die seitdem als BSC Victoria Naunhof auftreten.

Im TSV betreiben heute rund 160 Mitglieder Breitensport in den fünf Abteilungen Aerobic, Gesundheitsturnen, Gymnastik, Faustball und Tischtennis. Aktiv bringt er sich auch ins Ganztagsangebot der Oberschule ein. Heidel: "Unsere Sportwartin Gabriele Goudeck bietet den Schülern nachmittags Ballspiele an."

In diesem Zusammenhang kommt die Vereinschefin wieder auf die neuen Gebühren zu sprechen. "Wir haben viele Rentner in unseren Reihen. Ihnen würde es schwer fallen, wenn sie viel mehr an Beiträgen zahlen müssten. Kinder und Jugendliche, die befreit werden, haben wir kaum. Außerdem wird bei uns die Geselligkeit groß geschrieben mit Radtouren, Wanderungen und Gartenfesten. Man darf da nicht alles in Heller und Pfennig aufrechnen, sondern muss auch den sozialen Aspekt berücksichtigen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.11.2014
Pfeifer, Frank

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