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Grimma Tablet-PCs für Feuerwehren: Etliche bleiben im Landkreis Leipzig ungenutzt
Region Grimma Tablet-PCs für Feuerwehren: Etliche bleiben im Landkreis Leipzig ungenutzt
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10:50 06.07.2016
In Panitzsch wird das Tablet bei jedem Einsatz genutzt. Gemeindewehrleiter Frank Seidel, Gruppenführer Andreas Michael und Jan Münchow (v.l.n.r.) schwören auf die moderne Technik. Quelle: Foto: Andreas Döring
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Landkreis Leipzig

Medienwirksam beglückte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) im Vorjahr sämtliche sächsische Feuerwehren mit einem iPad Air. Nach über einem Jahr Praxisbetrieb gehen die Meinungen über die neue Technik weit auseinander.

431 Gemeinden sollten jeweils ein iPad Air 2 erhalten. Kostenlos. Wie sich inzwischen herausstellte, nahmen nicht mal alle Wehren dieses Angebot an. 30 Geräte wurden mangels Interesse gar nicht erst in Dresden abgeholt. So machte zum Beispiel die Stadt Leipzig keinen Gebrauch von dem Minister-Geschenk. Auch die Möglichkeit, Tablets zu einem vergünstigten Preis für weitere Ortswehren nachzubestellen, wurde nur äußerst verhalten genutzt.

App liefert Rettungskarten für alle Fahrzeugtypen

Kreisbrandmeister Nils Adam sieht bei den Feuerwehr-iPads Licht und Schatten. „Das kommt ganz darauf an, wie intensiv sich die Kameraden mit der Technik beschäftigen. Es gab auch Probleme mit der Software und einige rechtliche Fragen, die immer noch nicht geklärt sind“, so der oberste Brand- und Katastrophenschützer des Landkreises. Die Tablets weisen den Kameraden zum Beispiel digital den Weg zu vorhandenen Hydranten. Außerdem kann im Einsatz der aktuell noch vorhandene Luftvorrat in den Atemschutzgeräten angezeigt werden. Die App liefert zudem Rettungskarten für sämtliche Autos. „Das kann bei Unfällen helfen, eingeklemmte Personen schnell zu befreien“, erläutert Nils Adam. Bislang geht mitunter Zeit verloren, wenn komplexe Fahrzeugkonstruktionen zerschnitten werden müssen. Dank sogenannter Rettungskarten, auf denen wichtige Bauteile wie Airbags oder Gurtstraffer verzeichnet sind, wissen die Einsatzkräfte dank der neuen Mini-Helfer sofort, wo sie ansetzen müssen. „Die Einführung der App ist schon sinnvoll gewesen“, bringt es Nils Adam auf den Punkt. „Allerdings fehlen weitere Schritte, um die Anwendung in der Praxis zu befördern.“ So müsse jede Wehr selbst entscheiden, wie intensiv man sich in die Dinge einarbeitet, notwendige Daten aufspielt, um die Funktionen im Ernstfall auch nutzen zu können. Bei normalen Einsätzen würden viele Kameraden nach wie vor auf ihre Ortskenntnis in Sachen Hydranten vertrauen, vermutet Nils Adam. Bevor man dann das Tablet bemüht, könnten auch wertvolle Sekunden verstreichen. „Und ein iPad löscht bekanntlich kein Feuer.“

Die neue Technik wird bei den Wehren sehr unterschiedlich eingesetzt. „Das ist schon eine gute Sache. Aber wir müssten alle Hydranten in den Ortsteilen erst noch von Hand eingeben“, benennt der Macherner Gemeindewehrleiter David Kolodziej einen entscheidenden Nachteil. „Das ist viel zu aufwendig. Zudem müssten die Daten ständig gepflegt werden. Und das alles im Ehrenamt.“ Momentan liegt das Tablet zumindest bei den Macherner Kameraden im Spind.

iPad kann den Nachwuchs für die Feuerwehr begeistern

Regelrecht begeistert von dem iPad zeigt sich hingegen der Borsdorfer Feuerwehrchef Frank Seidel. „Das iPad ist bei uns in Panitzsch verlastet, weil die dortige Wehr auch im Katastrophenschutz ausrückt. Ohne Tablet fahren wir keinen Einsatz mehr.“ Der Mini-Computer spare viel Papierkram. „So sind wir bisher mit einer Kunststoffkiste voller Feuerwehrpläne angereist. Wenn es brennt, sind darauf für jedes größere Objekt wichtige Daten erfasst. Derzeit sind wir dabei, diese Pläne alle einzuscannen, um sie auf dem iPad griffbereit zu haben.“ Auch alle Hydranten der Gemeinde Borsdorf seien dank Tablet-PC jetzt leicht auffindbar. „Wir finden die Hydranten schneller und müssen nicht erst im Hefter blättern.“ Zudem sieht Seidel die Technik auch als Mittel zum Zweck, um junge Leute für die Feuerwehr zu begeistern. Die Panitzscher setzten ihr iPad schon ein, um mit Kindern auf Schnitzeljagd zu gehen – nach Hydranten versteht sich. „Mit einem modernen iPad“, hat Seidel beobachtet, „kann man den Nachwuchs ganz anders hinterm Ofen hervorlocken.“

Für und Wider zu Tablets

Von 30 Feuerwehren wurde das Tablet gar nicht erst abgerufen. Das geht aus einer Antwort des sächsischen Innenministers auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Franziska Schubert von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag hervor. Zudem hätten nur 86 Gemeinden Förderanträge für die Anschaffung weiterer iPads gestellt. Die Staatsregierung erklärt dennoch, man habe „positive Rückmeldungen zur Eignung der Anwendung vom Landesfeuerwehrverband Sachsen e.V., von unteren Brandschutz-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzbehörden sowie von Kreisbrandmeistern erhalten“, so Ulbig in seiner Antwort weiter. Franziska Schubert von der Grünen-Landtagsfraktion beruft sich auf ihrer Internetseite auf Gespräche mit Feuerwehrleuten, in denen diese technische, rechtliche und organisatorische Schwierigkeiten mit dem Gerät geschildert hätten. Die Gemeinden und Feuerwehren seien „von dem Projekt des Innenministeriums offenbar völlig überrascht worden“, so die Grünenpolitikern. „Gemeinden konnten die Technik zudem nur bekommen, wenn sie dem Innenministerium vorab eine sogenannte Überlassungserklärung unterschrieben haben. Ist diese unterzeichnet, übernehmen die Gemeinden das volle Risiko für die Nutzung der App.“ Als „Testlabor für halbdurchdachte Ideen“ seien die Feuerwehren aber „völlig ungeeignet“, so Schubert. Aus diesem Grund müsse „dringend darüber geredet werden, wie man das Geld für die Feuerwehren sinnvoller einsetzen kann, wenn die vom Innenministerium angestrebten Ziele nicht erreicht werden“.

Ob und was die Tablets im Einsatz bringen, will die Landesregierung allerdings erst in vier Jahren evaluieren. Auf die Frage, wie viele Feuerwehren die Tablets tatsächlich nutzen, meint der Minister etwas optimistisch: „Die tatsächliche Nutzung wird statistisch nicht erfasst. Es ist jedoch davon auszugehen, dass alle Gemeinden, die ein iPad übernommen haben, die Anwendung auch nutzen.“ Die Möglichkeit, weitere Tablets vom Land gefördert zu bekommen, bestand zudem nur im Vorjahr. 2016 sei keine weitere Förderung von iPads vorgesehen, so Minister Ulbig.

Von Simone Prenzel

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